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Beim gemeinsamen Kochen lernen Kinder mit Genuss

Geschmackschule

Sie will nicht belehren, sie will nicht unterrichten. In der Geschmackschule lernen Kinder kochen, mit Freude am Genuss. Seit über zehn Jahren schmeckt das Konzept von Frank Rothe.

dortmund

von Nicole Giese

, 29.06.2018
Beim gemeinsamen Kochen lernen Kinder mit Genuss

Sorgen für ein leckeres Essen (v.l.): Mohamed, Frank Rothe, Saadet Keskin und Karwam schnippeln und brutzeln gemeinsam. © © Schaper

Routiniert schneidet Mohamed die Kartoffeln klein, klaut nebenher eine Cocktailtomate und lässt sich von Karwam noch ein Stück Käse reichen. Die beiden elf- und zehnjährigen Jungs sind in der Küche schon echte Profis. Seit einem Jahr kochen sie regelmäßig mit der Geschmackschule.

Gegründet hat den gemeinnützigen Verein vor über zehn Jahren Frank Rothe. Eine wachsende Zahl übergewichtiger Kinder, keine Hauswirtschaftslehre mehr in den Schulen, das waren und sind Entwicklungen, die der leidenschaftliche Koch und Ernährungsexperte angehen wollte. „Lustvolles Lernen“ nennt der Dortmunder seine Methode – die Kindern mit Genuss, Neugier und Freude am Zubereiten zeigt, dass gesunde Ernährung Spaß machen kann.

„Gesundheitspredigten kommen nicht an“

„Gesundheitspredigten kommen nicht an“, sagt Rothe. Deshalb gibt es natürlich auch Burger und Pizza – aber eben mit den richtigen Zutaten. Vollkornbrötchen und frischer Salat, zum Beispiel. Den Vergleich mit Fast-Food-Läden müssen die selbstgekochten Varianten nicht scheuen. „Und sind sogar günstiger“, betont der Hobbykoch. Hauptsache ist aber, dass es den Kindern und Jugendlichen schmeckt. „Kinder essen gern frisches Obst und Gemüse, das wird oft unterschätzt“, sagt Rothe. Und wenn sie es selbst zubereiten, schmecken auch Shrimps mit Kokospanade oder Spargel.

Heute kochen Mohamed und Karwam gemeinsam mit Mitarbeiterin Saadet Keskin aus der Juki Münsterstraße eine überbackene Gemüse-Geflügel-Pfanne. Zutaten schälen, klein schneiden, Fleisch und Paprika anbraten, Soße anrühren, Käse reiben – und dann ab in den Ofen. Dienstags kochen die Jungen, donnerstags die Mädchen. Gegessen wird im Anschluss mit rund 15 Kindern im Kinder- und Jugendtreff.

Ausflüge zum Himbeeren-Pflücken gehören dazu

Frank Rothe nennt gleich mehrere Gründe, warum das Kochen so viel mehr ist als reine Essenszubereitung. Geschult werden motorische Fähigkeiten, die Arbeit im Team, soziale Kompetenzen beim gemeinsamen Mahl am Tisch. „Kochen ist sinnlich und erfolgsorientiert“, sagt Frank Rothe. Gerade auffälligen Kindern komme das sehr entgegen. Dazu kommen Ausflüge zum Himbeeren-Pflücken oder ein Besuch auf dem Bio-Bauernhof: Auch solche Erlebnisse gehören zum Konzept.

Angebote für benachteiligte Kinder kostenlos

Neben der Koch-AG in der Juki Münsterstraße ist die Geschmackschule seit mehr als fünf Jahren in der mehrfach ausgezeichneten Grundschule Kleine Kielstraße in der Nordstadt im Einsatz – in Kooperation mit der dortigen OGS. Die Angebote für benachteiligte Kinder sind kostenlos, Geld für Lebensmittel, Kochutensilien und Ausflüge wird immer gebraucht. Der Verein ist auf Spenden und Preisgelder angewiesen. Unter anderem ist die Geschmackschule Preisträgerin des Projekts „Soziale Stadt“ der PSD-Bank.

Für Mohamed ist das nicht wichtig. Wer wissen will, was er am Kochen am besten findet, bekommt eine ganz einleuchtende Antwort: „Das Essen“, sagt der Elfjährige schlicht.

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