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Opfer von Nagelbombenanschlägen

"Als hätte mir jemand die Beine weggeschossen"

München Im Münchner NSU-Prozess haben erstmals Opfer des Nagelbombenanschlags in der Kölner Keupstraße ausgesagt - und in eindringlichen Worten von ihren körperlichen und seelischen Leiden berichtet. Derweil haben sich Demonstranten vor dem Gericht versammelt. Ihre Nachricht: Die Keupstraße ist überall.

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In der Kölner Keupstraße hatte es einen verheerenden Nagelbombenanschlag gegeben. Foto: Oliver Berg/Archiv

Demonstranten vor dem Oberlandesgerichts in München

Die Angeklagte Beate Zschäpe hat erstmals eine Aussage angekündigt.

Sandro D. ist das erste Opfer des Nagelbombenanschlags, das vor dem Oberlandesgericht in München aussagt. Er befand sich damals, im Juni 2004, mit seinem Freund fast direkt neben dem Fahrrad mit der Bombe, als diese explodierte.

Opfer, kein Täter

Das sei so gewesen, als habe ihm jemand die Beine weggeschossen, sagte der heute 34-Jährige. Der Mann kam damals mit schwersten Verletzungen in ein Krankenhaus. In einer Notoperation mussten ihm mehrere Nägel entfernt werden, einer aus dem rechten Oberschenkelknochen. 

Zugleich erhoben die beiden Freunde Sandro D. und Melih K. Vorwürfe gegen die Kölner Polizei - weil sie damals trotz ihrer schweren Verletzungen zunächst als Verdächtige betrachtet worden seien. Melih K. bestätigte zudem, dass er schon damals bei einer Befragung den Verdacht geäußert habe, dass die Tat einen rassistischen Hintergrund gehabt haben und ein „Ausländerhasser“ am Werk gewesen sein könnte. „Da braucht man kein Ermittler sein.“ 

"Keupstraße ist überall"

Vor Beginn des Prozesses haben am Dienstag mehrere Dutzend Menschen ihre Solidarität mit den Opfern des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ demonstriert. Direkt vor dem Gerichtsgebäude hatten sich Mitglieder der Initiative „Keupstraße ist überall“ und andere Aktivisten aufgebaut, um gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren und auf eine lückenlose Aufklärung der Morde und Anschläge des NSU zu dringen. Auf Spruchbändern stand etwa: „Wir gedenken der vom NSU Ermordeten - Das Problem heißt Rassismus.“ Eine Demonstrantin posierte mit einer Maske, die die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe zeigte.

München Im Münchner NSU-Prozess geht es am Montag um die Nagelbombombenanschläge in der Kölner Keupstraße. Im ersten Verhandlungstag nach der Weihnachtspause schildert ein Kriminalbeamter die verheerende Wirkung des Anschlages.mehr...

Für Dienstag sind erstmals mehrere Opfer des Nagelbombenanschlags in der Kölner Keupstraße als Zeugen geladen. Auch mehrere der damals behandelnden Ärzte werden dann in den Zeugenstand treten. Der mit mindestens 702 Zimmermannsnägeln bestückte Sprengsatz war am 9. Juni 2004 vor einem Friseursalon in der von türkischen Migranten geprägten Straße explodiert. 22 Menschen wurden teils schwerst verletzt. Der Anschlag wird - neben insgesamt zehn Morden - dem NSU angelastet. 

Unterstützung für Opfer

Die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sollen den Sprengsatz dort, auf einem Fahrrad verpackt, deponiert haben. Beate Zschäpe, die einzige Überlebende des NSU-Trios, steht als Mittäterin vor Gericht.

Die Initiative "Keuptsraße ist überall" hat zu einer Kundgebung vor dem Oberlandesgericht München aufgerufen. Hier sollen die Berichte der Betroffenen im Mittelpunkt stehen. Außerdem sind heute Demonstrationen auch in anderen Städten geplant, so in Hamburg, Rostock, Potsdam, Göttingen und Siegen. Die Initiative will damit auch die Betroffenen während der Verhandlungstage in München unterstützen.

Mit dpa

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In der Kölner Keupstraße hatte es einen verheerenden Nagelbombenanschlag gegeben. Foto: Oliver Berg/Archiv

Demonstranten vor dem Oberlandesgerichts in München

Die Angeklagte Beate Zschäpe hat erstmals eine Aussage angekündigt.

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