Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Bester Schmickler aller Zeiten

WITTEN Dass Wilfried Schmickler zur Elite der deutschen Kabarettisten gehört, ist bekannt und sorgte Freitagabend für den erwartet ausverkauften WerkStadt-Saal mit restlos begeisterten Zuschauern. Doch Freitag gab es den besten Schmickler aller Zeiten.

von Von Dietmar Bock

, 14.10.2007
Bester Schmickler aller Zeiten

Der "beste Schmickler aller Zeiten" war in Witten.

Mehrfacher Minuten langer Applaus begleiteten den diesjährigen Gewinner der angesehensten Kabarett-Auszeichnung „Prix Pantheon“ über zwei kurzweilige Stunden. Das, was der Kölner mit seinem neuen Programm „Zum Dritten“ in Witten bot, war Extra-Klasse und wird nur schwer zu überbieten sein. Schmickler, der die „theologischen Faxen so ´was von dick hat“ und „die öffentlichen Kassen so leer wie das Hirn von Hubert Heil“ sieht, kritisiert „die Haushaltsauflösung des deutschen Sozialstaates“. Da lautet „das Gebot der Stunde: Privatisierung statt Renovierung“. Korrupten Gewerkschaftsfunktionären wünscht er ein „One-Way-Ticket an die Copa Cobana mit freiem Zugang zu allen VW-Golf-Anlagen“.     

 Die Politik der „Großen Kollaboration“ ist für die WDR-„Mitternachtsspitze“ ein „Kuhhandel, bei dem gefeilscht und getrickst wird, was das Zeug hält“. Und dabei halten „150 % der Deutschen Angela Merkel für die beste Kanzlerin, die Deutschland je hatte. Dabei trauen sie der von ihr geführten Regierung gar nichts zu“.  „Merkels wahre Größe“ stellt Schmickler anhand des offiziellen Regierungsfotos per Dia-Einblendung dar: Die Kanzlerin als kaum sichtbarer Gnom. Die Politiker aller Couleur dürfen sich des Spotts sicher sein, wie auch SPD-Fraktionsvorsitzender „Ruck-Zuck-Struck“, der als Domina ins Bild rückt. „NPD steht für Nieten, Penner, Doofköppe“, erklärt der diesmal ausgiebig singende Kabarettist. So gibt er auch NPD-Mitglied Holger Apfel unter dem Motto „Doofe haben wir genug“ ein A....-Gesicht – auf dem auf der Leinwand eingeblendeten Hinterteil. 

Schmickler wendet sich ferner gegen den Überwachungsstaat („Beckstein, Beckstein, alles muss versteckt sein“), die skurrile Diskussion um die geplante Moschee in Köln und tritt für mehr Kinder ein, denn: „Bei 1,3 Kindern pro Frau gibt es bald nur noch die Großfamilie Beckenbauer“. Auch die Klimakatastrophe lässt den schnell sprechenden Rheinländer, der bei seiner rasanten Reim-Rallye „Wir sind wir“ allen davon rast, nicht kalt: „Dauert der April auch das ganze Jahr – sorge Dich nicht, wenn der Regen fällt“ und: „Bei steigendem Wasser bekommt das Lied ´Ohne Holland fahr´n wir zur WM` eine ganz andere Bedeutung“. Auf den Hund gekommen Gar nicht „geil“ findet er den Verfall der deutschen Sprache: „Wer seine eigene Sprache auf den Hund kommen lässt, darf sich nicht wundern, wenn er bald selbst vor´m Fressnapf liegt“.  Hier trifft der im Zeichen des Schützen geborene ebenso ins Schwarze wie bei den stets auf den Bildschirmen präsenten Koch-Sendungen („Als müsste die Kartoffel gar geredet werden“) mit den „Drei-Sterne-Pommesbuden-Hilfsköchen“ oder die Bücher-Autorin Herman („Prinzip Eva – der eine sieht braun, der andere schwarz“) sowie dem Fleischskandal („Es ist nicht alles Fleisch, was stinkt“).  Und wo es sonst noch stinkt, ist jedem, der diesen überragenden Auftritt des bestens aufgelegten Wilfried Schmickler in der WerkStadt gesehen hat, klar.