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Alfa Romeo 4C Spider: Heiße Liebe unter freiem Himmel

Berlin (dpa-infocom) Extrem, exklusiv und leidenschaftlich wie ein Supersportwagen, aber nicht einmal halb so teuer: So wird der neue Alfa 4C Spider zum vielleicht verlockendsten Open-Air-Modell dieses Sommers. Doch genau darin lieg sein größtes Problem.

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Eine Auto mit Spaß-Garantie: Der Alfa Romeo 4C Spider ist ein kompromissloser Sportwagen. Foto: Alfa Romeo

Nicht mal 1000 Kilogramm schwer rast das Leichtgewicht mit seinen 177 kW/240 PS in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Foto: Alfa Romeo

Der 4C Spider liebt Kurven. Fahrern wird das Herz höherschlagen. Denn durch die gute Querbeschleunigung und ausgezeichnete Präzision schneidet der Alfa Romeo durch die Kurven. Foto: Alfa Romeo

Das authentische Fahrgefühl wird vielleicht über das fummelige Verdeck hinwegtrösten. Denn das muss man erst sechsfach entriegeln, dann von außen zusammenrollen rollen und eigenhändig im Kofferraum verstauen. Foto: Alfa Romeo

Auch beim Blick in den Innenraum sollte man den Spaß am Fahren im Hinterkopf behalten. Denn ein modernes Infotainmentsystem, eine Klimaautomatik oder elektrisch geregelte Dämpfer sucht man vergebens. Foto: Alfa Romeo

Was die Defizite eventuell wettmacht, das ist der Preis: Der Spider gibt es für mindestens 72 000 Euro. Foto: Alfa Romeo

Ein italienischer Sportwagen ohne freien Blick zum Himmel, das ist wie Espresso ohne Koffein oder Spaghetti ohne Tomatensoße. Das weiß auch Alfa Romeo und schickt dem 4C Coupé nach 18 Monaten endlich eine offene Version hinterher.

Geduld ist gefragt

Mindestens 72 000 Euro kostet der Spider und damit knapp 10 000 Euro mehr als die geschlossene Variante. Für diesen Preis kann er ab sofort bestellt werden. Doch weil die Nachfrage die knappe Produktionskapazität von gerade einmal 1000 Autos im Jahr bei weitem übersteigt, müssen sich Spätentschlossene schon jetzt bis zum Sommer 2016 gedulden.

Aber der 4C Spider ist das Warten wert: Zwar nur 177 kW/240 PS stark, dafür aber keine 1000 Kilo schwer, nimmt einen der Zweisitzer mit dem Motor in der Mitte und dem Antrieb am Heck vom ersten Meter an gefangen. Mit einer ausgefeilten Balance und Reifen, die eher von Pattex als von Pirelli kommen, klebt der Spider förmlich auf der Straße und giert geradezu nach Kurven. Ja, es ist begeisternd, wie der mickrige 1,7-Liter-Vierzylinder mit seinen 350 Newtonmeter den Spider in nur 4,5 Sekunden auf Tempo 100 katapultiert.

Der Adrenalin-Spiegel steigt

Wenn man bei Vollgas fast 260 auf dem Tacho hat und einem der Fahrtwind mit voller Wucht ins Gesicht schlägt, fühlt man sich wie Sebastian Vettel in seinem offenen Formel-1-Wagen. Doch je gewundener die Straße, desto höher der Adrenalin-Spiegel: Mit einer Querbeschleunigung wie in der Achterbahn und einer schier chirurgischen Präzision schneidet der 4C durch die Kurven.

Was den Wagen so einzigartig macht und ihn zugleich in die Liga von Lamborghini und Co. katapultiert, das sind nicht allein seine extreme Leichtbau-Konstruktion rund um das Karbon-Chassis und damit das Leistungsgewicht von weniger als vier Kilogramm pro PS. Es ist vor allem die Kompromisslosigkeit der Ingenieure, die so ein intensives, authentisches Fahrerlebnis erst möglich macht. Servolenkung? Verfälscht nur das Gefühl und ist bei so einem leichten Auto lässig verzichtbar? Elektronisch geregelte Dämpfer? Kann man vergessen, wenn Federungskomfort zweitrangig ist. Sitzheizung, Klimaautomatik? Ist nur was für Warmduscher. Und Infotainment ist ohnehin Teufelszeug, das nur vom Fahren ablenkt: Beim 4C kommt die Information vom Popometer und das Auto bietet mehr als genug Unterhaltung. Selbst das Soundsystem hätten sich die Entwickler ruhig sparen können. Denn wer braucht noch Musik, wenn der Motor unter freiem Himmel eine Vollgas-Oper aufführt wie in der Arena von Verona?

Liebe macht blind

So braucht es nur ein paar Kilometer und zwei, drei Kurven, schon ist man dem 4C Spider mit Haut und Haaren verfallen. Das ist vielleicht ein Fluch für den Führerschein, aber ansonsten ein Segen. Nicht nur, weil es einfach unbändigen Spaß macht. Sondern auch, weil Liebe bisweilen blind macht und man so ganz gelassen über die wenigen Makel des Modells hinweg sieht. Billiges Plastik und popelige Schalter? Geschenkt! Ein digitales Cockpit in einem ansonsten durch und durch analogen Auto? Egal! Selbst das fummelige Stoffverdeck, das man erst sechsfach entriegeln, dann von außen zusammenrollen rollen und eigenhändig im Kofferraum verstauen muss, stört einen plötzlich nicht mehr. Man nimmt es viel mehr als Beleg dafür, wie pur und authentisch dieser Spider doch ist und schimpft lieber über die Schattenparker in ihren Audi TT, Porsche Boxster oder BMW Z4.

Überhaupt, die deutschen Roadster: Das sind zumindest auf dem Papier die eigentlichen Konkurrenten des 4C Spider und die Autos, denen der kleine Italiener am meisten zu schaffen macht. Nicht bei den Stückzahlen. Denn für einen großen Verkaufserfolg ist der 4C einfach zu unpraktisch und die Produktion viel zu knapp kalkuliert. Wo der Alfa all den Audi, Porsche oder BMW richtig wehtun wird, das ist beim Image. Auch wenn sich die deutschen Hersteller gerne die Technologieführerschaft auf die Fahnen schreiben, haben sie bislang noch keinen Sportwagen auf den Weg gebracht, der so konsequent und kompromisslos ist wie der Alfa und trotzdem halbwegs bezahlbar bleibt.

Fazit: Einer wie keiner

Ein Fahrgefühl wie im Ferrari, Beschleunigungswerte mindestens auf Porsche-Niveau und das im Format eines Kleinwagens, mit der Motorleistung aus der Mittelklasse und einem Preis, für den es in Maranello oder Sant' Agata nicht mal einen Gebrauchtwagen gibt: Dieser Spider ist einer wie keiner. Schade eigentlich, dass sich das bei der Vollgas-Fraktion längst herumgesprochen hat. Sonst müsste man nicht so lange darauf warten, dass der Spaß endlich beginnt.

Datenblatt: Alfa Romeo4CSpider

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

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