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Am Ende zahlt der Kunde

Gema-Tarif-Änderung

Die Gema will zum Jahreswechsel ihre Tarife ändern: Sie sollen überschaubarer und gerechter werden. Kleinere Discotheken sollen davon profitieren, aber die Großen gehen auf die Barrikaden. Die hohen Mehrkosten zahlt am Ende wohl nur einer: der Disco-Besucher.

BOCHUM

von Von Stefanie Platthaus

, 01.06.2012
Am Ende zahlt der Kunde

Jugendliche wünschen sich eines besonders: mehr Tanzflächen.

Dirk Zimmer, Matrix-Inhaber, gehört mit einer Veranstaltungsfläche von 2500 Quadratmetern definitiv zu den „Großen“. Und er kocht. Für ihn bedeuten die geänderten Tarife ab Januar 2013 einen enormen Kosten-Anstieg. Zahlt er jetzt etwa 18 000 Euro im Jahr an die Gema für den Disco-Betrieb, muss er künftig 64 000 Euro im Jahr zahlen. „Wir Großen geraten dadurch so unter Druck, dass wir überlegen müssen, ob wir den Betrieb aufrecht erhalten können“, so Zimmer. Das sei nicht mehr zu seinem Vorteil, die Gästezahl bleibe schließlich gleich. „Ich muss mich ernsthaft fragen, ob ich das noch machen kann.“ Die Gema möchte mit den angepassten Gebühren „eine größere Gerechtigkeit herstellen“, sagt Sprecher Franco Walther. „Im Vergleich zahlen die Großen zu wenig.“ Deshalb sollen die Gebühren ab 2013 anhand der wirtschaftlichen Kraft gemessen werden, also nach Eintrittsgeldern, Besucherzahl und nach Veranstaltungsfläche. Auf Basis der Anzahl der Gäste soll der Umsatz aus dem Eintrittsgeld errechnet werden. Dass auch die Besucherzahlen eine Rolle spielen sollen, bedeutet für Dirk Zimmer (Foto) bürokratischen Mehr-Aufwand: „Soll ich jetzt täglich nachweisen, wie viele Gäste ich hatte? Wer soll das denn machen?“

Rechnet Dirk Zimmer die Gebühren auf die Eintrittsgelder um, bleiben ihm davon letztlich etwa 55 Prozent. „Wie soll man da einen Betrieb vernünftig führen?“ Logische Schlussfolgerung für den Disco-Eigentümer wäre erstmal, die Eintrittsgelder zu erhöhen. „Aber davon profitiert auch wieder die Gema, also müsste man die Getränkepreise erhöhen – das vergrault aber viele Gäste oder sie trinken weniger.“ Für Zimmer ein Dilemma. Eine Lösung hat er nicht. Noch nicht. Obwohl jetzt die Aufsichtsbehörde der Gema über die Durchsetzung der neuen Tarife entscheiden wird, rechnet er damit, dass die Gema damit durchkommen wird. „Die haben ja sogar gegen Youtube gewonnen.“ Die Gema hatte die Internet-Plattform wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt – und Recht bekommen. Auf jeden Fall werde das spannend, denn die Gema werde dann die Kultur- und Club-Landschaft verändern. „Das ist heute nicht mehr wie in den 80ern, man muss sehen, woher man die Gäste bekommt.“ Zimmer hofft, dass die aktuellen Sätze bestehen bleiben. Aber: er glaubt nicht dran. „Die kommen damit durch – und das wird nach hinten losgehen“, so Zimmer. Während unter den großen Discotheken Aufruhr herrscht, scheint es sich für die Kleinen durchaus zu lohnen. Aber wenn immer mehr große Discos schließen müssten, sei irgendwann die Frage, woher die Gema ihre Gebühren noch bekomme, so Zimmer. „Vielleicht schreien jetzt auch nur alle auf, und dann gewöhnt man sich doch dran, aber fest steht: Am Ende des Tages zahlt der Endkunde.“