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Vögel starben durch „Schwiegermuttergift“

Greifvögel in Ammeln wurden vergiftet

Jetzt gibt es Gewissheit: Die toten Greifvögel, die man auf einem Acker in Ammeln gefunden hatte, wurden vergiftet. Die Suche nach den Tätern beginnt.

Ahaus

, 22.05.2018
Vögel starben durch „Schwiegermuttergift“

Einer der beiden toten Vögel. privat

Es war in den ersten Apriltagen, als Spaziergänger, die im Bereich Schöppinger Straße/Düstermühlenweg mit ihren Hunden unterwegs waren, eine schlimme Entdeckung machten. Nur 200 Meter voneinander entfernt lagen zwei seltene Greifvögeln – ein Rotmilan und ein Bussard. Ihren Fund zeigten sie sofort dem Nabu Borken an, der sofort tätig wurde. Dessen Vorsitzender Herbert Moritz hatte auch gleich einen Verdacht: „Weil die Fundumstände auf eine Vergiftung als Todesursache hinwiesen, wurden die Experten des Komitees gegen den Vogelmord hinzugezogen und eine Untersuchung der Tiere durch das Veterinäruntersuchungsamt in Münster veranlasst.“

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Von dort wurden Proben der Kadaver zur toxikologischen Untersuchung an die Ludwig-Maximilian-Universität München weitergeleitet. Nach Analyse von Kropf- und Mageninhalt der Vögel steht das Ergebnis jetzt fest: Es wurden Rückstände von Parathion gefunden. Das Insektengift ist besser bekannt als E 605 oder im Volksmund auch als „Schwiegermuttergift“. Dabei handelt es sich um ein stark wirksames Kontaktgift. Heißt: Allein schon die Berührung ist für Mensch und Tier gesundheitsgefährdend. Parathion ist europaweit verboten – Besitz, Verkauf und Anwendung.

Nicht der erste Fall in der Region

Und dennoch taucht es gerade bei der Vergiftung von Wildtieren immer wieder auf. So auch 2016 bei drei toten Mäusebussarden, die bei Legden gefunden wurden oder im April 2017 in Borken.

Das „Komitee gegen den Vogelmord“ in Bonn widmet sich seit Jahren der Problematik. Biologe Axel Hirschfeld berichtet im Gespräch mit der Münsterland Zeitung, dass man es ganz gezielt auf streng geschützte Greifvögel abgesehen hat.

Dabei seien die „Waffen“ durchaus unterschiedlich: Vergiftungen, Fallen und Abschuss. Bei Aasfressern wie Rotmilanen sei der Einsatz von vergifteten Ködern – tote Tauben, Kaninchen, Schlachtabfälle – aber „das Mittel der Wahl“, sagt Hirschfeld.

Biologe schätzt Rotmilan-Bestand im Kreis auf drei Brutpaare

Dabei trifft der Tod von Rotmilanen die Vogelschützer noch einmal besonders hart. „Die bewegen sich im Kreis Borken schon auf sehr geringem Niveau“, bedauert der Biologe und schätzt, dass es hier noch drei Paare gibt. Insofern sei auch ein „richtiger Schatz“ vernichtet worden.

Nach dem Fund der toten Vögel wurde bereits eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet, jetzt wollen Nabu und Komitee Strafanzeige gegen Unbekannt stellen. Das Töten solcher streng geschützter Tierarten stellt nämlich eine Straftat dar und kann mit einer Geldstrafe, aber auch mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.

Aufklärungsquote ist gering

Die Suche nach dem oder den Tätern allerdings ist schwierig, die Aufklärungsquote liegt laut Axel Hirschfeld bei lediglich fünf bis sechs Prozent. Dabei beziehe sich diese Zahl sogar nur auf die Fälle, bei denen Fallen eingesetzt werden. Denn nur da habe man meist eine Chance. Hirschfeld: „Bei Vergiftungen ist sie noch niedriger.“

Bundesweit seien laut Hirschfeld rund 45 Personen rechtskräftig verurteilt worden. Und die stammten eigentlich nur aus zwei Interessensgruppen – Tauben- und Geflügelzüchter sowie Jäger. Nicht jeder Jäger oder Geflügelzüchter sei Täter, aber: „Umgekehrt gilt das schon.“

Im aktuellen Fall ist die Kreispolizei Borken bereits aktiv geworden. „Die Ermittlungen laufen sehr intensiv“, sagt Polizeisprecher Thorsten Ohm auf Anfrage. So sei bereits die Staatsanwaltschaft Münster eingebunden worden zwecks Prüfung.

Natur- und Vogelschützern ist es auch unabhängig von dem Ergebnis wichtig, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Für den Schutz solch seltener Tiere, aber auch für die akuten Gefahren, die von vergifteten Ködern ausgehen: Verdächtige Funde sollten fotografiert und Nabu sowie Polizei gemeldet werden. Und: Prinzipiell sollten Menschen und Tiere ferngehalten werden.