Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Akrobat balanciert über die Niagarafälle

Niagara Falls/New York (dpa) Nik Wallenda, Urenkel eines deutschen Zirkusakrobaten, hat als erster Mensch die Niagarafälle an ihrer schönsten und gefährlichsten Stelle überquert.

/
Nik Wallenda ist der erste Mensch, der sich über die Horseshoe Falls (Hufeisenfälle) wagte. Foto: Warren Toda

Schauplatz des Hochseilakts: Die Horseshoe Falls (Hufeisenfälle), der gefährlichste Punkt des Naturspektakels an der Grenze zwischen den USA und Kanada. Foto: Warren Toda

Nik Wallenda legte die 550 Meter lange Strecke über den tosenden Wassermassen in nur 25 Minuten zurück. Foto: Warren Toda

Das Schlimmste war der Wind, bekannte Wallenda bei seiner Ankunft auf der kanadischen Seite. Foto: Warren Toda

Der letzte Drahtseilakt an den Niagarafällen liegt mehr als 100 Jahre zurück und fand an einer weitaus seichteren Stelle statt. Foto: Warren Toda

Der Drahtseilakrobat Nik Wallenda überquert die Niagarafälle in schwindelnder Höhe auf einem Drahtseil. Foto: Warren Toda

Dort, wo die Wassermassen des Niagaraflusses 58 Meter in die Tiefe stürzen, balancierte der 33-Jährige in der Nacht zum Samstag vor den Augen der Welt auf einem dünnen Drahtseil in schwindelerregender Höhe über den Abgrund. Immerhin war er mit einem Gurt gesichert.

Niemand vor Wallenda hat sich je über diesen Teil des Naturwunders gewagt, die hufeisenförmigen Horseshoe Falls auf der kanadischen Seite. Mehr als hundert Jahre liegen zurück, seit die Behörden überhaupt einem Stunt zustimmten. Als bisher letzter spannte der 21-jährige James Hardy 1896 sein Seil, allerdings weiter flussabwärts an einer seichteren Stelle.

Wallenda träumte seit seiner Kindheit von dem Abenteuer. Zwei Jahre kämpfte er gegen die Mühlen der Bürokratie, bis er die Genehmigung der USA und Kanadas in der Tasche hatte. An seinem großen Tag wirkte er ruhig und gelassen, als er im Scheinwerferlicht auf die Plattform trat, unter sich rund hunderttausend Zuschauer. Fernsehkameras übertrugen auch das Gebet, das Wallenda noch kurz vor dem tollkühnen Akt im Kreis seiner Frau und der drei Kinder sprach.

Dann war es so weit. Verlegen lächelnd schnallte sich Wallenda den Sicherheitsgurt an, der ihm im Notfall das Leben retten soll. Der TV-Sender ABC hatte darauf bestanden. Er wollte seinen Zuschauern ein Happy End bieten, keinen Sturz in den Tod. Und ABC beteiligte sich an den Kosten von rund 1,3 Millionen Dollar (1,03 Millionen Euro), die der Akrobat sonst alleine hätte tragen müssen.

Seine Familie, die berühmten «Flying Wallendas», arbeiten traditionell ohne Netz und doppelten Boden. Ihr Mut fordert aber auch immer wieder seinen Tribut. So starb Urgroßvater Karl, ein gebürtiger Magdeburger, 1978 bei einem Drahtseilakt in Puerto Rico. Ein Vierteljahrhundert später widmete ihm Urenkel Nik sein bisher größtes Wagnis: «Karl Wallenda, mein Held», sagte er, als er endlich wieder festen Boden unter den Füßen hat. Die nächste Mutprobe, die Überquerung des Grand Canyon, hat der Junior bereits ins Auge gefasst.

Mit leichter Verspätung setzte Nik den Fuß aufs Seil. Eine am Kopf befestigte Minikamera zeigte auf die knöchelhohen weichen Stiefel mit Wildledersohle, eine Handarbeit seiner Mutter, auch sie eine Akrobatin. Seine Balancierstange wog rund 20 Kilo und war an einem Gurt befestigt, der ihm um den Hals hing. Das Seil, nur fingerdick und schlüpfrig durch die Gischt, schwankte unter seinen Schritten. Von allen Seiten der Wind, unter ihm die Fluten.

Vater Terry ermunterte ihn. «Gut so, Nik», sagte er über die Mobilfunkverbindung. «Ein unglaublicher Ausblick. Was für ein Segen. Es ist einfach atemberaubend», erwiderte der Sohn. Auf halber Strecke, an der niedrigsten Stelle des Seils, hörte man den Akrobaten beten. Der Wind komme von allen Seiten. Er sei erschöpft, «geistig und körperlich». Er fühle sich schwach, seine Hände würden taub.

Kurz vor dem Ziel kniete Wallenda auf dem Seil nieder, streckte einen Arm triumphierend in die Höhe und warf Handküsse in die Luft. Die Menschen unter ihm atmeten auf, klatschten und jubelten. Die letzten Schritte lief er auf dem Seil, der Familie entgegen. Als eine kanadische Grenzerin ihn um seine Ausweispapiere bat, holte der Akrobat seinen in Plastik verpackten US-Pass aus der Tasche. «Und was ist der Grund Ihrer Einreise?» «Ich will Menschen in aller Welt inspirieren», antwortete Wallenda. «Folgt Euren Träumen und gebt niemals auf!».

Faktensammlung zu den Fällen

THEMEN

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Medienberichte

Trump: "Kein belastendes Material in Russland"

NEW YORK Donald Trump hat empört Berichte zurückgewiesen, Russland habe ihn mit belastendem Material in der Hand. Trumps mit Spannung erwartete Pressekonferenz wurde auch von Vorwürfen über russische Hacker-Aktivitäten bei der Präsidentschaftswahl überschattet. Dabei gab es eine überraschende Wendung.mehr...

Loblied auf Europa

Obama ruft Verbündete zur Einheit auf

HANNOVER Jetzt reißt Euch zusammen, Ihr Europäer. Es gibt viel zu verlieren! Das ist die Hauptbotschaft des US-Präsidenten an die kriselnde EU. Er nimmt die Verbündeten beim Deutschland-Besuch mit einer Grundsatzrede aber auch in die Pflicht.mehr...

Unwetter

Fast 20 Tote nach Blizzard in den USA

WASHINGTON Bis zu einem Meter Neuschnee fiel in der Zeit von Samstag bis Sonntag in manchen Teilen der US-Ostküste. Über 200.000 Menschen saßen zeitweise im Dunkeln, mehr als 3000 Flüge wurden abgesagt. Der Schneesturm, der Samstag und Sonntag über den Osten der USA herzog, forderte mehr als ein Dutzend Tote.mehr...

Extremisten

US-geführtes Bündnis tötet zwei ranghohe Terroristen

Washington Das von den USA angeführte Militärbündnis hat zwei nach US-Angaben zwei ranghohe Terroristen getötet. Einer davon gehörte zum IS im Nordirak, der andere zum Terrornetzwerk Chorasan, das mit dem syrischen Ableger Al-Kaidas verbunden ist.mehr...

Politik

Südchinesisches Meer: USA und China auf Konfrontationskurs

Singapur (dpa) Es ist zwar diplomatisch verpackt, aber dann reden die USA doch Tacheles mit China. Der US-Verteidigungsminister weist Peking zurecht. Ein ein Oberst der Volksbefreiungsarmee ist unbeeindruckt.mehr...