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Ana Lilia Pérez über Korruption in Mexiko

Mexiko-Stadt (dpa) Die mexikanische Journalistin Ana Lilia Pérez wird mit dem Tode bedroht. Sie hat Bücher darüber veröffentlicht, wie die Mafia den Staat unterwandert.

Ana Lilia Pérez über Korruption in Mexiko

Die mexikanische Journalistin Ana Lilia Pérez geht nach Deutschland. Foto: Jorge Rios Ponce

Für ihre gefährliche Arbeit hat die 35-Jährige zahlreiche Preise und Anerkennungen erhalten. Jetzt flieht sie nach Deutschland, um vorübergehend in Sicherheit zu sein. Die Nachrichtenagentur dpa sprach mit ihr in Mexiko-Stadt.

Frau Pérez, was geschah, als Sie damit begannen, Recherchen über die Verbindungen zwischen Mafia, Staat und Staatsunternehmen anzustellen?

Pérez: «Als ich an dem Buch «Blaue Hemden, Schwarze Hände» (Camizas Azules, Manos Negros) arbeitete, habe ich sofort Druck zu spüren bekommen. Es gab eine Zeit, in der ich von bewaffneten Leibwächtern geschützt werden musste. Zweimal musste ich das Land verlassen. Das waren Zeiten großer Anspannung. Das Risiko blieb nicht nur bestehen, es ist größer geworden.»

Wäre es in der Situation nicht besser, nicht mehr an dem Thema zu arbeiten?

Pérez: «Ich bin Journalisten mit Berufung und Herz. Das ist mein Handwerk. Ich glaube, in Zeiten, die Mexiko gerade durchmacht, wo die Korruption eines der prinzipiellen Probleme ist, hat der Journalismus eine fundamentale Rolle in der Gesellschaft, er muss diese Dinge ans Licht bringen.»

Erfüllen die Medien in Mexiko diese Aufgabe?

Pérez: «Meiner Meinung nach sind viele mexikanische Medien sind nicht auf dem nötigen Niveau. Es gibt viele politische und wirtschaftliche Interessen in den Medien. Und der Journalismus hat es nicht geschafft, die Nabelschnur der Abhängigkeit von öffentlichem Geld zu durchtrennen. Auch in unserer Profession ist es sehr leicht, korrumpiert zu werden. Ich halte es für gefährlicher, ein ehrenvoller Journalist zu sein als ein korrupter. Ich kann bezeugen, dass es mich sehr viel Anstrengung gekostet hat, denn es ist ein großes Risiko, wirtschaftliche Angebote abzulehnen, die darauf abzielen, als Gegenleistung bestimmte Informationen nicht zu veröffentlichen.»

Mexiko ist ein für Journalisten sehr gefährliches Land. Allein in diesem Jahr wurden zwölf getötet. Die Vertreter der Medien unter speziellen Schutz zu stellen reicht wohl nicht aus?

Pérez: «Gepanzerte Autos, Leibwächter und kugelsichere Westen werden nie ausreichen, wenn die Straflosigkeit nicht beendet wird und wenn die hauptsächlichen Aggressoren gegen die Presse Funktionäre der Behörden sind. Aber das Traurigste ist, dass an Protestmärschen gegen derartige Verbrechen nur wenige Medien und keiner ihrer Eigentümer teilnehmen.»

Was erwarten Sie von ihrer Zeit in Deutschland?

Pérez: «Ich denke, es ist eine großartige Initiative der Stiftung, Journalisten zu helfen, die wegen ihrer Arbeit in Gefahr geraten sind. Ich kenne Deutschland nicht. Aber es freut mich, andere Gesellschaften aus der Nähe kennenzulernen, von denen ich weiß, dass sie Situationen nicht gutheißen, die wir tolerieren. Sie setzen mehr auf die Demokratie, die sich bei uns noch nicht konsolidiert hat.»

Interview: Franz Smets, dpa

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