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Bastian Pastewka und Michael Gantenberg boten sagenhafte Lesung

Zeltfestival Ruhr

WITTEN Aus der Lesung „Neuerscheinung“ wurde am Sonntagabend beim Zeltfestival Ruhr eine sagenhafte Neuentdeckung. Das, was Autor Michael Gantenberg und sein Lesemitstreiter TV-Comedian Bastian Pastewka den rund 400 Zuschauern boten, hatte mit einer normalen Lesung nichts, aber gar nichts gemein. Und das war gut so.

von Von Dietmar Bock

, 31.08.2009
Bastian Pastewka und Michael Gantenberg boten sagenhafte Lesung

Bastian Pastewka sorgte beim Zeltfestival am Sonntag für viel Situationskomik.

Nach kurzem Warm-Up und der Klärung diverser Befindlichkeiten stiegen die beiden so unterschiedlichen Protagonisten in die Textarbeit ein. Und die war einzigartig komisch. Was nicht nur am Buch, sondern vor allem an seinen Rezitatoren lag. Der Stoff, den der Schriftsteller darbot, barg schon jede Menge Komik in sich. Immerhin schrieb ein Lokalredakteur eine kirchenkritische Fortsetzungsgeschichte mit dem Titel „Die Messias“.

Titelfigur war die erfundene Zwillingsschwester von Jesus, die aus ihrem Leben im Schatten des ach so bekannten Bruders erzählte. Dass die Kirchen dagegen Sturm liefen, versteht sich von selbst. Dass die Frau des Redakteurs streng gläubig und in der Kirchengemeinde aktiv war, verstärkte die Irrungen und Wirrungen, in die sich der unter Pseudonym schreibende Autor begab, zusätzlich. Doch nicht nur die Handelnden im Buch, sondern auch die Vorleser auf der Bühne sorgten für viele Irrungen und Verwirrungen und mithin für jede Menge Situationskomik.

Wie komisch die sein kann, wenn ein Bastian Pastewka mitmischt, kann man erahnen. Wenn man diesen mimisch perfekten Grimassenschneider live erlebt, hat dies eine noch tausendfach stärkere Wirkung. Pastewka liest nicht nur, nein, er spielt die Rollen, gibt den Charakteren ein Gesicht und irrwitzig viele Gesten. Beides brachte den Erfinder der Figuren immer wieder aus dem Konzept, gar aus der Fassung.

So konnte Michael Gantenberg ob der ausgezeichneten Mimik und Gestik seines Tischnachbarn stellenweise nicht weiterlesen, weil ihn die Komik übermannte. Der TV-Profi indes setzte stets einen drauf, nutzte die „Aussetzer“ seines Partners für den nächsten Gag. „Das war unser erste Hänger“, so Pastewka, „und Sie waren live dabei“, überspielte er selbst eingefädelte Pannen galant. Den streckenweise orientierungslos wirkenden Gantenberg („Wo steht das“) schockte Pastewka immer ’mal wieder mit „hab‘ ich erfunden“. Der Autor, der den Zuhörern ein ums andere Mal empfahl „lesen Sie es nach“, konterte ab und an mit Sprüchen wie: „Unser kleiner Leseschreibschwächler hat da wohl nicht aufgepasst“.

Das Publikum dieser einmaligen „Lesung“ passte sehr genau auf. Ihm entging keine der sehenswerten Grimassen, keine der ausdrucksstarken Gesten und kein Gag des glänzend aufgelegten Comedy-Könners und seines oftmals verdutzten Partners. Die „Neuerscheinung“ avancierte so zur Neuentdeckung des Jahres.