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New Model Army im Kölner Palladium

Alternative „Christmette“ mit nachdenklich-kritischem Rock

Köln Regelmäßig im Advent geben die politisch aufrechten Rocker von New Model Army ein Konzert im Kölner Palladium. Rund 3000 treue Fans feierten mit ihnen am Samstag eine Weihnachtsfeier der nachdenklich-kritischen Art.

Alternative „Christmette“ mit nachdenklich-kritischem Rock

Sänger und Gitarrist Justin Sullivan im Palladium Foto: Thomas Brill

Der Besuch von Weihnachtsmärkten inklusive Glühweintrinken gehört für viele zur Adventszeit, für die musikalische Indie-Szene sind es dagegen eher die Konzerte von New Model Army. Seit vielen Jahren gehören sie zur Tradition im Konzertkalender des Kölner Palladiums und ihre treue Fangemeinde feiert sie als eine Art alternative „Christmette“ mit kernigem Rock der nachdenklich-kritischen Art.

Rund 3000 Fans sind gekommen

Rund 3000 Fans sind zum einzigen Deutschland-Konzert gekommen, um gemeinsam mit dem nach wie vor charismatischen Frontmann Justin Sullivan dem allgemein grassierenden Konsumrausch den politisch rockenden Sinn für Gerechtigkeit und Solidarität entgegenzusetzen. Ein Weihnachtsgeschenk an die Fans in Form eines neuen Albums fehlt jedoch in diesem Jahr.

Nach dem Begrüßungsjubel startet die Band im akustischen Klanggewand mit „Long Goodbye“ und man hofft, dass dies keine Ansage für die Zukunft ist. Der rockmusikalische Protest von New Model Army, der einst mit dem Thatcherismus begann und und mit dem Brexit noch lange nicht aufhört, kommt im ersten Set im akustischen Gewand daher. Eine Violinistin und Perkussion mit Bodhrán unterstreichen dabei das Folkige des New-Model-Army-Sounds.

Langsam mürbe gemacht

Sullivans Stimme, der ohnehin stets etwas Leidendes anhaftet, klingt jetzt aber fast so, als hätte die nunmehr 37 Jahre anhaltende Opposition gegen die jeweils bestehenden politischen Verhältnisse in England den 61-Jährigen doch langsam mürbe gemacht. Gegen Ende des ersten Sets springt dann aber doch der Funke der Agitation auf die Fans über, die lauthals mit hochgestreckten Fäusten mit „we are lost, we are freaks, we are crippled, we are weak“ in „Ballad of Bodmin Pill“ einstimmen.

Weihnachtskonzert New Model Army

3000 Fans waren ins Palladium gekommen.
Feiern vor Weihnachten mit New Model Army
New Model Army sind: Justin Sullivan (Gesang, Gitarre), Marshall Gill (Gitarre), Ceri Monger (Bass), Dean White (Keyboard) und Michael Dean (Schlagzeug)
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New Model Army sind: Justin Sullivan (Gesang, Gitarre), Marshall Gill (Gitarre), Ceri Monger (Bass), Dean White (Keyboard) und Michael Dean (Schlagzeug)
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Justin Sullivan im Palladium
New Model Army (Britische Independent Rock-Band)
"Weihnachtskonzert 2017"
New Model Army besteht aus: Justin Sullivan (Gesang, Gitarre), Marshall Gill (Gitarre), Ceri Monger (Bass), Dean White (Keyboard) und Michael Dean (Schlagzeug)
am 16. Dezember 2017
im Palladium, Schanzenstraße 36, 51063 Köln
Akustische Momente bei New Model Army
Dean White am Keyboard
Sänger und Gitarrist Justin Sullivan
Justin Sullivan (Gesang, Gitarre), Marshall Gill (Gitarre) und Ceri Monger (Bass)
Sänger Justin Sullivan
Sänger Justin Sullivan
Sänger Justin Sullivan
Michael Dean am Schlagzeug
New Model Army spielten zwei Zugaben.
Das Konzert in Köln ist bereits eine "Traditionsveranstaltung".
Nachdenklich-kritisch: New Model Army
Ceri Monger am Bass
Sänger und Gitarrist Justin Sullivan

Nach einer Pause kommen dann die E-Gitarren zum Einsatz und markieren einerseits mit kantigen Sounds die kämpferische Haltung, doch andererseits klingt mitunter Routine durch. Zwar verfügt Justin Sullivan noch immer über den Zauber einer wandlungsfähigen Singstimme, die zudem über einen beschwörenden Erzählduktus verfügt, doch traurige Gefühlsmomente des Mitleidens überwiegen hinsichtlich der einst mitreißend aggressiven Gesangsdemagogie. Songs wie „Winter“ fahren das kämpferische Tempo zurück, die allgemeine Haltung wirkt wie gestrige Polit-Agitation, bei der alte Sprüche neue Probleme beheben sollen.

Hauch von Routine

Vielfach hat Sullivan sogar insofern Recht, dass die neuen Probleme eigentlich immer noch die alten, wie beispielsweise in „Angry Planet“ beschrieben, sind. Dennoch schwebt über dem Konzert, das nach zwei Zugaben endet, der unterschwellig spürbare Hauch von Routine. Aber bei „Traditionsveranstaltungen“ – selbst wenn es um politisch Grundsätzliches wie die Menschen und ihre Rechte sowie gesellschaftliche Mechanismen geht – lässt sich dies vermutlich kaum vermeiden.

Bernd Schuknecht

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