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Ausstellung in München: 75 Jahre «Carmina Burana»

München (dpa) O Fortuna»: Der berühmte Beginn der «Carmina Burana», die Anrufung der Glücksgöttin Fortuna, ist eine tiefe Klage.

Ausstellung in München: 75 Jahre «Carmina Burana»

Carl Orff wurde am 10.07.1895 in München geboren und starb ebenda am 29.03.1982. Foto: Gerhard Rauchwetter

«Das Rad der Fortuna, das nie stillsteht und damit alle Menschen - auch die Herrscher - erhebt und wieder niederstürzt, ist ein Bild für das unausweichliche und unerbittlich waltende Schicksal, dem sich niemand entziehen kann», schreibt der Leiter des Orff-Zentrums in München, Thomas Rösch.

Carl Orffs «Carmina Burana» gehören heute zu den wichtigsten Werken der Musikgeschichte. Vor 75 Jahren wurden sie in Frankfurt uraufgeführt. Das Orff-Zentrum widmet den «Carmina Burana» darum eine Ausstellung in der Bayerischen Staatsbibliothek. Der Untertitel: «Wirkung eines Welterfolges».

Die Staatsbibliothek ist aus zwei guten Gründen Ausstellungsort. Sie bewahrt nicht nur die Original-«Carmina Burana», die mittelalterliche Lied- und Dramensammlung aus dem 13. Jahrhundert, auf, sondern auch die handschriftliche Partitur Carl Orffs.

Die Ausstellung in Orffs Heimatstadt zeigt anhand zahlreicher Dokumente, Briefe, musikalischer Skizzen, Programmzettel, Fotos oder Kritiken die Entstehung, die Uraufführung in Frankfurt am 8. Juni 1937 und die Wirkungsgeschichte der «Carmina Burana». Die Komposition gilt heute als meistaufgeführtes Chor-Orchester-Werk der Musikgeschichte. Die Ausstellungseröffnung am Mittwoch war nach Angaben des Orff-Zentrums schon lange im Voraus ausgebucht.

«Die Ausstellung will den Blick auf das Werk selbst richten und dazu auffordern, sich stärker mit dessen Text und Musik auseinanderzusetzen», sagte Rösch.

Schließlich entstand das Werk, das Orff selbst stets als «szenische Kantate» bezeichnete, während der Nazi-Zeit. Orff selbst und seine Rolle in dieser Zeit sind nicht ganz unumstritten, auch wenn Orff selbst sich während der Diktatur mit politischen Äußerungen zurückhielt. Zu den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin komponierte er zwar eine Musik, lehnte aber danach den Auftrag von Joseph Goebbels ab, eine Melodie für die Kino-Wochenschau zu schreiben.

Nach der Frankfurter Uraufführung gab es nach Angaben des Orff-Zentrums Einwände des NS-Funktionärs und einflussreichen Musikkritikers Herbert Gerigk, Leiter der «Hauptstelle Musik beim Beauftragten des Führers». Seine Kritik galt demnach hauptsächlich dem unverständliche «Mönchslatein». Das befürchtete Verbot blieb aber aus. Nur die szenische Aufführung in Görlitz von 1942 wurde verboten, nachdem die Pianistin Elly Ney mit dem Ruf «Kulturschande» protestierend das Theater verlassen hatte, wie Rösch schreibt.

Auch darin sieht Rösch einen Beleg dafür, dass Orffs Werk der Nazi-Ästhetik nicht nahe stand. Der Musikwissenschaftler bescheinigt den «Carmina Burana» Einflüsse der alten und der außereuropäischen Musik sowie von Strawinsky und vom Jazz. Die Ausstellung zum Werk ist vom 21. Juni bis zum 31. August zu sehen.

Orff-Zentrum

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