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Allianz sieht kein Ende der Finanzkrise

München/Frankfurt (dpa) Der Versicherungskonzern Allianz stellt sich nach der Rücknahme seiner Gewinnprognose in der Finanzmarktkrise auf mögliche weitere Belastungen ein. Das Sorgenkind Dresdner Bank litt auch im zweiten Quartal schwer unter der Krise und verhagelte dem Konzern die Bilanz.

Allianz sieht kein Ende der Finanzkrise

Die Allianz wagt wegen der Unsicherheiten bei der Dresdner Bank keine neue Gewinnprognose für den Gesamtkonzern.

Den seit Monaten andauernden Spekulationen um die Zukunft der Tochter dürfte das neue Nahrung verleihen. Allianz- Chef Michael Diekmann hielt sich zu diesem Thema in einer Telefon- Konferenz am Donnerstag aber weiter bedeckt. «Ich kann mich heute nicht zu konkreten Transaktionen äußern.» Man suche aber bei der erwarteten Banken-Konsolidierung in Deutschland nach Lösungen, die sowohl für Investoren als auch Mitarbeiter und Kunden akzeptabel seien, sagte Diekmann.

Auch anderen Versicherern machen die Turbulenzen an den Kapitalmärkten mittlerweile schwer zu schaffen. Neben der Allianz musste am Donnerstag auch AMB Generali die Gewinnprognosen zurückziehen. Gewinneinbrüche meldeten auch der niederländische Versicherungskonzern Aegon und der weltweit viertgrößte Rückversicherer Hannover Rück. Noch schlimmer traf es den US- Versicherungsriesen AIG, der angesichts hoher Abschreibungen einen Milliardenverlust zu verkraften hat.

Bei der Allianz sind nach Angaben von Vorstandsmitglied Helmut Perlet in dem einen Jahr seit Beginn der Krise bereits Belastungen von insgesamt rund drei Milliarden Euro aufgelaufen. Am Vorabend hatte der Konzern seine Gewinnerwartungen kassiert. Diekmann machte dafür das schwierige Marktumfeld verantwortlich, das auch im zweiten Quartal vor allem im Bankgeschäft tiefe Spuren hinterließ. «Wir erwarten auch für 2009 ein Anhalten dieser schwierigen Marktbedingungen, deshalb können wir das 2006 gesetzte Ziel einer durchschnittlichen operativen Ergebnissteigerung von 10 Prozent bis 2009 nicht aufrechterhalten.»

Eine neue Gewinnprognose wagte die Allianz wegen der Unsicherheiten bei der Dresdner Bank nicht, und nannte nur ohne die Tochter noch ein Ziel. In diesen Bereichen sei 2008 und 2009 mit einem laufenden operativen Ergebnis von mindestens 9 Milliarden Euro zu rechnen, sagte Diekmann. Er gehe davon aus, dass das Versicherungs- und Vermögensverwaltungsgeschäft stabil genug sei, um dieses Ziel zu erreichen. «Die Finanzkrise hinterlässt ihre Spuren auch bei der Allianz», erklärte der Konzernchef. Trotz der schwierigen Gesamtlage gebe es aber keinen Grund, schwarz zu sehen. Zwar erlebe man derzeit eine Konjunktureintrübung, eine Rezession werde aber nicht erwartet. Auch angesichts der bisherigen Performance des Konzerns und einer «sehr guten Kapitalausstattung» gebe es keinen Anlass, neue Spar-Programme aufzulegen.

Im zweiten Quartal brach der Allianz-Konzernüberschuss angesichts der Probleme bei der Dresdner Bank und Umsatzrückgänge in der Lebensversicherung um 28 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro ein. Auch die Gesamtumsätze der Gruppe gingen deutlich zurück von 24,3 auf 22 Milliarden Euro. Weitere Wertkorrekturen auf forderungsbesicherte Wertpapiere in Höhe von 286 Millionen Euro drückten die Bank-Tochter zwischen April und Juni tief in die roten Zahlen. Sie musste einen Verlust verbuchen von 545 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 395 Millionen Euro vor Jahresfrist und schnitt damit noch schlechter ab, als von vielen Analysten erwartet.

In den vergangenen Monaten hatte es zahlreiche Spekulationen um einen Verkauf der Dresdner Bank oder einen Zusammenschluss mit einem anderen Institut gegeben. Kreisen zufolge verhandelt die Commerzbank seit Wochen mit der Allianz über einen Kauf der Dresdner Bank. Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller sagte dazu am Mittwochabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW): «Wir sind aktive Teilnehmer an der Bankenkonsolidierung.» Nach Einschätzung von Diekmann braucht sich die Bank-Tochter trotz des neuerlichen Quartalsverlustes in der Neuordnung der Branche nicht zu verstecken.

Bei andauernder Finanzkrise rechnet der Konzern mit weiteren Abschreibungen. Sollte das Kursniveau um zehn Prozent nachgeben, könnten weitere Wertberichtigungen von 800 Millionen Euro fällig werden, sagte Perlet. Aber auch bei einem stabilen Niveau der Aktienkurse - gemessen am Stand zum 30. Juni - dürfte es im laufenden Jahr zu Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe kommen.

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