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Betrunkener Lehrer tanzte auf dem Tisch

WITTEN Dass Jugendliche auf Klassenfahrten schon mal gehörig auf den Putz hauen, unter anderem was den Alkoholkonsum angeht, ist nicht neu. Anders sieht die Sache aus, tanzt ein Lehrer bei einer Klassenfahrt betrunken auf dem Tisch.

von Von Beatrice Haddenhorst-Tata

, 22.10.2007

Zehntklässler einer Wittener Realschule erlebten dies bei ihrer Abschlussfahrt im letzten Winter. Doch der Tanz des Lehrers allein war es nicht, der Eltern von zwei Schülerinnen wenige Tage später veranlasste, Anzeige zu erstatten.

„Im Laufe des Abends hat der Mann verschiedene Schülerinnen und auch Schüler an den Po, die Brust und in den Schritt gefasst. Letztlich war er so betrunken, dass er von Kollegen weggetragen wurde“, erklärte Staatsanwalt Reinhard Rolfes, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Hagen auf Anfrage der RN.

Schülerinnen zum Tanz aufgefordert

Eine der Schülerinnen, deren Eltern zur Polizei gingen, wurde von dem angesäuselten Lehrer aufgefordert, mit ihm auf dem Tisch zu tanzen. Als sie dies ablehnte und zurückwich, versuchte er sie erst am T-Shirt und dann am Bein festzuhalten, worauf das Mädchen zu Fall kam. Am nächsten Tag schon gab er an, sich an nichts mehr erinnern zu können.

Dieser Tage nun wurden die Eltern von der Hagener Staatsanwaltschaft darüber informiert, dass das Verfahren gegen den Lehrer wegen tätlicher Beleidigung eingestellt werden soll: Gegen Zahlung von 1500 € an die Staatskasse und weitere 2000 € an eine gemeinnützige Einrichtung. „Der Lehrer ist bisher nie strafrechtlich in Erscheinung getreten.

Bußgeld in Höhe eines Monatslohnes

Er hat den Vorfall sehr bedauert und sich vor der Klasse entschuldigt. Wir haben viele Schüler vernommen und die meisten haben sein Verhalten gar nicht so ernst genommen. Die Tat war nicht geplant und es war auch kein Mißbrauch Schutzbefohlener. Ein Bußgeld in Höhe eines Monatsgehaltes ist da angemessen“, erläutert dazu Staatsanwalt Rolfes.

Doch diese Folge der Anzeige ist es gar nicht, die die Eltern irritiert. Sie wundern sich vielmehr, dass der Lehrer wieder unterrichten durfte, bevor die Staatsanwaltschaft das Verfahren abgeschlossen hatte, bevor die Entscheidung über ein mögliches Nachspiel vor Gericht gefallen war. Seit der Klassenfahrt unterrichtete der Lehrer nicht mehr an der Wittener Realschule. Er hatte einen Krankenschein.

Bereits vor Urteil wieder Arbeit aufgenommen - an anderer Schule

Doch nach den Sommerferien, so erfuhren die Eltern, hat er den Dienst an einer anderen Schule wieder angetreten. Dass der Lehrer wieder im Dienst ist, bestätigt auch Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung in Arnsberg: „Da es sich hier um eine Personalie handelt, kann man dazu wenig sagen. Es wurden aber arbeitsrechtlich Schritte unternommen.“ Welche Schritte, wollte Söbbeler jedoch nicht offenbaren.

Von der Einstellung des Verfahrens gegen Geldbuße, wusste man in Arnsberg gestern noch nichts. Man wolle sich jedoch noch mal mit der Sache des angestellten und nicht verbeamteten Lehrers befassen, wenn man die Bewertung der Staatsanwaltschaft kenne.