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Ausstellung über Homosexualität in Berlin

Berlin (dpa) Homosexualität wird museumsreif: Mit einer großen Ausstellung über schwules und lesbisches Leben erlebt das ehrwürdige Deutsche Historische Museum auch eine Art Coming-out.

Ausstellung über Homosexualität in Berlin

Das Deutsche Historische Museum in Berlin zeigt eine Ausstellung über die 150-jährige Geschichte, Politik und Kultur homosexueller Frauen und Männer in Deutschland. Foto: Paul Zinken

Es sei Zeit für diese Nische, sagte Alexander Koch, Leiter des Deutschen Historischen Museums Berlin (DHM), zur neuen Ausstellung über Homosexualität.

Von wegen Nische, erwiderte Isabel Pfeiffer-Pönsgen von der Kulturstiftung der Länder am Mittwoch: Homosexualität sei eine von vielen möglichen Lebensweisen und keineswegs nur Angelegenheit einer Minderheit. Mit der Schau zu schwulen, lesbischen und anderen Formen der Sexualität wird im DHM vor der Ausstellungseröffnung an diesem Freitag noch nach den richtigen Worten gerungen.

Dabei wagt sich das vom Bund finanzierte Haus Unter den Linden aus der Reserve. Mit seiner Dauerschau zur deutschen Geschichte und den Wechselausstellungen im Pei-Anbau gilt das DHM als traditionelles Haus. Jetzt ist das DHM in Zusammenarbeit mit dem Schwulen Museum Berlin auf fremdes Terrain vorgedrungen. «Homosexualität_en» - unter diesem Namen zeigen beide Häuser bis 1. Dezember ein sehenswertes Gesellschaftspanorama der vergangenen 150 Jahre. Gefördert wird die Schau von der Kulturstiftung der Länder und der des Bundes.

Während das DHM auf rund 1100 Quadratmetern die historischen und gesellschaftlichen Hintergründe der Homosexuellen-Bewegung nachzeichnet, stellt das Schwule Museum am Lützowplatz Kunst aus, die um das Thema kreist, etwa von Andy Warhol oder Louise Bourgeois.

Aufmerksamkeit dürfte der Schau sicher sein: Das Werbeplakat zeigt einen Mann mit muskelgestähltem, halbnacktem Körper im Slip und rot bemalten Lippen. Der Hingucker dürfte nicht mehr schockieren. Diese Ästhetik gehört heute zur Bildsprache in Mode und Werbung.

Über Jahrhunderte war Homosexualität ein Tabu. Erst 1994 wurde in Deutschland der berüchtigte, von den Nationalsozialisten verschärfte Homosexuellen-Paragraf gestrichen. Im Schatten von Verfolgung und Vorurteilen blühte aber eine sehr lebendige Szene.

Ob am Nollendorfplatz in Berlin, auf Gut Mahlsdorf zu DDR-Zeiten, in San Francisco, auf dem «Mösenmobil» beim Berliner Christopher Street Day 1998 oder den männerfreien Partys der Lesben-Bewegung in den Siebzigern - die Ausstellung porträtiert eine Subkultur, ihre Kämpfe um Anerkennung manchmal mit Augenzwinkern, etwa in der Vorliebe der Schwulen für die Farbe Rosa, für Uniformen oder Stiefel. Vom Coming- Out bis zur Ausgrenzung - das Bekenntnis zur eigenen Sexualität kann sehr schwer sein, wie Zeugnisse von Betroffenen zeigen.

Unter dem Titel «Schimpf und Schande» laufen Hasstiraden gegen Schwule vom Band. Ein Gerät für Elektroschocks aus den 50er Jahren und eine Vorrichtung zur Verhinderung der Onanie zeigen, dass auch die Wissenschaft immer wieder von Vorurteilen eingeholt wurde. Dabei war es gerade der Berliner Arzt Magnus Hirschfeld (1868-1935), der mit seiner Forschungsarbeit als ein Begründer der Homosexuellen-Bewegung gilt.

Die Ausstellung will das gängige Verständnis infrage stellen, Homosexualität sei gleich schwule Männer. Für die Vielschichtigkeit steht auch das aus den USA importierte Kürzel «LGBTIQ». Denn lesbisch, gay/schwul, bisexuell, transidentifiziert, intersexuell und queer seien nur einige Formen von Sexualität, sagt die Kuratorin Birgit Bosold. Wer sich bei Facebook anmelde, könne immerhin zwischen 56 unterschiedliche Geschlechts-Formen wählen.

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