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Alte Autos sind viel mehr als nur Garagengold

Oldtimer als Geldanlage

In Zeiten niedriger Zinsen gelten Sachwerte als sichere Bank. Oldtimer erlebten zuletzt einen regelrechten Boom. Auch in NRW erfreut sich das Hobby mit alten Autos wachsender Beliebtheit. Doch das könnte sich bald ändern.

NRW

, 20.03.2018
Alte Autos sind viel mehr als nur Garagengold

Oldtimer-Freund Manfred Hürland mit seinem Austin Healey. Er hat den 1967 erbauten Wagen vor 30 Jahren gekauft. © Stefan Diebäcker

Die Sonne scheint, das Garagentor geht auf und ab geht’s in die Oldtimersaison 2018. Am Mittwoch, 21. März, startet in Essen nicht nur die größte deutsche Oldtimermesse, die Techno Classica. Auch auf Hof Schulze Blasum in Werne startet an diesem Tag der Oldtimer-Treff. Von März bis Oktober treffen sich dort an jedem dritten Mittwoch im Monat (17 bis 18 Uhr) Oldtimerfans mit ihren Gefährten – für Benzingespräche und Fachsimpelei. Bis zu 250 Oldtimer kommen bei gutem Wetter zusammen, auch mit ortsfremden Kennzeichen.

Sowohl in Werne als auch in Essen ist der Oldtimer-Begeisterte Theo Wellmann mit dabei. „Mittwochvormittags bin ich auf der Messe, abends dann beim Oldtimer-Treff und Donnerstag und Freitag fahre ich wieder nach Essen“, erzählt der Herberner. Am Samstag und Sonntag sei die Messe zu voll.

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Das sind die Garagenschätzchen in der Region

Die Oldtimersaison 2018 beginnt und die Anzahl der H-Kennzeichen ist in vielen Gemeinden und Städten so hoch wie lange nicht. Wir stellen Oldtimer und ihre Besitzer aus der Umgebung vor.
20.03.2018
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Für Oldtimer-Sammler Manfred Breyer gehört das Schrauben und Restaurieren der eigenen Fahrzeuge untrennbar zu seinem Hobby.© Karim Laouari
Für Oldtimer-Sammler Manfred Breyer gehört das Schrauben und Restaurieren der eigenen Fahrzeuge untrennbar zu seinem Hobby.© Karim Laouari
Das schicke Opel-Interieur begeistert den Halterner Oldtimer-Besitzer noch immer.© Elisabeth Schrief
Der 110 PS-starke Mercedes stammt aus dem Jahr 1958. Dieses Auto zeichnet sich durch sehr angenehmes Fahren aus.© Elisabeth Schrief
Der Lkw, Baujahr 1958, ist beladen mit Bierfässern. Heinz Seine nahm mit ihm 1989 am Festumzug zum Stadtjubiläum teil.© Elisabeth Schrief
Der Opel Olympia 51, Baujahr 1952, ist das Schmuckstück in der Oldtimer-Sammlung von Heinz Seine. Er hat nur 39 PS unter der Haube und schafft gerade einmal 105 km/h Höchstgeschwindigkeit. „Ein schnuckeliges Auto mit viel Sitzkomfort“, beschreibt der Oldtimer-Fan sein Schätzchen© Elisabeth Schrief
Mit dem Alfa Romeo Duetto, Baujahr 1969, fährt Heinz Seine Bergrennen. „Der hat Feuer“, schwärmt er.© Elisabeth Schrief
Dieser Oldtimer gehört einem Halterner Besitzer.© Elisabeth Schrief
Oldtimer-Freund Heinz Seine fährt seit 20 Jahren Rallyes und hat in ganz Europa Preise eingesammelt.© Elisabeth Schrief
Pokale und Auszeichnungen von Oldtimer-Freund Heinz Seine.© Elisabeth Schrief
Heinz Seine hat Opel „Oly“ in seiner Werkstatt zerlegt, restauriert und wieder zusammengebaut. Ein Jahr hat das gedauert.© Elisabeth Schrief
Manfred Hürland hat den Austin Healey, Baujahr 1967 vor 30 Jahren gekauft.© Marie Rademacher
Stefan Diebäcker
und Manfred Hürland
im Oldtimer.© Marie Rademacher
Eine schöne Fahrt im schicken Oldtimer.© Marie Rademacher
Harry Lattner (r.) und sein Neffe Gerrit Dettweiler mit zwei ihrer Oldtimer-Schätzchen. Der gelbe Opel GT feiert dieses Jahr 50. Jubiläum.© Meyer
(v.L) Theo Wellmann und Hans-Werner Wessel teilen die Leidenschaft für Oldtimer. Beide wollen die Techno Classica besuchen.© Kaiser
Ein Oldtimer, der alle Verkehrsteilnehmer lächeln lässt: Der Fiat 500 ist jetzt wieder Georg Wolters‘ täglicher Begleiter zur Arbeit.© Stefan Grothues
Vor dem Oldtimer (v.l.) Burkhard Rinsche vom Kulturbüro, Künstlerin Christiane Köhne, Richard Ortmann, Anette Göke, Dieter Gawol, Guido Schlösser am Akkordeon und Michel Werner von TRD-Reisen. © Wölky
Als Adenauer-Mercedes wird dieses Modell bezeichnet, erklärt Friedhelm Schäfer, Vorsitzender des Lüner Automobilclubs.© Magdalene Quiring-Lategahn
Der Brechtener Oldtimer-Fan Dietmar Hankeln (rechts) – hier mit seinem Bruder Rainer – hat ein Faible für englische Autos – wie den Triumph Spitfire (links) und den MGB GT. Er hat die Wagen nur zum Spaß, nicht als Wertgegenstand.© Schröter

