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Bahnkunden auf dem Abstellgleis

WITTEN Trotz der Ersatzfahrpläne fielen am Donnerstag wegen des Lokführer-Streiks viele Züge in Witten aus.

von Von Julia Reidegeld

, 25.10.2007
Bahnkunden auf dem Abstellgleis

Die Zweigleisigkeit auf der Strecke Lünen-Werne-Münster rückt näher.

„Ich habe Verständnis dafür.“ Erna Rüb nimmt den erneuten Streiktag der Lokführer gelassen hin. Sie fährt nicht oft mit der Bahn. Donnerstag ist es eine Ausnahme. Sie muss mit ihrem Mann nach Dortmund. Verärgert ist sie über etwas ganz anderes: „Mein Mann sitzt im Rollstuhl und der Fahrstuhl auf diesem Bahnsteig funktioniert nicht.“

Noch 20 Minuten müssen Erna Rüb und ihr Mann auf den Zug warten. 11.03 Uhr steht auf der Anzeigetafel, doch eigentlich sollte die S5 nach Dortmund längst um 10.40 Uhr gekommen sein.

Am bisher längsten Streiktag fielen trotz Ersatzfahrplänen viele Züge aus. Auch für Witten sah die Bilanz am Donnerstag Morgen eher mager aus: Von zehn Zügen erreichten zwei den Bahnhof mit Verspätungen, vier kamen erst gar nicht.

So gelassen wie Erna Rüb war Mine Kilic gestern nicht. Die Studentin fährt jeden Tag mit dem Zug nach Essen zur Uni. „Schon in der letzten Woche kam der Zug wegen des Streiks nicht. Als dann endlich einer kam, fuhr der nur bis Bochum und wir mussten umsteigen - angeblich wegen Zugentgleisung“, erzählt die Geschichtsstudentin.

Und damit nicht genug. Ihre Professoren verlangen eine Bescheinigung von der Bahn für die Verspätung.

„Aus meiner Perspektive ist die ganze Streikangelegenheit natürlich sehr ärgerlich, aber verstehen kann ich die GDL-Position schon. Nur besser organisieren könnten sich die Lokführer. Geschadet wird ja vor allem dem Bahnkunden“, stellt Mine Kilic fest.

Mittlerweile ist es auch schon 11.15 Uhr und kein Zug ist in Sicht. Auf dem gegenüberliegenden Gleis wurden die Wartenden inzwischen von einem Zug Richtung Dortmund erlöst. Als auch endlich ein Zug auf Gleis drei einfährt, ist es doch nicht der Richtige. Alles wirkt etwas chaotisch.

Auch Praktikant Aslan Aslan hat sich längst damit abgefunden, dass ihn wohl erst der Zug um halb zwölf nach Essen bringen wird. „Zum Glück ist mein Chef auch gleichzeitig mein Onkel.“ Deswegen braucht Aslan keine Verspätungs-Bescheinigung der Bahn.

Diejenigen, die keine Lust hatten zu warten, stiegen Donnerstag Morgen einfach ins Taxi. Mesut Korkmaz, Inhaber von Taxi Korkmaz, hatte morgens zwischen sechs und acht Uhr doppelt so viele Fahrten wir sonst. „Die meisten davon gingen nach Dortmund“, erzählt Korkmaz.

Auf dem Bahngleis hat sich immer noch nichts getan. Mine wippt von einem Bein aufs andere - „es ist schon ziemlich kalt“.

„Eine Bombe müsste man unter die Bahn werfen“, grummelt einer der wenigen Wartenden und läuft weiter das Bahngleis auf und ab.