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Andrea Nahles: „Trümmerfrau“ der SPD

Berlin. Das Amt ist gerade vielleicht nicht das schönste neben dem des Papstes, wie es einst Franz Müntefering behauptete. Aber für Andrea Nahles bedeutet die Übernahme des SPD-Vorsitzes das Ende eines langen Weges - und doch erst den Anfang.

Andrea Nahles: „Trümmerfrau“ der SPD

Ein neuer Abschnitt beginnt: Andrea Nahles übernimmt den SPD-Vorsitz. Foto: Fabian Sommer

Sie hält nichts von historischen Vergleichen, auch wenn sie in einer Reihe mit August Bebel, Willy Brandt und anderen SPD-Vorsitzenden stehen wird. Zum Start am Sonntag in Wiesbaden gibt es erst mal einen kräftigen Dämpfer. Nur etwas über 66 Prozent - Konkurrentin Simone Lange, eine Kommunalpolitikerin, schneidet unerwartet gut ab.

Dennoch: Es ist ein Anfang. Auch, weil die SPD nach dem fast schon tragischen Ende der Episode Martin Schulz, den heftigen Debatten um den Eintritt in die große Koalition und dem drohenden Überrunden durch die AfD akut um ihre Zukunft fürchten muss. Nahles ist die „Trümmerfrau“. 

Die Tochter eines Maurers aus der Eifel gründete einst selbst einen SPD-Ortsverein. Als Fahranfängerin hatte sie in Schweden einen schweren Autounfall, daher die Narbe an der Stirn. Ihre Magisterarbeit schrieb die Germanistin über die „Funktion von Katastrophen im Serien-Liebesroman“.

Als Juso-Chefin unterstützte sie den Sturz von Rudolf Scharping durch Oskar Lafontaine, später trug sie auch zum Rücktritt von Franz Müntefering bei. Sie kann Machtpolitik - und kämpft gegen ein klischeehaftes Image an: etwa das, eine laute politische Nervensäge oder kratzbürstig zu sein.

Nach dem Absturz auf 20,5 Prozent bei der Bundestagswahl wechselte sie als eine der wenigen verbliebenen Personalhoffnungen der SPD vom Posten der Arbeitsministerin auf den Fraktionsvorsitz. Sie dachte wie alle, man gehe in die Opposition, der Union versprach sie ironisch, jetzt gebe es „in die Fresse“. Als Jamaika scheiterte und die SPD unter Druck kam, ihre Ablehnung einer weiteren Regierungsbeteiligung zu überdenken, kamen klare Worte eher von Nahles als von Schulz.

Sie war es, die beim Bonner Sonderparteitag Klartext redete - und so eine knappe Mehrheit für Verhandlungen rettete. Als Ministerin hatte Nahles in der vergangenen großen Koalition SPD-Herzensanliegen wie den Mindestlohn auf den Weg gebracht.

Ihr Privatleben schottet sie ab, Tochter Ella (7) geht daheim in Rheinland-Pfalz auf eine Einklassenschule. Nahles' Heimatdorf Weiler ist auch wichtig, um zu spiegeln, was die Leute bewegt. Könnte sie eine Schlagzeile über sich dichten, würde die nach eigenen Worten lauten: „Schufterin mit Herz“. An Schufterei wird es nicht mangeln. 

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