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Anderer Lebensrhythmus

WATTENSCHEID Es ist drei Uhr nachts. Der Wecker klingelt. Während die meisten noch tief und fest schlafen, ein paar junge Leute erschöpft von einer langen Nacht aus der Disco kommen, beginnt für andere der Tag.

von von Christina Neuffer

, 08.08.2008

Nachdem sich Bärbel Winterkamp noch einmal umgedreht hat, muss sie aufstehen. Ihr Leben hat eben einen anderen Rhythmus. Noch etwas verschlafen macht sie sich um halb vier nachts auf den Weg zu ihrem Hof hinterm Haus. Dass es noch stockdunkel ist und die Nachbarschaft schläft, macht ihr nichts aus. In ein paar Stunden muss ihr Geflügel- und Eierstand fertig zum Verkaufen auf Wattenscheids Marktplatz stehen.

Bis es an das Verkaufen geht, gibt es noch eine Menge zu tun. "Wir beladen unseren Kühl-LKW mit circa einer Tonne Fleisch und rund 25 Kisten Eiern", so Winterkamp.

Jeden Tag früh raus

Ob das Thermometer minus zehn oder plus 30 Grad anzeigt, die Arbeit für einen Markthändler ist immer gleich. "Natürlich haben wir an Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten mehr zu tun, aber früh aufstehen müssen wir an jedem Arbeitstag", sagt Winterkamp.

Wenn der LKW voll bepackt mit den unzähligen Kisten voll Ware ist, fährt Mitarbeiter Stefan Wiltzek ihn zum Marktplatz. Mit einem großen Becher Kaffee und leiser Musik versucht er sich munter zu machen.

Die Uhr zeigt kurz vor fünf, es ist immer noch dunkel und der Platz ist bis auf einen Obst- und Gemüse- sowie einen Fischhändler leer. Geisterhaft erscheint einem in dieser Atmosphäre die große Uhr an der Kirche, die wenig später fünf Uhr schlägt. Bei dieser Leere ist es kaum vorstellbar, dass hier in ein paar Stunden ein buntes Treiben herrscht.

An Verkauf ist aber noch nicht zu denken, erst einmal müssen die Mitarbeiter den Stand aufbauen und die schweren Kisten in den Verkaufswagen tragen. Um 6 Uhr kommen die Verkäuferinnen und räumen die Waren in die Kühltheke. "Beim Einräumen der Theke geben wir uns sehr viel Mühe. Sie ist das A und O für einen guten Verkauf", so Winterkamp. In Reih und Glied gesellen sich Lammkoteletts zu Putenschnitzel und Hähnchen zu Straußensteaks. Jede Verkäuferin ist für eine Warengruppe zuständig. Nach knapp zwei Stunden ist das Werk vollendet: Die Ware liegt bereit und wartet darauf, gekauft zu werden.

Mittlerweile kann von Leere auf dem Platz keine Rede mehr sein. Mehr und mehr Händler kommen mit ihren LKW angefahren. Von überall strömen einem Gerüche von frischen Brötchen, Kaffee und Fisch in die Nase. Hier und dort wird über Nachbarn und Neuigkeiten in der Stadt gequatscht.

Die meisten Leute strömen zwischen 10 und 12 Uhr hierher, um frische Lebensmittel zu kaufen. Schneller als man denkt, ist die Geflügeltheke der Winterkamps leer geräumt. Gegen 13 Uhr ist Schluss. Müde und erschöpft bauen die Verkäuferinnen und die anderen Mitarbeiter den Verkaufsstand ab.

Verdienst geringer

Nachmittags ist Bärbel Winterkamp wieder zu Hause. "Die Arbeit ist schon hart und der Verdienst ist nicht mehr der gleiche wie früher", so Winterkamp. Für sie fühlt es sich nach zwölf Stunden Arbeit an, als wäre es spät abends, obwohl es erst drei Uhr nachmittags ist. Für die jungen Disco-Gänger ist das wahrscheinlich erst die Zeit zum Aufstehen.