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Auf karger Bühne wird um Räume gekämpft

Premiere am Schauspielhaus

Weil Reto Finger mit einem neuen Stück unter dem Arbeitstitel „Hans im Glück“ nicht rechtzeitig fertig wurde, musste Anselm Weber eine geeignete Alternative für das bereits zusammengesuchte Ensemble finden. Mit "Kabale und Liebe" kann sich der Bochumer Intendant nun erneut als Schiller-Experte beweisen.

BOCHUM

, 21.11.2014
Auf karger Bühne wird um Räume gekämpft

"Kabale und Liebe" erzählt von einer grenzenlose Liebe. Regisseur Weber hält das Thema für heute so aktuell wie früher.

„Ich habe die ‚Jungfrau von Orleans’ gemacht, den ‚Wallenstein’ und zweimal ‚Don Carlos’ – einmal in Hamburg, einmal in Essen“, zählt Anselm Weber auf. Warum also nicht endlich auch „Kabale und Liebe“? Dass das Trauerspiel immer noch Stoff in den Deutsch-Leistungskursen ist, habe jedenfalls kaum zur Entscheidung beigetragen. Vielleicht ein bisschen. Im Vordergrund habe die Liebe zum Autor und die Figurenkonstellation gestanden: „Ich mag Schiller, weil er ein sehr guter Dramatiker ist in der Verbindung von Privatem und Politischem. Ich bin mir sicher, wenn er heute noch leben würde, wäre er einer der ganz großen Blockbuster-Autoren in Hollywood.“ Da würde dann im Abspann stehen: Nach einer wahren Geschichte. Schillers Figuren seien quasi dokumentarisch, informiert Weber, dass jemand mit gefälschten Briefen zu Fall gebracht wird, war eine reale Begebenheit.

Anselm Weber lässt das Stück um die durch Intrigen verhinderte Liebe zwischen der bürgerlichen Luise zum Adelssohn Ferdinand bewusst in seiner Zeit. Er inszeniert wortgetreu. „Es geht im Stück um die Polarität von Freiheit und Unfreiheit“, sagt er. Ich will zeigen, was Menschen in der Vergangenheit auf sich nehmen mussten, damit wir heute in Freiheit leben können.“ Natürlich sei der Konflikt historisch, die Moralhandlungen, die starken Regeln und Gesetze, denen sich Schillers Figuren verpflichtet fühlen. „Doch selbst heute in Deutschland leben Menschen, die nicht in Freiheit leben – auch oder gerade nicht in Liebesdingen.“

Die Geschichte der starken, ausschließlichen, grenzenlosen Liebe, die Ferdinand und Luise zueinander fühlen, hält der Intendant für aktuell wie damals: „Die Hinwendung zum Privaten ist wieder stärker geworden“, sagt er. Den starken Gefühlen in Schillers Drama, manche nennen es Pathos, setzt der Regisseur eine karge Bühne entgegen. Sie ist schematisierter Raum wie in Lars von Triers „Dogville“ – weil es im Stück auch um den Kampf um Räume, um Privatsphäre gehe. Neben einem hochkarätigen Ensemble um Friederike Becht (Luise) und Nils Kreutinger (Ferdinand) sitzt auch der Bochumer Symphoniker Wolfgang Sellner auf der Bühne und steuert Live-Musik am Cello bei.  

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