Betrunkene Pflegehelferin gibt Senior falsche Schmerzmittel

Tödlicher Fehler

Angehörige eines dementen Seniorenpaars engagieren eine Pflegehelferin (32). Ein paar Tage später ist der 87-jährige Senior tot. Die 32-Jährige steht jetzt vor Gericht - und gesteht.

Duisburg

, 13.11.2018, 14:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die angeklagte Pflegehelferin weinte im Gerichtssaal.

Die angeklagte Pflegehelferin weinte im Gerichtssaal. © Jörn Hartwich

Die Tat ist unfassbar. Die angeklagte Pflegehelferin hat am Dienstag vor dem Duisburger Schwurgericht zugegeben, dem 87-jährigen Rentner und dessen fünf Jahre jüngerer Ehefrau ihr eigenes opiumhaltiges Schmerzmittel verabreicht zu haben. Beide waren daraufhin gestürzt – der Mann ist einen Tag später gestorben.

„Ich weiß, dass ich etwas falsch gemacht habe“, sagte die ungelernte Altenpflegehelferin den Richtern am Duisburger Schwurgericht. „Ich habe meine Strafe verdient.“

Die Angeklagte war im Dezember 2016 über eine Pflegagentur in den Haushalt der in Dinslaken lebenden Senioren geschickt worden. Die Kinder des Paares, die sich sonst um die Pflege gekümmert haben, waren in Urlaub gefahren. Vier Tage später war der 87-Jährige tot.

Helferin trank 12 Flaschen Wein in vier Tagen

„Ich schäme mich“, sage die 32-Jährige zum Prozessauftakt. „Ich komme nicht damit klar, dass ich das war.“ Sie habe doch nur in bester Absicht gehandelt. Sie habe den Eheleuten gesagt, dass ihr das Medikament nach einem schweren Unfall geholfen habe und dass es auch ihnen helfen könne. „Warum sollte ich einem kranken Mann denn etwas antun?“, fragte die 32-Jährige die Richter unter Tränen.

Die Angeklagte war 2015 betrunken aus dem Fenster eines Hotels gestürzt und hatte sich schwerste Verletzungen zugezogen. Um die Schmerzen in Beinen und Hüften zu lindern, war ihr das Schmerzmittel Tramadol verschrieben worden, das sie in der Folge in Übermengen genommen haben soll – zusammen mit viel Alkohol. Auch zur Tatzeit.

Im Haus der Senioren waren später zwölf leere Flaschen Wein gefunden worden, die die Angeklagte in vier Tagen getrunken hatte. „Ich weiß nicht mehr genau, was passiert ist“, sagte sie den Richtern. Wenn sie einmal anfange zu trinken, könne sie nicht mehr aufhören. „Der Opa war eigentlich immer ganz nett.“

Ihre Aufgabe sei es gewesen, den Rentnern, die beide unter Demenz sowie Herz- und Atemproblemen litten, beim Ankleiden zu helfen, sie mit Essen zu versorgen und ihnen die vom Arzt verordneten Medikamente zu geben.

Verschriebene Medikamente nicht gegeben

Vor allem bei der Medikamentengabe hatte es aber wohl große Unregelmäßigkeiten gegeben. Stattdessen waren im Blut beider Eheleute später große Mengen Tramadol gefunden worden, das ihnen nicht verschrieben worden war.

Nach dem Sturz der Senioren hatte die Angeklagte selbst den Krankenwagen gerufen. Für den 87-Jährigen kam jedoch jede Hilfe zu spät. Nach seinem Tod hatte die 32-Jährige noch rund fünf weitere Vertretungs-Pflegestellen angenommen. Im März 2018 war sie schließlich festgenommen worden und sitzt seitdem in U-Haft.

Die 32-Jährige wurde in Polen geboren, hat dort eine Ausbildung zur Friseurin absolviert. Nach ihren Angaben wurde ihr Leben allerdings vor allem durch Alkoholmissbrauch bestimmt. Eine Aus- oder Fortbildung zur Kranken- oder Altenpflegerin hat sie nie absolviert.

Die Richter am Duisburger Schwurgericht haben zunächst noch sechs Verhandlungstage bis zum 30. Januar 2019 vorgesehen. Der Angeklagten droht lebenslange Haft.

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