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Archäologen legen Gut Brünninghausen frei

Ausgrabung im Rombergpark

Es ist matschig, es ist kalt, aber hier schlummert Dortmunder Geschichte: Im Rombergpark legen Archäologen seit Ende Oktober einen Turm des Schlosses Gut Brünninghausen frei. Ob das jahrhundertealte Gemäuer dort bleiben kann, steht allerdings in den Sternen.

BRÜNNINGHAUSEN

von Von Volker Petersen

, 19.12.2011
Archäologen legen Gut Brünninghausen frei

Grabungstechnikerin Ines Müller befördert eine Ladung Schutt aus dem inneren des alten Turms. "Hier kann man nichts kaputt machen", sagt sie. "Nur sich selbst."

Genau dort, wo die Ruinen liegen, soll schon bald die Schondelle fließen. Spitzhacke und große Schüppen sind das Arbeitsgerät mit dem Björn Skor und seine Grabungstechnikerin Ines Müller die Mauern freilegen. „Pinsel braucht man hier nicht“, sagt der Archäologe, der für eine Berliner Ausgrabungsfirma arbeitet, die wiederum den Auftrag von der Stadt Dortmund bekommen hat.

Die Mauern des mehr als 400 Jahre alten Turmes sind einen Meter dick, bestehen aus schweren Sandsteinen. Und vor allem sind sie umgeben von tonnenweise Schutt. Kriegsschutt aus dem Zweiten Weltkrieg ist das. „Der wurde nach dem Krieg hier in die Gräfte der Schlossanlage gekippt“, erzählt Skor. Im Krieg wurde das Schloss auch zerstört, bei einem Flächenbombardement, das Hoesch galt, wie Skor weiß.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Ausgrabung im Rombergpark

Bilder von der archäologischen Ausgrabung eines Turms des alten Gut Brünninghausens im Rombergpark.
19.12.2011
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Der Archäologe Björn Skar gräbt den alten Turm des Gut Brünninghausen aus. Auf dem Plan zeigt er den Verlauf der künftig renaturierten Schondelle.© Foto: Volker Petersen
Sieht aus wie eine Erdfläche - der Fachmann erkennt hier jedoch viel mehr. Rechts ist das Erdreich viel lockerer, links ist es befestigt. Rechts liegt die Schutthalde aus dem Zweiten Weltkrieg verborgen, links wurde das Erdreich nach dem Abriss der dortigen Hotelfachschule befestigt.© Foto: Volker Petersen
Nicht nur Schutt, auch Kochgeschirr und kleine Fläschchen fanden die Archäologen. © Foto: Volker Petersen
Bei manchen Gegenständen ist die Funktion heute unklar, zum Beispiel auf dem nächsten Bild...© Foto: Volker Petersen
zeigen sich seltsame Dellen an dieser verrosteten Pfanne. Wofür so eine Pfanne verwendet wurde, wissen die Archäologen nicht. © Foto: Volker Petersen
Grabungstechnikerin Ines Müller befördert eine Ladung Schutt aus dem inneren des alten Turms. "Hier kann man nichts kaputt machen", sagt sie. "Nur sich selbst."© Foto: Volker Petersen
Klassische Archäologenarbeit: Das Zeichnen der Steine gehört einfach dazu. © Foto: Volker Petersen
Spitzer Bleistift und Milimeterpapier sind auch im 21. Jahrhundert die Werkzeuge des Archäologen.© Foto: Volker Petersen
Ein Fenster des Turms. Das Erdgeschoss des Turms scheint erhalten geblieben zu sein. © Foto: Volker Petersen

Manche Steine des Turms wurden anderswo verwendet, etwa um den Teich im Zoo zu befestigen. Dass der Archäologe in diesen Tagen durch den Matsch im Rombergpark stapft und alte Mauern freilegt, hat mit einem unscheinbaren Gewässer zu tun – der Schondelle, dem Bach, der renaturiert wird. Bis Ende April dauern die Grabungen. Auf einem Plan zeigt Skor den künftigen Verlauf des Bachs. Er durchkreuzt genau die Stelle, wo derzeit die Turmreste stehen.  „Ob die Turmruine erhalten bleibt, kann ich nicht sagen“, sagt Skor. Da ist eher Rolf Grunenberg von der Denkmalbehörde der richtige Ansprechpartner. Der bemüht sich keine Hoffnungen zu wecken. „Man muss erst einmal abwarten, was die Untersuchungen ergeben“, sagt er. Es müsse sich erst einmal zeigen, ob die Gemäuer überhaupt schützenswert seien. „Ich persönlich fände es auch schön, wenn die Gemäuer erhalten blieben“, sagt er. Aber das sei auch eine Kostenfrage, und könnte technisch schwierig werden.

Archäologe Skor ist indessen angetan von dem Gemäuer. „Ich würde gerne noch weitergraben“, sagt er. Denn unter dem Schloss vermutet er Reste einer noch älteren Burg.

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