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Amtzeller Modell: Bildung auf dem flachen Land

Amtzell (dpa) Wenn über die Reform der Hauptschule im Südwesten diskutiert wird, kommt die Sprache stets auf das Ländliche Bildungszentrum in Amtzell. Auf der Schule im Kreis Ravensburg können Hauptschüler bereits seit 18 Jahren den Mittleren Bildungsabschluss erwerben.

Amtzeller Modell: Bildung auf dem flachen Land

Kinder spielen vor der Grund- und Hauptschule in Amtzell (Landkreis Ravensburg) Fußball. (Bild: dpa)

Das einst belächelte Experiment hat sich zur Erfolgsgeschichte entwickelt. Der Hauptanlass für die Gründung der Schule war der Wunsch der Eltern, ihre Kinder nicht so weit zu den weiterführenden Schulen fahren zu lassen. Das nächste Gymnasium in Wangen ist knapp zehn Kilometer entfernt.

Für die Mutter Renate Pfau war es keine Frage: «Meine Kinder sollten nach der Grundschule nicht täglich aufs Gymnasium nach Ravensburg, Wangen oder Leutkirch fahren müssen.» Sie blieben in der vertrauten Umgebung am Ort und machten die Mittlere Reife an der Werkrealschule. Die Tochter der langjährigen Elternbeirätin studiert inzwischen in Berlin, der älteste Sohn macht die Fachhochschulreife und der Jüngste geht nach dem Abschluss in Amtzell nach Leutkirch auf das Technische Gymnasium.

Noch vor Ablauf dieses Schuljahres hat die Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule ihre erste Kooperation bewerkstelligt: Die akut von der Schließung bedrohte Hauptschule der Nachbargemeinde Neukirch schließt sich dem Ländlichen Bildungszentrum an. Für den Amtzeller Bürgermeister Paul Locherer, der seit zwei Jahren für die CDU auch im Landtag sitzt und dort beharrlich für sein Schulmodell wirbt, ist diese Kooperation ein konsequenter Schritt zur Erhaltung der Bildungsmöglichkeiten auf dem flachen Land. «Warum sollen unsere Kinder nach der Grundschule in eine der umliegenden Städte fahren, wenn ihnen hier am Ort die besten Voraussetzungen einschließlich einer Ganztagesbetreuung von der Kinderkrippe bis zum Mittleren Abschluss geboten wird?», meint er.

Der eingeschlagene Sonderweg hat sich als richtig erwiesen. Denn trotz sinkender Schülerzahlen ist das Bildungszentrum der 3700-Einwohner-Gemeinde nicht gefährdet: Gegenwärtig hat die Werkrealschule 196 Schüler und wird durchgehend zweizügig geführt, mit Neukirch werden es künftig noch bis zu 25 Schüler mehr sein. Der Klassenteiler von 33 Schülern wird weit unterschritten. Die durchschnittliche Klassengröße liegt schon jetzt bei 25 Schülern - von vielen Experten wird das als der optimale Wert angesehen.

Vorläufig blieben die Neukircher Hauptschüler der Klassen fünf und sechs noch an ihrer alten Schule und wechseln erst ab Klasse sieben nach Amtzell, erzählt Rektor Roland Titel. In Amtzell pendeln zuerst die Lehrer, nicht die Schüler. Die Lehrer des Bildungszentrums gewährleisten den Fachunterricht in Neukirch. beruflichen Gymnasien in der Umgebung. Für Bürgermeister Locherer ist die Diskussion um Sinn oder Unsinn des dreigliedrigen Schulsystems im Südwesten dann überflüssig, wenn sich das Amtzeller Modell auf dem flachen Land durchsetzt.

Ländliches Schulzentrum Amtzell: www.schulzentrum-amtzell.de

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