Diese Website speichert Cookies auf Ihrem Computer. Diese Cookies werden verwendet, um Ihre Website zu optimieren und Ihnen einen persönlich auf Sie zugeschnittenen Service bereitstellen zu können, sowohl auf dieser Website als auch auf anderen Medienkanälen. Mehr erfahren über die von uns eingesetzten Cookies finden Sie in unserer Datenschutzrichtlinie
Anzeige
Anzeige

Auch zweiter WhatsApp-Gründer verlässt Facebook

San Jose. Nachdem WhatsApp von Facebook gekauft wurde, versprachen die Gründer, dass der populäre Chatdienst werbefrei bleiben werde. Zudem wollten sie die Daten getrennt halten und setzten auf Verschlüsselung. Doch jetzt ist auch der zweite Gründer weg - angeblich im Streit.

Auch zweiter WhatsApp-Gründer verlässt Facebook

Zeit weiterzuziehen: WhatsApp-Gründer Jan Koum verlässt den Facebook-Konzern. Foto: Tobias Hase

Der als Verfechter von Datenschutz und Verschlüsselung bekannte Mitgründer des Chatdienstes WhatsApp, Jan Koum, verlässt die Konzernmutter Facebook.

Es sei Zeit für ihn weiterzuziehen, schrieb Koum in einem Facebook-Eintrag. Die „Washington Post“ berichtete, es habe Streit mit Facebook um die Datennutzung sowie die strikte Verschlüsselung bei WhatsApp gegeben. Zudem hätten Pläne, bei WhatsApp Werbung einzuführen, für Konflikte gesorgt, schrieb das „Wall Street Journal“.

Koum, der auch unter dem Dach von Facebook WhatsApp-Chef geblieben war, machte keine weiteren Angaben zu Gründen für seinen Abgang. Sein Mitgründer Brian Acton hatte die Firma bereits im vergangenen Jahr verlassen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg dankte ihm und versicherte, dass Werte wie Verschlüsselung immer im Kern von WhatsApp bleiben würden. Koums Ankündigung kam für Facebook zu einem ungünstigen Zeitpunkt am Vorabend der jährlichen Entwicklerkonferenz F8.

Koum und Acton hatten WhatsApp 2014 für rund 22 Milliarden US-Dollar (aktuell 18,1 Mrd Euro) an Facebook verkauft. Sie sicherten sich dabei weitreichende Unabhängigkeit. So blieb WhatsApp werbefrei und die Daten wurden zunächst komplett getrennt. Inzwischen gleichen WhatsApp und Facebook nach Angaben des Unternehmens Telefonnummern ab, um Spam herauszufiltern. Zugleich setzt WhatsApp aber auf sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der Nachrichten nur für Absender und Empfänger lesbar sind, aber nicht für die Firma selbst.

WhatsApp hat inzwischen mehr als 1,3 Milliarden Nutzer weltweit. Doch der Datenschutz-Fokus der WhatsApp-Gründer und deren prinzipielle Ablehnung von Werbung machten es für Facebook schwieriger, Geld mit dem teuer gekauften Dienst zu verdienen. Der „Washington Post“ zufolge sperrten sich WhatsApp-Manager dagegen, Daten des Dienstes für übergreifende Nutzerprofile einzusetzen, bei denen auch Informationen von Facebook und der ebenfalls zum Konzern gehörenden Fotoplattform Instagram verknüpft würden.

In Europa waren schon erste Versuche, Informationen von WhatsApp mit Facebook auszutauschen, auf Widerstand von Datenschützern gestoßen. Und die EU-Kommission belegte das Online-Netzwerk vor einem Jahr mit einer Strafe von 110 Millionen Euro. Der Grund war, dass Facebook bei der Freigabe der Übernahme erklärte, es sei technisch nicht möglich, Daten von WhatsApp und des Online-Netzwerks zu verknüpfen - dann aber 2016 den Abgleich der Telefonnummern ankündigte.

Bei der jüngsten Aktualisierung der WhatsApp-Nutzungsbedingungen zur EU-Datenschutzverordnung hieß es ohne weitere Details, der Dienst wolle in der Zukunft näher mit Facebook zusammenarbeiten. Dabei wurde in Europa auch das offizielle Mindestalter für die Nutzung von 13 auf 16 Jahre angehoben, damit WhatsApp keine Zustimmung der Eltern einholen muss. Zugleich schreiben die Datenschutz-Regeln Firmen nicht vor, sich das Alter der Nutzer eindeutig bestätigen zu lassen.