Er war es, der Johannes Laurenz vom Hof Schulze Blasum auf die Idee mit dem Oldtimer-Treff brachte. Auch Besucher auf der Techno Classica ist er seit der ersten Stunde. Laurenz nennt Wellmann den „Oldtimer-Papst der Gegend“. Seit 1988 fährt Wellmann jährlich zur Techno Classica, trifft sich mit Bekannten aus der Szene und tauscht sich aus. „Damals auf der ersten Messe gab es nur eine Halle“, erzählt Wellmann: „Größtenteils unrestaurierte Oldtimer. Heute findet man dort eher edle Klassiker.“

Hohe Nachfrage trieb Preise nach oben

Viele Besitzer sehen in ihrem Gefährt eine gute Geldanlage. Frank Wilke ist Geschäftsführer der Bochumer Firma Classic Analytics. Sein Unternehmen bewertet Oldtimer etwa für Versicherungen oder bei einem geplanten Verkauf. „In den letzten sechs Jahren hat sich der Wert von Oldtimern teilweise verdreifacht. Das war nicht mehr normal“, sagt Wilke, der selbst einen historischen Rolls-Royce sowie einen Bentley sein Eigen nennt. Er erklärt sich den Boom so: Die Menschen suchten nach dem großen Börsen-Crash und der Zeit niedriger Zinsen Anlage-Alternativen. Immobilien waren kaum noch zu bekommen oder nur völlig über Wert. Die hohe Nachfrage trieb die Preise jahrelang nach oben. „Aber der große Hype ist erst mal vorbei“, sagt Wilke.

Alte Autos sind viel mehr als nur Garagengold

v.L Theo Wellmann und Hans-Werner Wessel mit einem Oldtimer. © Kaiser

Das sieht auch Theo Wellmann so: „Die Leute haben sich Oldtimer als Geldanlage geholt und veräußern dieses Garagengold so langsam wieder.“ Dadurch steige das Angebot und der Preis sinke wieder etwas. Der geschätzte Wert seines 68er Porsche 911 T habe sich zum Beispiel von 2012 bis 2016 mehr als verdoppelt. Jetzt sind die Preise wieder etwas gesunken. Für Theo Wellmann steht aber ganz klar die Leidenschaft an den schicken Raritäten im Vordergrund.

