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Fusion zum Immobilien-Riesen

Annington will Gagfah schlucken

DORTMUND Die Deutsche Annington will die "Gagfah" schlucken: Die beiden Gesellschaften würden damit zum größten Immobilienkonzern in Deutschland werden. Beide Unternehmen standen wiederholt in der Kritik, nicht genug Geld in die Modernisierung ihrer Wohnungen zu stecken. Das habe sich geändert, sagt die Annington - Kunden könnten von der geplanten Fusion sogar profitieren.

Annington will Gagfah schlucken

Ein Informationsschild der Immobilienfirma Deutsche Annington in einer Wohnsiedlung in Gelsenkirchen.

Schimmel an den Wänden, löchrige Dächer, kaputte Heizungen: Die Deutsche Annington stand vielfach in der Kritik, nicht genug in die Instandhaltung ihrer Wohnungen zu investieren. Auch die Gagfah hat sanierungsbedürftige Immobilien. Nun wollen beide Unternehmen fusionieren: Der gemeinsame Konzern könnte dann auch in Dortmund mit über 20.000 Wohnungen die Position als "Platzhirsch" auf dem Markt verteidigen.  "Es werden mehr als eine Million Menschen bei uns wohnen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Annington, Rolf Buch. Insgesamt soll ein Unternehmen mit Wohneinheiten im Wert von 21 Milliarden Euro entstehen. Kosten sparen durch Fusion Für Ralf Henger, Immobilienexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) kommt der geplante Zusammenschluss nicht überraschend: "Wer wen übernimmt, das war nicht klar -  dass es zu Zusammenschlüssen kommen wird aber schon. Die Unternehmen in der Branche setzten auf Größe, um Kosten und Personal zu sparen."  In den kommenden beiden Jahren wollen die Konzerne 84 Millionen Euro einsparen, teilte die Deutsche Annington mit. Sie gehe zudem davon aus, dass sich durch den Zusammenschluss das eigene Kapital- und Kreditprofil in den Augen der Ratingagentur Standard and Poor's verbessere.

BOCHUM/MÜLHEIM Die Wurzeln der beiden Immobilienkonzerne Deutsche Annington und Gagfah reichen zurück bis ins frühe 20. Jahrhundert. Wir geben einen Überblick über die Geschichte der Unternehmenmehr...

 Dr. Tobias Scholz, Sprecher des Mieterverein Dortmund, sieht die Fusion kritisch: "Die bekanntgegebene Verlobung zeigt einmal mehr, wie Wohnungen zur Handelsware geworden sind. Die Sorgen der Mieter spielen bei diesen Deals überhaupt keine Rolle."

Das sieht die Annington natürlich anders: "Die Mieter profitieren weiterhin von bezahlbarem Wohnraum. Und von Investitionen in energetische Sanierung," verspricht Rolf Buch."Mieterhöhung übersteigt Energieersparnis" Gerade energetische Sanierungen werden aber aus Sicht des Mietervereins Dortmund nicht sozialverträglich durchgeführt: "Nach der Modernisierung folgen dann Mieterhöhungen. Und die sind höher als die Ersparnis, die dem Mieter durch einen geringeren Energieverbrauch zu Gute kommt," sagt Tobias Scholz. Dennoch seien verwahrloste Zustände nicht der Normalzustand, erklärt Tobias Scholz. Auch sein Kollege Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin bekräftigt das. "Bei der Annington gibt es nicht 190.000 verschimmelte Immobilien, genauso wie bei der Gagfah. Aber es gibt Bestände, die sanierungsbedürftig sind."Zur Instandhaltung verpflichtet

Laut der Annington werde daran aber kräftig gearbeitet. Der Konzern gibt an, dass er durchschnittlich 15 Euro pro Quadratmeter in die Instandhaltung seiner Objekte investiere.  Dies sei deutlich über den Niveau privater Wettbewerber. So einfach könne man sich das aber nicht machen, meint der Deutsche Mieterbund dazu: 15 Euro seien bei derartigen Beständen nicht viel.  Zur Instandhaltung sei der Vermieter schließlich verpflichtet. "Wenn er also viele Problemhäuser hat, muss er auch mehr Geld in deren Sanierung stecken," erklärt Ulrich Ropertz. "Solange es Bestände gibt, die offensichtlich Mängel aufweisen, ist diese Summe zu wenig." Die 15 Euro seien aber lediglich für die Instandhaltung des Wohnraums veranschlagt. Mit den Kosten für Sanierung und Modernisierung seien es sogar 29 Euro pro vermietetem Quadratmeter, wie Annington-Unternehmenssprecherin Nina Henckel auf Anfrage mitteilt. Auch Immobilenexperte Ralph Henger vom IW Köln sagt: "Der Fahrplan, den sich die Annington auferlegt hat, greift. Sie hat sich zuletzt moderner aufgestellt, unter anderem was die Themen energetische Sanierung und demografischer Wandel angeht." Keine Hoffnung auf Besserung Hoffnung, dass sich der Zustand der Wohnungen nach der Fusion verbessert, hat Tobias Scholz vom Mieterverein in Dortmund trotzdem nicht. "Aber es muss sich auch nicht verschlechtern. Warum es aber für die Mieter gut sein soll, wenn ein großer Konzern mit einem anderen fusioniert - das erschließt sich mir nicht." Auch Experte Ralph Henger erwartet zunächst keine gravierenden Veränderungen für Mieter.  Klaus Freiberg, Vorstandsmitglied der Annington und verantwortlich für die Bewirtschaftung und Vermietung der Immobilien, ist dagegen überzeugt, dass auch die Mieter von dem Zusammenschluss mit der Gagfah profitieren.Insourcing Grund sei unter anderem die veränderte Unternehmensstrategie: „Wir setzen konsequent auf Insourcing – das heißt: Wir erbringen inzwischen rund 90 Prozent der Instandhaltungsleistungen in unseren Immobilien selbst. Das geht von der Heizungsreparatur bis zum tropfenden Wasserhahn“, erklärt Freiberg. Nur durch Größe mache eine solche Strategie überhaupt Sinn, deshalb mache auch die geplante Fusion Sinn. Er räumt aber auch ein: „Das muss sich natürlich in der Wahrnehmung unserer Kunden niederschlagen. Es lässt sich nicht abstreiten, dass wir da früher mitunter auch Fehler gemacht haben.“ Wie es für die Mieter vor Ort aussehe, sei für die Unternehmen und deren Aktionäre ganz weit weg, meint Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund. "Für uns ist das nicht das richtige System, um Wohnungen zu bewirtschaften. Die Annington und die Gagfah werden jetzt natürlich versuchen, das alte Image abzustreifen. Durch einen neuen Namen ändert sich aber nichts - sondern nur durch die Veränderung der Geschäftspolitik."

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