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Allein nach Hause: Angst der Eltern verunsichert

Berlin (dpa/tmn) - Von der Schule nach Hause und nachmittags zum Sportplatz: Schon im Grundschulalter gehen viele Kinder kürzere Wege alleine. Der Fall der ermordeten achtjährigen Michelle aus Leipzig hat nun wieder viele Eltern verunsichert.

«Wenn solche tragischen Ereignisse passieren, fangen viele Eltern aus Angst an, ihre Kinder wieder selbst zur Schule zu bringen», berichtet Paula Honkanen-Schoberth, Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) in Berlin. Für die kindliche Entwicklung sei es allerdings wichtig, dass das Kind ab einem gewissen Alter auch mal den einen oder anderen Weg alleine bewältigt.

Sind die Eltern zu ängstlich, überträgt sich das auf das Kind: «Das ist auf Dauer nicht förderlich für die Entwicklung des Kindes, denn dadurch entwickelt es ein schlechtes Bild von der Welt und glaubt, dass überall Gefahren lauern», warnt Honkanen-Schoberth. So könne es nur schwer ein starkes Selbstwertgefühl aufbauen. In der Grundschule seien die Kinder in der Regel in der Lage, kürzere Strecken alleine zu gehen. «Es hängt aber auch vom Weg und dem Entwicklungsstand des Kindes ab.»

Marlis Müller vom Bundesverband der Erzieherinnen und Erzieher in Deutschland (BVEED) aus Berlin sieht das ähnlich: Im dritten oder vierten Schuljahr seien die Kinder normalerweise weit genug, um einen 10- oder 15-minütigen Weg alleine zu gehen. Voraussetzung ist aber, dass das Kind von den Eltern entsprechend vorbereitet wurde. Wichtig sei, dass die Kinder lernen, möglichst Gehwege an der Straße und keine Pfade durch Wälder oder Felder zu benutzen. An der Straße seien Autos und andere Passanten, «die sie zur Not um Hilfe bitten können.»

Außerdem sollten die Eltern den Weg mit ihren Kindern üben und ihnen die Straßenverkehrsregeln beibringen. «Sie müssen ihren Nachwuchs genau beobachten», empfiehlt Müller. Rennt das Kind einfach auf die Straße, ohne auf den Verkehr zu achten, sei es noch nicht bereit, gewisse Strecken alleine zu gehen. «Außerdem gibt es immer noch genügend Kinder, die mitgehen, wenn ein Fremder zu ihnen sagt, dass er ihnen Süßigkeiten geben oder eine kleine Katze zeigen will», warnt die Erzieherin. Darüber müssen Vater und Mütter mit ihrem Nachwuchs reden. «Es ist wichtig, dass die Kinder lernen 'Nein' zu sagen und selbstbewusst aufzutreten», erklärt Honkanen-Schoberth.

Mittlerweile gibt es dazu auch spezielle Trainingsangebote. Dort lernten Kinder, wie sie sich gegenüber aufdringlichen Fremden zu verhalten haben und Hilfe besorgen können. «Sie sollten sich grundsätzlich auf kein Gespräch einlassen und laut nach Hilfe rufen», so Müller. Gut sei es auch, wenn das Kind in der ersten Zeit zusammen mit einem älteren Schulkameraden von der Schule nach Hause geht, der den gleichen Weg hat. Das gebe besorgten Eltern mehr Sicherheit.

Informationen: Für Kinder, Jugendliche und Eltern gibt es kostenlose Beratungstelefone. Die «Nummer gegen Kummer» lautet 0800/111 03 33 (Kinder- und Jugendliche) und 0800/111 05 50 (Eltern).

Deutscher Kinderschutzbund (DKSB): www.dksb.de

Bundesverband der Erzieherinnen und Erzieher in Deutschland (BVEED): www.bveed.de

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