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Archäologen auf der Spur eines römischen Lagers

Porta Westfalica (dpa) Wo genau der römische Feldherr Varus sein Ende fand, darüber streiten die Gelehrten noch. Wo er aber herkam auf dem Weg in die Falle, die ihm und seinen Legionen die Germanen vor fast 2000 Jahren stellten, das können die Experten möglicherweise erstmals genauer sagen.

Archäologen auf der Spur eines römischen Lagers

Teil einer Gewandspange (Bronze), eine Bronzemünze, ein Bleilot und ein Fragment von der Verzierung einer Bronzekanne in Porta Westfalica bei Minden

Denn in Porta Westfalica bei Minden sind Archäologen einem römischen Lager auf der Spur. «Wir haben das Schönste gefunden, was wir uns vorstellen konnten - wir haben ein Römerlager gefunden», sagte Daniel Bérenger, Vize-Chefarchäologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), am Donnerstag. In diesem Lager habe Varus wahrscheinlich «im Jahr 9 residiert, bevor er in die Schlacht gezogen ist». Das Neubaugebiet in Barkhausen, einem Ortsteil von Porta Westfalica, sei ein Ort, der zu den historischen Quellen passe, bestätigte Thomas Otten, Referatsleiter Bodendenkmalpflege und Bodendenkmalschutz im Düsseldorfer Bauministerium. Die Distanz sowohl zu den Lippelagern wie Haltern als auch nach Kalkriese bei Osnabrück sei plausibel.

Schließlich gilt seit etwa 20 Jahren das Örtchen Kalkriese nördlich von Osnabrück als wahrscheinlichster Schauplatz der Schlacht. Das bringt seit Jahren Hobbyforscher vor allem in Ostwestfalen-Lippe in Harnisch. Doch um die Schlacht gehe es ihm nicht, betonte Bérenger. «Die Varusschlacht hat mich nie interessiert, die ganze Struktur vor dem Kollaps ist viel interessanter. «Den Kollaps können die Niedersachsen gerne behalten.»

Es sei ein Fundort, der «in Qualität und Dichte einiges erwarten lässt», betonte Otten. Bei ersten Grabungen wurden Münzen, eine Gewandspange, Sandalennägel und ein römischer Mühlstein gefunden. Vor allem das Mühlsteinfragment belege, dass es sich um ein römisches Lager handeln müsse, erklärte Bettina Tremmel, LWL-Expertin für römische Archäologie. Außerdem seien Bleilote gefunden worden, die zum Vermessen und Anlegen römischer Lager dienten. Die Experten datierten die Funde anhand des Vergleichs mit Funden aus den Lippelagern auf das erste Jahrzehnt nach Christus. Eine römische Goldmünze sei schon 1950 gefunden worden - nur 150 Meter von der Grabungsstätte entfernt. Und die Region sei schon früher als Ort des Sommerlagers der Römer unter Varus im Gespräch gewesen, sagte Otten mit Blick auf Minden und Hameln.

Ehrenamtliche Helfer mit Metallsonden - und Suchgenehmigung - machten im Juli die ersten Entdeckungen auf dem Baugebiet, vor allem Münzen. «Es ist fünf vor Zwölf», betonte Bérenger. Eine Fläche von vier Hektar nehmen sich die Forscher vor, das gesamte Lager habe aber mindestens eine Fläche von 16 Hektar gehabt. Der Großteil sei also längst überbaut. Zwar sind die Bauherren nach Angaben der Stadt kooperativ, dennoch müssen sich die Archäologen beeilen. In diesem Jahr soll eine Fläche von 2000 Quadratmetern unter die Lupe genommen werden, 2009 soll es deutlich schneller gehen. Nicht allein deswegen tragen die Experten «enorme Verantwortung», sagte der Archäologe. «Wenn wir weg sind, sind auch alle Spuren weg.»

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