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Bällchen-Paradies statt KiBiz

INNENSTADT "Das Gesetz ist ein Rückschritt" , eröffnete Ewald Groth die KiBiz-Diskussion im Comenius-Schulzentrum.

von Von Julia Reidegeld

, 16.10.2007
Bällchen-Paradies statt KiBiz

KiBiz: Das Gesetz sei ein Rückschritt, war aus der Diskussion im Comenius Schulzentrum herauszuhören.

Neben dem Landtagsabgeordneten der Grünen, waren weitere Vertreter der Politik, der Erzieher, der Gewerkschaft Verdi sowie Elternschaft der Einladung des Schulleiters Michael Haase gefolgt. "Ich finde es schade, dass die Vertreter von CDU und FDP verhindert sind", entschuldigte der Schulleiter das Fehlen der entsprechenden Gesetzes-Initiatoren. Als ein Zeichen wertete Groth diese Abwesenheit. In der gut besuchten Turnhalle lauschten Eltern und Erzieher-Auszubildende den Podiums-Statements und nickten zustimmend.

Reines Spargesetz

Neben der flexiblen Betreuungszeit und der frühkindlichen Bildung ging es auch um die Arbeitsplatzsicherheit der Erzieher. "Das KiBiz ist ein reines Spargesetz. Da kann ich doch gleich mein Kind im Bällchen-Paradies bei McDonald's abgeben", rief Victoria Stein. Die Leiterin der AWO-Kindertagesstätte in Heven kann nicht verstehen wie ein neuer Arbeitsplan für ihre Erzieherinnen aussehen soll, wenn Eltern die Stunden in der Tagesstätte zukünftig buchen sollen. "Wie können wir Erzieher überhaupt noch vernünftig für die Praxis ausbilden, die immer schlechter und unsicherer wird", fügte Manon Füllgraf, Lehrerin am Comenius-Berufskolleg, hinzu.

Private Einrichtungen

Mit Erschrecken blickte Katharina Schwabedissen der Partei Die LINKE in die Zukunft: "Es wird alles darauf hinaus laufen, dass wohlhabendere Eltern ihre Kinder in eine private Einrichtung bringen." Auf der anderen Seite stünden dann die Hartz IV-Familien - "welche Betreuungszeit können sie sich denn überhaupt leisten", fragte Birgit Crone vom Trägerverbund Ev. Tageseinrichtung HaWi in die Runde. Hartz IV-Kindern sollen nur 25 Stunden in der Woche bewilligt kriegen - ein Ausgrenzen der Kinder, bringt es Michael Haase auf den Punkt.

"Ich liebe meinen Job von ganzem Herzen, aber ich weiß nicht, ob ich nochmal die Ausbildung machen würde, wenn ich für das Anerkennungsjahr kein Geld bekäme," stellte eine Auszubildende aus dem Publikum abschließend fest und sprach damit wohl auch den älteren Erzieherin aus der Seele.

Finanzierung

Überlegungen stellten die Diskutanten über eine kostenfreie Kinderbildung an, so dass die Kindergartengebühr über die Steuergelder finanziert werden könnte oder dass grundsätzlich mehr Geld in die anfängliche Bildung gesteckt werden solle: "Jeden Euro, den wir unten mehr reinstecken, brauchen wir später weniger für Hartz IV", fasste Thomas Stotko von der SPD schlüssig zusammen. "Ihr dürft nicht aufhören, euch zu wehren."

Am Montag wurde dann der Weg geöffnet. Während Witten noch diskutierte billigte die CDU-Fraktion nach Angaben ihres Sprechers auf der Klausurtagung im Wesentlichen einen Kompromiss auf der Grundlage eines Vorschlages der Kindergartenträger: Die Kindpauschale bleibe, Kosten sollen aber am Jahresende abgerechnet werden. Morgen soll der Entwurf im Ausschuss und nächste Woche im Plenum verabschiedet werden.