Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Auf der Schiene zurück in die Vergangenheit

Historische Straßenbahn

Es war eine Revolution für die Menschen in Bochum und Herne: Vor 120 Jahren nahm die erste Straßenbahn zwischen beiden Städten ihren Betrieb auf. Daran erinnerte am Sonntag (23.) die Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft Bogestra (VhAG) mit Sonderfahrten. Und ermöglichte dank eines Nachtwächters eine ganz besondere Zeitreise in Bochums Vergangenheit.

BOCHUM

, 23.11.2014

Punkt 12 Uhr am Freitag, dem 23. November 1894, setzten sich die zwei Wagen der neuen Straßenbahn in Bewegung. Im Viertelstunden-Takt verband die damals schon elektrische Bahn den Bahnhof in Herne mit der Bochumer Endhaltestelle „Am Kortländer“. „Viele Haltestellen wurden damals nach den anliegenden Gaststätten benannt“, erzählt der Nachtwächter. Der heißt im eigentlichen Leben Andreas Halwer, ist Stadtarchivar und damit bestens geeignet, um die zahlreichen Besucher der drei Sonderfahrten mit zurück ins Jahr 1884 zu nehmen. „Die Strecke führte über die Herner Straße – da wo heute die U35 entlang fährt“, sagt er. Deshalb entschied man sich bei der VhAG für eine etwas andere, nur wenige Jahre jüngere Strecke: Mit der Bogie-Bahn geht es vom Bochumer Hauptbahnhof über die Dorstener Straße nach Wanne-Eickel. Ebenfalls eine Linie mit Geschichte, wie Andreas Halwer erzählt: „Der direkte Weg nach Bochum führt eigentlich über die Hordeler Straße. Die Bahn macht aber Schlenker zur Schachtanlage der Zeche Hannibal.“ Was heute nachvollziehbar klingt, war damals eher ungewöhnlich: „Die Straßenbahn war nicht für Arbeiter gedacht, sondern für Höhergestellte“, sagt der Archivar. Das zeigt sich auch in den Fahrpreisen. Eine Fahrt von Bochum nach Herne kostete bei der Eröffnung im Jahr 1894 ganze 50 Pfennig – so viel kosteten im Durchschnitt fünf Gläser Bier.

Doch nicht nur mit kuriosen Vergleichen kann der „Nachtwächter Andreas“ sein Publikum begeistern. So sorgt die Tatsache, dass die Kriminalitätsstatistik für Bochum aus dem Jahr 1894 800 der Schule ferngebliebene Kinder nennt, ebenso für Heiterkeit bei den Mitreisenden, wie die Auflistung der vorgeschriebenen Ausrüstung für Schaffner. Die mussten nämlich nicht nur Fahrscheine mit sich führen, sondern auch einen Handfeger und einen Schwamm. Selbst vor baulichen Mängeln war die erste Bochumer Straßenbahn nicht gefeit: „Die an Masten hängenden Telefonleitungen verfügten über keine Isolierung. Deshalb ging das Telefon nicht, wenn die Straßenbahn fuhr“, erklärt Halwer. Eilig wurden  deshalb die Kabel unter die Erde verlegt – und die Bahn erst zwei Monate nach der eigentlichen Fertigstellung eingeweiht.

75 Minuten dauert die Rundfahrt, bei der manch ein Besucher noch überraschendes lernt: „Ich war noch nie in Wanne-Eickel“, sagt Ulrike Kipf und freut sich, einmal „unbekanntes Gebiet“ zu entdecken. In ihr weckt die Fahrt mit der historischen Straßenbahn Erinnerungen an früher. „Aber die Holzsitze sind im Vergleich zu heute schon sehr unbequem“, stellt sie fest.   Dennoch hält sie es in der Bogie-Bahn ganz gut aus. „Die Rundfahrt gefällt mir sehr gut“, sagt sie. Als die Bogie-Bahn wieder am Bochumer Hauptbahnhof endet, ist sie mit dieser Meinung nicht alleine. Ein leises „Schade“ raunt durch die Menge der Mitreisenden.  

Schlagworte: