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Prozess in Heinsberg

Attacke gegen Flüchtling: Gewalteskalation mit Vorspiel

Heinsberg Ein Jahr etwa ist es her, dass vier junge Männer in Heinsberg einen Flüchtling zusammengeschlagen haben sollen. Der Vater eines Täters soll seinen Sohn sogar zum Tatort gefahren haben, ein anderer Täter sei noch vor der Schlägerei nach Hause gefahren - die Mutter hatte das Essen fertig. Nun stehen die Angeklagten vor Gericht.

Attacke gegen Flüchtling: Gewalteskalation mit Vorspiel

Die Angeklagten Kevin A., Dominik T., Aron C., David M.l und Max W. (v.l.) im Amtsgericht in Heinsberg. Wegen mutmaßlicher Prügelattacken auf Flüchtlinge stehen sie vor Gericht.

Wie sein Schlagstock zerbrochen sei? Woher solle er das wissen, fragt einer der Angeklagten. Vielleicht schon, als er mit voller Wucht gegen das Bus-Wartehäuschen drosch, in dem die drei Flüchtlinge saßen. Vielleicht ging er auch erst kaputt als einer damit auf die Flüchtlinge losschlug, antwortet der 18-jährige am Freitag sichtlich genervt der Richterin am Jugendschöffengericht in Heinsberg.

Es war der 27. Januar vergangenen Jahres: Drei Flüchtlinge saßen in einem Bus-Wartehäuschen im Heinsberger Land bei Aachen, als die fünf angeklagten mutmaßlichen Schläger kamen - ausgestattet mit Quarzhandschuhen und Teleskopstöcken, Springerstiefeln und stahlverstärkten Arbeitsschuhen, wie die Staatsanwaltschaft in der Anklage feststellte. Normales Outfit damals, wie der 18-Jährige sagt.

Getreten, als er am Boden lag

Zwei Flüchtlinge konnten sich offensichtlich retten, der dritte wurde laut Anklage selbst dann noch ins Gesicht getreten, als er verletzt am Boden lag. Er wurde bewusstlos und kam mit einer Schädelprellung ins Krankenhaus.

Vielleicht hat der Mann nur überlebt, weil eine Frau laut schreiend aus einem Getränkemarkt auf die Gruppe zulief und die Gruppe dann von dem Verletzten abließ und flüchtete. „Ich wollte ja nicht ins Gefängnis“, sagt der 18-Jährige vor Gericht.

Er legt ein Teilgeständnis ab, allerdings eins mit Erinnerungslücken. Er und seine langjährigen Kumpel sind angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung, Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen und Bedrohung in vier Fällen.

An diesem ersten Verhandlungstag bleibt offen, wie weit die Angeklagten in der rechten Szene verankert sind: Bei dem Überfall brüllen sie laut Anklage rechte Parolen und zeigen eine Hitler-Fahne. Zwei der Angeklagten sind nach eigenen Angaben im Aussteiger-Programm des Verfassungsschutzes.

"Zusammen fühlen sie sich stark"

„Sie hatten eine offene rechte Gesinnung, die sie ausgelebt haben“, meinte Verteidiger Stefan Krings. Zusammen in der Gruppe habe man sich stark gefühlt. „Alleine hätte er das nicht gemacht“, sagt er über seinen Mandanten.

Anwalt Gerhard Zipfel sagt am Rande des Prozesses, dass sein Mandant, der an dem Morgen ein Teilgeständnis ablegt, aus einem recht guten Elternhaus komme. Die Mutter sei nicht mehr an ihren Sohn herangekommen. Jetzt habe er aber eingesehen, dass es so mit seinem Leben nicht mehr weitergehen könne. Security-Mann möchte er mal werden, sagt er an dem Morgen der Richterin.

Die Eskalation hatte ein Vorspiel: Die Kumpel kennen sich seit vielen Jahren, lungerten in Wassenberg herum. Laut Anklage sind sie zunächst rüber gegangen zu dem Wartehäuschen mit den drei Flüchtlingen und haben sie angespuckt.

Die Gruppe habe sich zurückgezogen, mit den Flüchtigen habe es über die Distanz noch „Palaver“ gegeben, sagt der geständige Angeklagte. Einer aus der Gruppe sei nach Hause gegangen. „Die Mutter hatte angerufen. Das Mittagessen war fertig.“ Einer von ihnen habe einen anderen Kumpel über WhatsApp aufgefordert zu kommen.

Der war dann schnell zur Stelle. Der Vater hatte ihn mit dem Auto gebracht und steht dafür wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung vor Gericht. Zu Unrecht, wie der geständige Mann meint: „Wenn der Vater gewusst hätte, worum es ging, hätte er ihn bestimmt nicht gefahren.“

Von dpa

 

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