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Auf ein Schnitzel zu Oma - Eine Kölsche Institution

Köln (dpa) Als die Fußball-Nationalmannschaft durch das WM-Turnier stürmte, stand Paula Kleinmann in der Küche ihrer Kneipe und knetete Frikadellen. Einige Gäste wären fast aus dem Fenster gefallen, so voll war die kleine Wirtschaft in der Zülpicher Straße in Köln.

Deutschland wurde am Ende Weltmeister. Es war die WM 54. «Eine tolle Zeit», Paula Kleinmann denkt mit ihren 93 Jahren gerne zurück an diese Jahre. 1949 eröffnete sie mit ihrem Mann Willi die Kneipe, die heute ihren Namen trägt - «Bei Oma Kleinmann». Auch nach fast 60 Jahren kommen die Gäste noch in Scharen. Nicht nur wegen des Essens, sondern auch um ihre «Oma» zutreffen.

Bis vor kurzem hat sie noch die Kartoffeln geschält, die zu den großen Schnitzeln gereicht werden, zwei Zentner am Tag. Das macht sie heute nicht mehr, aber in der Kneipe mit den bunten Fenstern, den Jagdtrophäen und den Hängeleuchtern im Hirschgeweihdekor sitzt sie immer noch gerne. Was Oma Kleinmann als Wirtin ausgezeichnet hat, kann man nicht lernen: eine Fröhlichkeit, mit der sie heute noch jeden ansteckt, und ein Gespür für Menschen. «Wenn der Gast fröhlich ist, musst du mit ihm feiern. Wenn er traurig ist, musst du mit ihm traurig sein. Und wenn er trinken will, dann musst du mit trinken», sagt die Wirtin und haut mit der flachen Hand auf den Tresen.

In einem Dortmunder Kloster hat sie in den 30er Jahren kochen gelernt. Es habe ihr dort so gut gefallen, dass sie überlegt habe Nonne zu werden. «Da wusste ich ja noch nicht, wo die Glocken hängen», scherzt die 93-Jährige und lacht laut. Wenn Paula Kleinmann lacht, dann schüttelt sich ihr ganzer Körper und die Augen kneift sie zu zwei schmalen Schlitzen zusammen. Ihre Türe stand stets für jeden offen, auch für die vielen Studenten die schon in den 50er Jahren in der Gegend rund um die Zülpicher Straße wohnten. «Drei mal am Tag hab ich frische Schnittchen geschmiert. Es gab ja keine Mensa damals und die Jungs hatten immer Hunger.»

Paula Kleinmann will jetzt zurück in ihre Wohnung. Die Knie machen nicht mehr so mit, wie sie es möchte. Sie wohnt immer noch in der kleinen Pächterwohnung hinter der Kneipe, auch wenn diese nicht mehr von der Familie geführt wird. Mit dem Rollator geht es Schritt für Schritt durch die Küche und den winzigen Flur direkt in ihr Wohnzimmer. Hier auf ihrer blauen Couch mit den bunten Blümchenkissen hat es sich schon Alfred Biolek schmecken lassen, als in der Gaststätte kein Platz mehr war.

Ihre Geschichten haben schon zwei Bücher gefüllt. Eines davon kramt sie unter einem großen Stapel Papier heraus. «Das hier ist ganz interessant. Das kann man auch zwei Mal lesen», sagt Oma Kleinmann, so als sei das gar nicht ihr Leben, das da zu Papier gebracht wurde. Eigentlich habe sie alles erlebt. Große Wünsche habe sie nicht mehr. Höchstens, dass die Kneipe wieder aus allen Nähten platzt, wenn Deutschland das nächste Mal Weltmeister wird.

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