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„Alternative Fakten“ ist Unwort des Jahres 2017

DARMSTADT Das Wort, das das Jahr 2017 geprägt hat, kennen wir bereits seit dem letzten Jahr. Eine Jury bestimmte „Jamaika-Aus“ zum Wort des Jahres. Nun hat eine Jury auch das Unwort 2017 gekürt: „alternative Fakten“. Hätten Sie auch so entschieden? Hier können Sie abstimmen.

„Alternative Fakten“ ist Unwort des Jahres 2017

Das Unwort des Jahres 2017, „alternative Fakten“, steht am 16.01.2018 in Darmstadt bei der Präsentation der Jury auf einer Projektionswand. Foto: Andreas Arnold/dpa

Das Unwort des Jahres 2017 lautet „alternative Fakten“. „Die Bezeichnung ist der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen“, sagte die Sprecherin der unabhängigen Jury, die Linguistik-Professorin Nina Janich, am Dienstag in Darmstadt.

Mit der Formulierung „alternative Fakten“ hatte Trump-Beraterin Conway die falsche Tatsachenbehauptung bezeichnet. „Der Ausdruck ist seitdem aber auch in Deutschland zum Synonym und Sinnbild für eine der besorgniserregendsten Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch, vor allem auch in den sozialen Medien, geworden“, sagte Janich. Der Ausdruck war 65 Mal vorgeschlagen worden.

Die sechsköpfige Experten-Jury hat das Unwort des Jahres und die beiden anderen Unwörter „Shuttle Service“ und „Genderwahn“ aus 684 verschiedenen Vorschlägen ausgesucht. Nur etwa 80 bis 90 dieser Vorschläge entsprachen überhaupt den Kriterien der sprachkritischen Aktion, wie Janich sagte. Daraus habe die Fach-Jury knapp 20 Wörter in die engere Wahl gezogen.

Jury kritisiert weitere Begriffe

Die Juroren rügten zudem den Begriff „Shuttle Service“. Mit dem Ausdruck werden sowohl die flüchtenden Menschen als auch vor allem diejenigen diffamiert, die ihnen humanitäre Hilfe leisten. Diese Hilfe wird mit dem Ausdruck „Shuttle-Service“ als eine Dienstleistung dargestellt, die Flüchtlinge erst zur lebensgefährlichen Flucht über das Mittelmeer ermuntere.

Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer, habe den Begriff benutzt. Nach Auffassung der Jury steht er „stellvertretend für Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch, die Grenzen des Sagbaren in eine menschenverachtende, polemisch-zynische Richtung zu verschieben“.

Außerdem prangerten die Sprachwissenschaftler die Formulierung „Genderwahn“ an. Mit diesem Ausdruck würden in konservativen bis rechtspopulistischen Kreisen zunehmend Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit in undifferenzierter Weise verleumdet.

NRW „Jamaika-Aus“ ist das Wort des Jahres 2017 und hat sich somit unter anderem gegen „Ehe für alle“, „Diesel-Gipfel“ oder „Videobeweis“ durchgesetzt. 1971 wurde zum ersten Mal ein Wort, welches das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich in besonderer Weise bestimmt hat, gekürt. Doch wer bestimmt jedes Jahr das Wort des Jahres und welches Wort durfte im vergangenen Jahr das Podest erklimmen? Testen Sie ihr Wissen!mehr...

Fake News war heißer Kandidat

Unter den eingereichten Vorschlägen waren auch Begriffe wie „Fake News“ für vorgetäuschte oder falsche Nachrichten sowie „Atmender Deckel“ aus der Diskussion über die Begrenzung der Flüchtlingszahlen. „Softewareupdate“, „Bio-Deutsche“ und „Babycaust“ waren ebenfalls Kandidaten für das Unwort des Jahres. „Babycaust“ ist der am häufigsten vorgeschlagene Begriff.

Zum „Unwort des Jahres“ wird seit 1991 jedes Jahr ein Begriff gekürt, der gegen das „Prinzip der Menschenwürde“ oder gegen „Prinzipien der Demokratie“ verstößt, weil er einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminiere oder „euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend“ sei. 2016 war die Wahl auf „Volksverräter“ gefallen, 2015 auf „Gutmensch“.

Ziel der sprachkritischen Aktion ist es, auf öffentliche Formen des Sprachgebrauchs aufmerksam zu machen und dadurch das Bewusstsein und die Sensibilität für Sprache zu fördern. Die Jury wählt Formulierungen aus der öffentlichen Kommunikation, die gegen sachliche Angemessenheit oder die Humanität verstoßen. Die Wörter sollen zudem eine „gewisse Aktualität“ haben und der Kontext, in denen sie gefallen sind, muss belegt sein.

MÜNCHEN „I bims“ ist das „Jugendwort des Jahres“ 2017 - ein Begriff den viele Jugendliche nutzen, den aber auch sehr viele Erwachsene kennen. Oftmals sind die Jugendwörter weit weniger bekannt und griffig. Mit einem kleinen Quiz können Sie testen, wie fit Sie in der Jugendsprache wirklich sind.mehr...

Mit dpa

Die Unwörter der vergangenen zehn Jahre

2016: Volksverräter

2015: Gutmensch

2014: Lügenpresse

2013: Sozialtourismus

2012: Opfer-Abo

2011: Döner-Morde

2010: Alternativlos

2009: Betriebsratsverseucht

2008: Notleidende Banken

2007: Herdprämie

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