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Athener Schuldendrama: Hoffnung auf Lösung Ende der Woche

Brüssel/Athen (dpa) Diese Woche dürfte für die griechische Schuldenkrise entscheidend werden. Mit neuen Reformvorschlägen lässt Athen eine Einigung näher rücken.

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Neue Gespräche in Brüssel. Foto: Olivier Hoslet

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem nennt die Vorschläge aus Athen einen «willkommenen Schritt». Foto: Olivier Hoslet

Griechenlands Regierungschef Tsipras wird in Brüssel von EU-Kommissionspräsident Juncker begrüßt. Foto: Olivier Hoslet

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist «Beratungsgipfel» nach Brüssel gereist. Foto: Julien Warnand

IWF-Chefin Christine Lagarde bei ihrer Ankunft am Sitz der Europäischen Kommission in der belgischen Hauptstadt. Foto: Olivier Hoslet

Am Abend gingen wieder Tausende Griechen wegen des harten Sparkurses auf die Straßen. Foto: Simela Pantzartzi

Die griechische Fahne über der Akropolis in Athen. Noch ist der Ausgang des Schuldendramas ungeklärt. Foto: Simela Pantzartzi

EU-Ratspräsident Donald Tusk (l) im Gespräch mit Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras (r) und Finanzminister Gianis Varoufakis. Foto: Eric Vidal

Alexis Tsipras zusammen mit EU-Kommissionspräsident Juncker in Brüssel. Bis zuletzt versuchen alle Beteiligten einen Grexit zu verhindern. Foto: Olivier Hoslet

In die festgefahrenen Verhandlungen zwischen Griechenland und den Geldgebern ist Bewegung gekommen - eine Einigung soll bis Ende der Woche gefunden werden.

EU-Gipfelchef Donald Tusk lobte beim Euro-Sondergipfel am Montag in Brüssel die jüngsten Spar- und Reformangebote Griechenlands als die «ersten wirklichen Vorschläge in vielen Wochen». Die jüngsten Vorschläge hätten «den Weg zu einer schnellstmöglichen Einigung» geebnet, sagte Frankreichs Präsident François Hollande.

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zeigte sich optimistisch: «Ich gehe davon aus, dass wir diese Woche eine Einigung mit Griechenland finden.» Er schränkte jedoch ein: «Das wird nicht einfach sein.» Eine Entscheidung könnte der reguläre EU-Gipfel Ende der Woche (25./26. Juni) in Brüssel bringen.

Ohne Ergebnis ging am Nachmittag ein Treffen der Euro-Finanzminister zu Ende, das den Gipfel vorbereiten sollte. Neue Vorschläge aus Athen seien erst «ganz, ganz kurz vorher» eingegangen, sagte Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem. Die Pläne mussten zunächst geprüft werden. Kanzlerin Angela Merkel sprach daher von einem «Beratungsgipfel». Laut EU-Diplomaten starteten Experten bereits am Montag ihre Berechnungen zu den neuen Vorschlägen.

Griechenland muss eine umfassende Reformliste vorlegen, um 7,2 Milliarden Euro aus dem laufenden Hilfsprogramm zu erhalten, die derzeit blockiert sind. Die Zeit drängt, weil das Land vor der Pleite steht. Athen muss bis zum 30. Juni 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zahlen. Einer möglichen Verlängerung des Programms beziehungsweise einer Auszahlung der bisher blockierten Hilfen muss neben anderen Parlamenten auch der Bundestag noch zustimmen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte unterdessen die Notkredite für griechische Banken erneut merklich. Allein diese Kredite machen Geldauszahlungen durch die Institute noch möglich. Die sogenannten Ela-Kredite («Emergency Liquidity Assistance») seien auf 87,8 Milliarden Euro angehoben worden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Hoffnung auf einen Durchbruch beflügelte die Börsen in Deutschland und Griechenland.

Auch Dijsselbloem sagte, die Vorschläge aus Athen seien «ein willkommener Schritt». «Ich denke also, dass dies eine Gelegenheit ist, eine Einigung in dieser Woche zu erreichen», fügte er nach Ende des Sondertreffens der 19 Euro-Finanzminister in Brüssel hinzu. Wenn alles nach Plan laufe, werde es später in der Woche ein erneutes Treffen der Euro-Finanzminister geben.

Skeptisch zeigte sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der belastbare Angebote aus Athen vermisste. «Wir haben bisher keine substanziellen Vorschläge bekommen», kritisierte er.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte praktisch in letzter Minute neue Vorschläge für harte Steuererhöhungen und Einsparungen vorgelegt. Die Maßnahmen sollen in den kommenden eineinhalb Jahren fünf Milliarden Euro einbringen.

Nach Presseberichten ist Athen nun bereit, die Mehrwertsteuer im Bereich Tourismus (Hotels, Tavernen und Cafés) zu erhöhen, die meisten Frührenten abzuschaffen und die Reichen des Landes mit einer Sondersteuer zu belegen. Einkommen ab 30 000 Euro brutto jährlich sollen stufenweise mehr Steuern zahlen. Unternehmen, die 2014 mehr als 500 000 Euro Gewinne hatten, sollen bis zu sieben Prozent Sondergewinnsteuer zahlen. Eine Immobiliensteuer, die die linke Regierung eigentlich abschaffen wollte, soll bestehen bleiben. Allein diese Maßnahme soll gut 2,6 Milliarden Euro in die Kassen spülen. Besitzer von Jachten, Luxusautos und Schwimmbädern müssten tiefer in die Tasche greifen.

Griechenland fordert laut Medienberichten seinerseits eine Umschichtung und Umlegung der Schulden des Landes. Zudem soll es ein umfangreiches Investitionsprogramm geben, damit die griechische Wirtschaft wieder wachse.

Tsipras meinte in Brüssel: «Es ist Zeit für eine wirkliche und tragfähige Lösung, die Griechenland die Rückkehr zum Wachstum erlauben würde, innerhalb der Eurozone, mit sozialer Gerechtigkeit.» Auf Griechisch fügte er hinzu, seine Regierung wolle nötige strukturelle Reformen durchsetzen sowie Steuerhinterziehung und Korruption bekämpfen. Es gelte aber, soziale Härten abzuwenden - Tsipras nannte Renten und Löhne sowie steigende Energiepreise für Verbraucher. «Das sind für uns die Schlüssel zur Einigung.»

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