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Beiersdorf-Chef Heidenreich geht nach erfolgreicher Amtszeit

Wenn der Chef eines Dax-Unternehmens im besten Manager-Alter die Segel streicht, steckt oft ein Skandal dahinter oder die Aktionäre sind mit der Leistung nicht zufrieden. Beim angekündigten Abschied des Beiersdorf-Chefs ist es wohl anders.

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Hamburg

, 21.06.2018
Beiersdorf-Chef Heidenreich geht nach erfolgreicher Amtszeit

Stefan F. Heidenreich, Vorstandsvorsitzender der Beiersdorf AG. Foto: Lukas Schulze

Der Chef des Nivea-Konzerns Beiersdorf, Stefan F. Heidenreich, wird spätestens zum Ende des kommenden Jahres aus dem Unternehmen ausscheiden.

Er habe sich freundschaftlich mit dem Aufsichtsrat verständigt, seinen bis dahin laufenden Vertrag nicht zu verlängern, teilte das Unternehmen in Hamburg mit. Falls der Aufsichtsrat einen Nachfolger bestelle, werde er sein Amt bereits zu einem früheren Zeitpunkt zur Verfügung stellen. An der Börse kam die Nachricht nicht gut an. Die Aktie des Dax-Konzerns verlor bis zum Nachmittag 4,9 Prozent.

Der 55-jährige Heidenreich führt Beiersdorf seit April 2012 als Vorstandsvorsitzender. Dabei fokussierte er das Unternehmen zunächst auf die Weltmarke Nivea und stärkte gleichzeitig die Kosmetik-Marken in der zweiten Reihe wie die Luxusmarke La Prairie oder die Apotheken-Marke Eucerin. Heidenreich setzte auf innovative Produkte und klare Marketing-Botschaften. Beiersdorf ist eine vergleichsweise kleine unter den großen Kosmetik-Marken und steht unter starkem Wettbewerbsdruck. Heidenreich gelang es dennoch, die Marktanteile gegen Konkurrenten wie L'Oreal, Unilever oder Procter & Gamble auszubauen.

Beiersdorf investierte auch kräftig am Heimatstandort Hamburg, wo der Konzern als einzige Aktiengesellschaft in der obersten deutschen Börsenliga spielt. Die Tochtergesellschaft Tesa, die überwiegend als Zulieferer für verschiedene Industriebranchen aktiv ist, erhielt eine neue Unternehmenszentrale am Hamburger Stadtrand. Die Beiersdorf-Zentrale mitten in einem beliebten zentrumsnahen Wohngebiet wird bis 2021 neu errichtet, für 250 Millionen Euro.

Erst im März bei der Vorlage der Jahresbilanz hatte Heidenreich einen neuen Umsatzrekord präsentieren können. Der Wert des Unternehmens hat sich in den sieben Jahren seiner Amtszeit mehr als verdoppelt.

Beiersdorf versuchte denn auch, den Eindruck eines Zerwürfnises zwischen Heidenreich und der Hamburger Milliardärsfamilie Herz zu zerstreuen, die bei Beiersdorf das Sagen hat. Das Verhältnis von Michael Herz und Heidenreich sei seit Beginn der Zusammenarbeit sehr gut, sagte eine Sprecherin. Die Jahre bei Beiersdorf seien für Heidenreich sehr erfolgreich verlaufen, aber auch sehr fordernd. Der Manager habe sich nach reiflicher Überlegung für diesen Schritt entschieden, um auch anderen Dingen wieder Priorität einräumen zu können.

Heidenreich, der aus Norddeutschland stammt und auch als Sportler Erfolge feierte, war vom schweizerischen Lebensmittelkonzern Hero zu Beiersdorf gekommen. An seinen öffentlichen Verpflichtungen als Vorstandschef einer Aktiengesellschaft schien er zunächst eher wenig Freude zu haben; eine Bilanz-Pressekonferenz konnte einschließlich Fragen schon mal weniger als eine halbe Stunde dauern.

Kritik aus dem Kreis der freien Aktionäre gab es immer wieder an der Ausschüttungspolitik des Unternehmens, weil die Dividende trotz steigender Gewinne seit fast zehn Jahren wie festgenagelt bei 70 Cent je Aktie liegt. Doch das hat nicht Heidenreich zu verantworten. Die Dividende legt letztlich die Familie Herz fest. Im Ergebnis ist Beiersdorf schuldenfrei und verfügt über eine Kriegskasse von vier Milliarden Euro, so dass auch größere Unternehmenszukäufe zu stemmen wären. Doch das wird wohl die Aufgabe von Heidenreichs Nachfolger.

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