Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Interview

Angehörige haben kein automatisches Mitspracherecht

Braunschweig Was tun, wenn ein Angehöriger im Wachkoma liegt und die Ärzte keine Hoffnung mehr haben? Wenn keine Patientenverfügung vorliegt, wird es kompliziert, erklärt der geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung Eugen Brysch. Über die rechtliche Situation von Patienten im Wachkoma und ihren Angehörigen sprach Brysch im Interview „Drei Fragen, drei Antworten“.

Angehörige haben kein automatisches Mitspracherecht

ARCHIV - Ein Pfleger hält im Alten-und Pflegeheim Joachim-Neander-Haus der Diakonie in Düsseldorf die Hand einer Bewohnerin (Foto vom 13.11.2007). Die Deutsche Hospiz Stiftung hat gefordert, ein Gesetz mit klaren Regelungen für Patientenverfügungen müsse bald beschlossen werden. In einer Patientenverfügung können Menschen festlegen, wann sie keine medizinische Behandlung mehr wünschen. Die Verfügung solle gelten, wenn sich ein Patient nicht mehr äußern kann, sagte Vorstand Brysch der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Betroffen seien vor allem Menschen mit Demenz, im Koma, bei mehrfachem Organversagen oder mit schweren Hirnschädigungen. Ein neues Konzept soll an diesem Dienstag (21.10.2008) in Berlin vorgestellt werden. Foto: Oliver Berg (zu dpa 4033 vom 21.10.2008) +++(c) dpa - Bildfunk+++

„Patienten im Wachkoma sind keine sterbenden Menschen. Sie haben ein Recht auf Therapie. Jedoch müssen Ärzte immer wieder überprüfen, ob ihr Angebot einen Vorteil für den Betroffenen bringt. Ist der nicht gegeben, dann ist Sterbebegleitung angezeigt. Anders sieht das bei dem Betroffenen aus. Jeder Mensch hat das Recht, über sein Sterben selbst zu entscheiden. Das Dilemma beginnt, wenn sich der Patient nicht mehr äußern kann. Deshalb sind Patientenverfügungen so wichtig. Liegt keine Patientenverfügung vor, muss der mutmaßliche Patientenwille ermittelt werden. Angehörige haben kein automatisches Mitspracherecht. Dazu bedarf es einer entsprechenden Vollmacht.“

„Auch das Pflegeheim hat kein Mitspracherecht bei der Frage von Leben und Sterben. Einzig und allein der Wille des Patienten zählt. Immer wieder erfahren wir, dass Pflegeheime praktisch eine Art höhere Instanz übernehmen wollen. Wenn Bevollmächtigte unsicher sind, sollten sie Rat bei einer unabhängigen Pflegeberatung oder der Patientenschutzorganisation einholen. Der Rat kostet nichts.“

„Der Gesetzgeber hat im Patientenverfügungsgesetz sehr genau formuliert, welche Anforderungen ein schriftliches Dokument erfüllen muss, damit es umgesetzt werden kann. Leider liegen in der Regel - wie auch in diesem Fall - keine differenzierten Dokumente vor. Dann kommt es auf den mutmaßlichen Willen des Patienten an. In der Praxis kommt es vor, dass bei Befragungen von Angehörigen von unterschiedlichen Erinnerungen berichtet wird. Manchmal werden auch eigene Wertvorstellungen auf den Betroffenen projiziert. Deshalb ist das Gespräch zwischen Bevollmächtigten und Arzt unerlässlich.“ 

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Urteil naht

13 Jahre Haft gefordert: Camperin vergewaltigt?

BONN 156 Monate Freiheitsentzug – das fordert die Staatsanwaltschaft im Fall gegen einen 31-Jährigen. Dieser soll im April in der Nähe von Bonn eine junge Frau bedroht und vergewaltigt haben. Am Donnerstag soll das Urteil fallen. Der Angeklagte hat zum Vorfall eine völlig andere Sichtweise.mehr...

Freundin erwürgt

Lebenslange Haft für Münsterländer Schausteller

Münster Es klingt wie die Geschichte aus einem Kriminalroman. Ein Kirmes-Schausteller verliebt sich in eine Besucherin. Dann bestiehlt er sie und bringt sie schließlich um. Unfassbar: Erst im Krankenhaus starb das Opfer. Zwischen der Tat und dem Tod beklaute der Schausteller aus Recke im Kreis Steinfurt seine Freundin erneut. Da kam das Urteil nun wenig überraschend.mehr...

Rockerclub verboten

Razzia bei den Hells-Angels: Keine Festnahmen

DÜSSELDORF Das NRW-Innenministerium hat am Mittwochmorgen das Hells Angels Chapter in Erkrath sowie deren Unterstützerorganisation Clan 81 Germany verboten. Bei mehreren Razzien in 16 Städten in NRW beschlagnahmten Polizisten daraufhin Motorräder, Waffen und Bargeld.mehr...

Überblick mit Fotos

Bilder des Tages: Rot gefärbte Hunde beißen nicht

Deutschland Emotional, spannend, lustig. Jeden Tag fangen Fotografen auf der ganzen Welt spannende Momente mit ihrer Kamera ein. Wir stellen hier unsere Lieblingsbilder vor und erzählen die Geschichte dazu.mehr...

Jamaika-Koalition

Union und FDP optimistisch nach erstem Treffen

BERLIN Nach dem ersten Treffen zwischen Union und FDP schauen beide Parteien optimistisch auf die kommenden Sondierungsgespräche. CDU-Generalsekretär Peter Tauber äußerte sich zuversichtlich über die Zukunft einer möglichen Jamaika-Koalition.mehr...

Erste Neuaufstellung bundesweit

AfD-Fraktion in Iserlohn ist jetzt "Blaue Fraktion"

ISERLOHN. Die AfD hat sich im Iserlohner Rat als „Blaue Fraktion“ nach dem Leitbild von Frauke Petrys „Blauer Partei“ neu aufgestellt. Dem Weg von Alexander Gauland und Co. will sie nicht folgen. Sie hat ganz eigene Ideen, wie die Politik innerhalb der Fraktion in Zukunft gemacht werden soll.mehr...