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Ballett «Renku» in Hamburg uraufgeführt

Hamburg (dpa) Gewöhnlich bringt John Neumeier zur Eröffnung seines Tanzfestes am Saisonende eine neue Choreografie auf die Bühne der Hamburgischen Staatsoper. Diesmal überließ er sie zwei begabten Mitgliedern seines Ensembles.

Ballett «Renku» in Hamburg uraufgeführt

Tänzerin Lucia Solari mit Ensemblemitgliedern auf der Fotoprobe des Balletts "Renku" an der Staatsoper Hamburg. Foto: Markus Scholz

Mut und Vertrauen haben sich wirklich gelohnt: Solistin Yuka Oishi und Gruppentänzer Orkan Dann übertrafen mit ihrem gemeinsam erarbeiteten Ballett «Renku» zu Beginn der 38. Hamburger Ballett-Tage alle Erwartungen und feierten mit den exzellenten Solisten-Paaren und dem Ensemble einen großen Erfolg. Lautstarke Extra-Bravos gab es für den Geiger Robert McDuffie: Im zweiten Teil brillierte er beim für ihn komponierten 2. Violinkonzert von Philip Glass.

An diesem ungewöhnlichen Ballettabend stimmt so ziemlich alles: Die kontrastreiche Auswahl der Musik reicht von Franz Schuberts «Der Tod und das Mädchen» in Gustav Mahlers Fassung für Streichorchester, über Kammermusik von Alfred Schnittke bis zu den rasant jagenden Rhythmen des Glass-Konzerts. Die kontrastreichen Kompositionen, glänzend interpretiert von den Hamburger Philharmonikern unter Christoph Eberles Leitung, geben dem Ballett seinen musikalischen Rahmen - den formal visuellen schaffen Oishi und Dann durch die gemeinsam entworfenen, von japanischer Ästhetik inspirierten Bühnenräume und die eleganten einfarbigen Kostüme des jungen Modedesigners Michael Court in Rot, Schwarz und Weiß.

Die Choreografen erzählen, ohne einer narrativen Handlung zu folgen, im ständigen Hin und Her der Tänzer und Fluss der Szenen vom Lauf des Lebens mit erotischen Begegnungen und unerwarteten Wendungen im Spiegel der wechselnden Jahreszeiten. Sie bedienten sich beim Inszenieren einer in der japanischen Poesie üblichen Methode, bei der zwei oder mehrere Autoren an einem Gedicht schreiben.

Diese Technik der «verketteten Verse» (renku) übertrugen Oishi und Dann nach einer Idee Neumeiers auf ihr Ballett. Jeder choreografierte zehn Teile unabhängig vom anderen zur Musik und doch ergaben die Fragmente ein überzeugendes Ganzes. Witzige Einfälle und unerwartete Alltagsgesten brechen das neoklassische Bewegungsvokabular. So schlittern die Tänzer über die Bühne, schütteln sich gegenseitig die Hände, lassen Partner stehen oder gehen lässig ab. Mal treten sie in Spitzenschuhen auf, dann barfuß.

Es gibt auch komplizierte Hebungen und virtuose Soli, wie das von Lloyd Riggins zu Schuberts Presto. Er verkörpert eine Art Todesfigur, umgarnt Silvia Azzoni und bildet mit ihr ein zentrales Paar. Auch Hélène Bouchet und Carsten Jung mischen in den Partnerwechseln mit, Patricia Tichy und Edvin Revazov geben sich dagegen cool und trumpfen nach der Pause als rotes Kranichpaar auf: denn nicht nur die Beziehungen zwischen Menschen, auch die zwischen ihnen und der Natur und Tierwelt ist gestört.

Die 38. Ballett-Tage dauern noch bis zum 1. Juli und bieten neben Neumeiers Balletten aus dem Repertoire auch ein Gastspiel des San Francisco Balletts.

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