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Albert Oehlen in Venedig: Bisher größte Schau in Italien

Venedig. Frankreichs Milliardär François Pinault hat eine Vorliebe für deutsche Kunststars. Nach Sigmar Polke widmet der Sammler nun Albert Oehlen in Venedig eine Schau.

Albert Oehlen in Venedig: Bisher größte Schau in Italien

Bis Januar 2019 lockt eine Ausstellung über das Gesamtwerk Albert Oehlens in Venedigs Palazzo Grassi. Foto: Sabine Glaubitz

Sigmar Polke hatte der französische Milliardär François Pinault 2016 in seinem Museum in Venedig gewürdigt. Gezeigt wurden rund 90 Werke des 2010 gestorbenen deutschen Malers.

Zwei Jahre später widmet der 81-Jährige, einer der bedeutendsten Kunstsammler unserer Zeit, nun mit Albert Oehlen einem weiteren Star der deutschen Kunstwelt eine Ausstellung. Zufall oder nicht: Oehlen war Schüler bei Polke an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg.

Mit Oehlen hat Pinault einen der wichtigsten Gegenwartskünstler Deutschlands in den Palazzo Grassi geholt, seinen 2006 eröffneten Kunsttempel. Mit „Cows by the Water“ (etwa: Kühe am Wasser“ zeigt er einen Künstler, der Bilder schafft, um die Grenzen der Malerei auszuloten. Mit etwa 85 Arbeiten ist es die bislang größte Oehlen-Schau in Italien.

Die bis zum 6. Januar 2019 dauernde Ausstellung illustriert Oehlens anarchistische Haltung hervorragend. Neben abstrakten Farbexplosionen und übermalten Werbeplakaten hängen schwarz-weiße Computerbilder und einige Selbstporträts.  

Oehlen wird den „Neuen Wilden“ zugerechnet und dem „Neoexpressionismus“, auch wenn er sich gegen jegliche Kategorisierung wehrt. In seiner Malerei hinterfragt er ständig ihre Natur und ihren Status und spielt mit unterschiedlichen Medien und Techniken. Kuratorin Caroline Bourgeois vergleicht ihn deshalb mit einem Free Jazz-Musiker. Nur wer sein Instrument beherrsche so wie Oehlen, verschaffe sich Freiheit ohne Grenzen, erklärt sie.

Diesem Geist entspricht auch die Präsentation. Sie ist weder chronologisch noch thematisch geordnet, dadurch wird dem Besucher der Zugang zu Oehlens stilistischem Kontrastprogramm nicht erleichtert. Beispielhaft dafür steht einer der zentralen Säle des Museums: Neben vier monumentalen abstrakten „Elevator“-Bildern, Gemälden, in denen sich mehrere farbkräftige Bildschichten wild überschneiden, hängt das Werk „Raumflug“, ein Bild aus geordneten bunten Quadraten. 

Der in Krefeld geborene Künstler galt neben Martin Kippenberger als „enfant terrible“ der Kunst. Heute finden sich seine Werke in den Sammlungen internationaler Museen, er steht bei Larry Gagosian unter Vertrag, einem der mächtigsten Galeristen weltweit, der unter anderem 2012 in seiner Galerie in Rom Zeichnungen von Oehlen zeigte. Pinault besitzt elf Werke von Oehlen, die alle im Palazzo Grassi ausgestellt sind.

Die Kunst Oehlens ist keine leichte Kost, wie auch die Reaktionen der ersten Besucher zeigten, die zwischen Verwirrung und Ratlosigkeit schwankten. Mit einer thematischen Präsentation entlang seiner Baumserie, Pop Art-Panels, Fingermalereien und  Computerbildern hätte man vielleicht eine erste Hilfestellung geben können. Auch beim Free Jazz ist das Improvisationsspiel strukturiert.

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