Die Geschäftsidee bei WhatsApp war zuletzt die Möglichkeit, Unternehmen mit ihren Kunden kommunizieren zu lassen. Das Projekt steht jedoch erst am Anfang. Und auch hier gab es nach Informationen der „Washington Post“ Differenzen: Facebook habe die Nutzung des Dienstes für Firmen vereinfachen wollen, nach Ansicht von WhatsApp hätte dies ein Aufweichen der Verschlüsselung erfordert. Beim zweiten Chatdienst des Online-Netzwerks, dem Facebook Messenger, ist die Komplett-Verschlüsselung nicht Standard, sondern kann nur für vertrauliche Unterhaltungen eingeschaltet werden.

Dem „Wall Street Journal“ zufolge wollte Facebook die Werbung in der neugestalteten „Status“-Funktion unterbringen, in der für einen Tag Fotos und Videos platziert werden können.

Am Ende sei Koum der Meinungsverschiedenheiten überdrüssig geworden, schrieb die „Washington Post“ unter Berufung auf informierte Personen. Andere WhatsApp-Mitarbeiter wollten im November gehen, wenn ihre Aktienoptionen fällig werden.

Koum schrieb, er werde sich nun eine Auszeit für Dinge außerhalb der Technologie-Branche nehmen, „zum Beispiel seltene luftgekühlte Porsche-Autos sammeln“ sowie an seinen Autos arbeiten und Frisbee spielen. Der WhatsApp-Deal hatte den Einwanderer aus der Ukraine, dessen Familie einst auf Lebensmittel-Hilfen angewiesen war, zum Milliardär gemacht.

Acton verließ WhatsApp im vergangenen Herbst und investierte vor wenigen Monaten 50 Millionen Dollar in eine Stiftung, die Technologie für verschlüsselte Kommunikation entwickeln will. Im Zuge des Datenskandals ging er im März auf Distanz zu seinem früheren Arbeitgeber Facebook, als er sich den Aufrufen anschloss, das Online-Netzwerk zu verlassen: „Es ist an der Zeit“, twitterte er zusammen mit dem damals populären Hashtag #deletefacebook.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Netzwelt

BGH prüft Haftung bei WLAN-Hotspots und in Anonym-Netzwerk

Karlsruhe. Ein neues Gesetz soll WLAN-Nutzer schützen - und schafft die so genannte Störerhaftung für Rechtsverstöße bei offenen Hotspots ab. Doch wie schützt man dann Urheberrechte? Der BGH prüft das auch im Fall des Anonym-Netzwerks Tor.mehr...

Netzwelt

Intel-Chef Krzanich stürzt über Mitarbeiter-Beziehung

Santa Clara. Intel-Chef Brian Krzanich hatte versucht, den Chip-Riesen aus der Abhähgigkeit vom PC-Markt zu befreien - und war damit nur teilweise erfolgreich. Doch er stürzte nun nicht über geschäftliche Fehlschläge, sondern eine Affäre am Arbeitsplatz.mehr...

Netzwelt

Kryptobörse verliert Millionen durch Hackerangriffe

Seoul. Die südkoreanische Kryptowährungsbörse Bithumb hat nach eigenen Angaben durch Hackerangriffe 35 Milliarden Won (27,4 Millionen Euro) an virtuellen Zahlungsmitteln verloren.mehr...

Netzwelt

EU-Ausschuss stimmt für Leistungsschutz und Uploadfilter

Brüssel. Prominente Kritiker sagen, das freie Internet sei bedroht. Am Mittwoch hat ein Ausschuss im EU-Parlament über das europäische Copyrights abgestimmt. Das Ergebnis war denkbar knapp - und widerspricht sogar dem deutschen Koalitionsvertrag.mehr...

Netzwelt

Amazon bringt Alexa in Hotelzimmer

Seattle. Wer zuhause gern Alexa herumkommandiert, muss darauf bald auch im Hotel nicht mehr verzichten. Amazon nimmt das Gastgewerbe mit einer neuen Plattform ins Visier. Ein erster großer Partner ist Marriott.mehr...