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Tödliche Sprengung: Amtsgericht verurteilt zwei Männer

Polen-Böller im Kondomautomaten

Weihnachten 2015: Drei Männer wollen einen sogenannten Polen-Böller ausprobieren. Nur zum Spaß. Sie stecken ihn in einen Kondomautomaten und zünden ihn an. Die Explosion reißt den Automaten komplett auseinander. Als der Rauch sich legt, ist einer der drei tot. Ein Metallteil hat ihn am Kopf getroffen. Am Dienstag standen die zwei Überlebenden vor dem Ahauser Amtsgericht.

Ahaus/Schöppingen

, 11.10.2016
Tödliche Sprengung: Amtsgericht verurteilt zwei Männer

Der illegale Böller hatte den Kondomautomaten in Schöppingen komplett auseinandergerissen. Ein 29 Jahre alter Mann aus Schöppingen wurde von einem abgerissenen Metallteil am Kopf getroffen.

Das Gericht verhängte schließlich Bewährungsstrafen: 18 Monate für den 28-jährigen Schöppinger, der als Haupttäter gilt. Er muss zusätzlich 150 Sozialstunden leisten. Der andere Angeklagte wurde zu neun Monaten und einer Geldauflage von 2000 Euro verurteilt, weil er nicht unmittelbar beteiligt war. Er hatte am Steuer des Autos gesessen und die Sprengung gefilmt.

Lautstärke des Knalls getestet

Das Trio war am zweiten Weihnachtsfeiertag 2015 mit dem Auto zu dem Automaten gefahren. Dort hatten sie den Böller angezündet. Nicht um den Automaten aufzusprengen, sondern um die Lautstärke des Knalls zu testen. Das erklärten die beiden Angeklagten vor Gericht. Ein 29-jähriger Mann aus Schöppingen war damals nicht schnell genug zurück in das Auto gekommen und wurde von einer abgesprengten Metallleiste am Kopf getroffen. Die beiden Mittäter brachten ihn mit ihrem PKW ins Krankenhaus nach Ahaus. Reanimationsversuche blieben ohne Erfolg.

Tat ist nicht zu erklären

"Jegliches Verständnis für diese Tat fehlt", sagte Benedikt Vieth, Direktor des Amtsgerichts Ahaus, nach der Urteilsverkündigung gegenüber der Münsterland Zeitung. Schon bei einem Jugendlichen sei eine solche Tat nicht zu erklären. "Die drei Männer waren aber 27 und 29 Jahre alt", so Vieth weiter. Die Männer hatten vollumfänglich gestanden. Eine Erklärung konnten sie indes den Richtern nicht liefern. Lediglich soviel: Sie hätten die Sprengkraft des illegalen Böllers testen wollen, fasste Benedikt Vieth zusammen. Einer der Angeklagten habe den Sprengkörper gegenüber den anderen sogar noch besonders angepriesen.

Opfer war gleichzeitig Täter

Am Ende hätten sie noch immenses Glück im Unglück gehabt, weil keine Unbeteiligten zufällig an dem Automaten vorbeikamen und verletzt wurden. Dann hätte die Anklage auf Gefährdung von Personen gelautet - mit einem entsprechend höheren Strafmaß. So jedoch war das Opfer gleichzeitig Täter: "Der Mann, der ums Leben gekommen ist, war an der Tat selbst maßgeblich beteiligt", erklärte Vieth. Dennoch sei dieses extrem gefährliche und ignorante Verhalten strafverschärfend gewertet worden.

Gleichzeitig seien die beiden Männer schon gestraft genug. Ein Punkt, den das Gericht strafmildernd wertete: Einer der Überlebenden ist der Bruder, der andere der beste Freund des Toten.