Wachsende Oldtimer-Szene in Werne und Umgebung

Mit ihnen fährt er sogar bei großen historischen Rallyes mit – wie der bekannten Mille Miglia mit 450 Startern durch Italien oder der AvD Histo Monte Oldtimer-Rallye nach Monte Carlo, wo er 2015 den 4. Platz von 63 Startern erreichte. Über den Winter hat er, genau wie alle Oldtimerfans, an seinen schicken Fahrzeugen geschraubt, sie restauriert und instand gesetzt. Bei gutem Wetter geht es jetzt wieder auf die Strecke. Im Werner und Herberner Umland gebe es eine große Oldtimerszene, die stetig wachse.

In der Bochumer Zentrale von Classic Analytics laufen täglich Daten über Oldtimer ein und füttern eine Datenbank. Rund 32.000 Modelle sind dort gelistet, das älteste aus dem Jahr 1890. Classic Analytics verfügt über ein Netzwerk aus 670 Sachverständigen in ganz Deutschland. Die Oldtimer bekommen Schulnoten, eine Eins ist super und sehr selten. Bekommt ein Wagen eine Fünf, ist er quasi Schrott. „Es gibt nicht wenige, die sind nach einer Bewertung sauer auf uns“, sagt Wilke. Aber das seien diejenigen, die Oldtimer mit zweifelhafter Originalität oder Zustandsbeschreibung anböten.

Exklusiver Sportwagen kostet 15 Millionen Euro

Der teuerste Oldtimer in Deutschland dürfte laut Wilke derzeit ein Aston Martin DB 4 GT Zagato. Der Marktwert des exklusiven Sportwagens: rund 15 Millionen Euro. Auf der Straße sieht man diesen Edel-Oldtimer nicht. „Solche Autos“, sagt Frank Wilke, „werden von ihren Sammlern sehr gut geschützt“. Gefahren werden sie trotzdem. Dann mietet sich der Besitzer eine komplette Rennstrecke, um heimlich ein paar Runden zu drehen.

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Dass Oldtimer eine ganz andere Pflege benötigen als „normale“ Gefährte weiß auch Theo Wellmann. Doch bei richtiger Pflege hält er sie für genauso verlässlich. „Man passt auf seinen Oldtimer auf“, erzählt er. Er selbst besitzt sogar noch sein aller erstes Auto, einen Volvo.

Experten: Boom wird nachlassen

Das Schrauben macht ihm dabei genauso viel Spaß wie das Fahren. „Große Baukästen“, nennt er die Oldtimer. Da gibt es keine komplizierte Elektronik. Theoretisch kann man alles selbst reparieren. Ersatzteile gibt es teilweise direkt von den Hersteller-Werken, die den Oldtimermarkt längst erkannt haben. „Man kennt sich auf so Oldtimer-Treffs“, erzählt Theo Wellmann. „Da schaut man auch, wer vielleicht welche Ersatzteile hat.“

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In knapp fünf Jahren, so schätzen es Experten wie Eckhart Bartels vom Deuvet ein, wird die Kurve der neu ausgegebenen H-Kennzeichen nicht weiter steigen. Ein Grund: Neuere Fahrzeuge sind mechatronische Meisterwerke – der klassische Schrauber stößt ab einem gewissen Jahrgang von Fahrzeugen an seine Grenzen. Auch Wilke rechnet damit, dass der Boom sich weiter abschwächen wird. Seine Erklärung: „Ein allgemein nachlassendes Interesse am Automobil.“

Mitarbeit: Anna Leonie Kaiser

Wer sich einen Überblick über den Oldtimer-Markt verschaffen möchte – vom 21. bis 25. März läuft in Essen die Techno Classica (www.siha.de), die Welt-Leitmesse für klassische Fahrzeuge. Mehr als 2700 Oldtimer sind dort ausgestellt.
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