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Antipasti und Rätsel - Camilleris «Spiel des Poeten»

Berlin (dpa) Ein perfider, hochintelligenter Frauenmörder verwickelt Commissario Montalbano in eine makabre Schatzsuche. Der neue Camilleri ist düster und pessimistisch geraten. Die Sonneninsel Sizilien kann sehr kalt sein.

Antipasti und Rätsel - Camilleris «Spiel des Poeten»

Ein italienischer Meister der Krimi-Unterhaltung: Andrea Camilleri. Foto: Claudio Peri

Die Kriminalromane des mittlerweile 89-jährigen Italieners Andrea Camilleri sind stets auch Gesellschaftsdiagnosen. Der an der Südküste Siziliens geborene, seit vielen Jahren in Rom lebende Autor hält seinem Heimatland immer auch den Spiegel vor.

In über einem Dutzend Romanen mit dem bekennenden Gourmet Salvo Montalbano als eigenwilligem Ermittler geht es stets auch um Themen wie Korruption, Umweltzerstörung oder die Auswüchse der organisierten Kriminalität. Eine tief empfundene Resignation über den Lauf der Welt zieht sich durch diese Geschichten. Wo ist die Schönheit Siziliens geblieben?

In Camilleris Kriminalroman «Das Spiel des Poeten», der bereits 2010 in Italien erschienen ist, bekommt es der Commissario zunächst mit einem bizarren Fall von religiösem Wahn zu tun. Ein altes Geschwisterpaar hat sich in seiner Wohnung verbarrikadiert, die mit Hunderten Kruzifixen, Heiligenbildern und anderen Devotionalien vollgemüllt ist. Als die verrückten Alten von ihrem Balkon aus Passanten beschießen, lässt der Commissario die Wohnung stürmen und stößt auf eine malträtierte Gummipuppe.

Wenig später findet sich in einem Müllcontainer in einem anderen Stadtviertel eine identische Puppe, die exakt die gleichen Blessuren aufweist. Und dann erhält der reichlich perplexe Commissario, dessen Vertraute Livia mal wieder nach Genua entschwunden ist, anonyme Briefchen mit rätselhaften Gedichten, die ihn zu einer Art Schatzsuche animieren sollen.

Montalbano nimmt die lächerlichen Verse nicht ganz ernst, flirtet lieber mit seiner alten Freundin Ingrid oder widmet sich seinen geliebten Antipasti, den Schwertfischröllchen oder den Seebarben. So plätschert die Handlung ein wenig vor sich hin, bis ein bildhübsches Mädchen vermisst wird, und der Commissario sofort die schlimmsten Befürchtungen hegt, die sich dann auch als wahr erweisen.

Ein resignativer Unterton dominiert diesen düsteren, nicht immer schlüssigen Krimi, der nicht zu den besten von Camilleri zählt. Der Commissario, inzwischen 57 Jahre alt, spürt schmerzlich genau, dass seine Zeit langsam abläuft: «Gewiss, die Zerstörung der Natur, die allgegenwärtige Geschmacklosigkeit und die Verschandelung der Landschaft waren nicht nur abstoßend, sondern auch beleidigend. Aber seine Wut rührte auch von der Unduldsamkeit und Unzufriedenheit her, die dem Alter geschuldet ist. Er wurde also tatsächlich alt.»

- Andrea Camilleri: Das Spiel des Poeten. Bastei Lübbe Verlag, Köln, 269 Seiten, 19,99 Euro, ISBN: 978-378572535-1.

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