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Übergriffe an Silvester in Köln

Bewährungsstrafe für erste Angeklagte der Silvesternacht

Köln Acht Wochen nach der Kölner Silvesternacht sind die ersten Täter verurteilt worden - zu Bewährungsstrafen. Denn es ging nicht um sexuelle Übergriffe, sondern um Diebstahl. Die Angeklagten waren Nordafrikaner. Doch einem Flüchtling wurde auch gedankt.

Bewährungsstrafe für erste Angeklagte der Silvesternacht

Die ersten Prozesse im Zusammenhang mit der Kölner Silvesternacht sind eröffnet worden. Die zwei Angeklagten stehen wegen Diebstahls vor Gericht.

In den ersten beiden Prozessen zur Kölner Silvesternacht sind nordafrikanische Asylbewerber zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. In beiden Fällen ging es am Mittwoch um Diebstahl, nicht um sexuelle Übergriffe.

Ein 23 Jahre alter Marokkaner erhielt für den Diebstahl eines Handys sechs Monate zur Bewährung und eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen (100 Euro). In einem zweiten Verfahren wurde ein 22 Jahre alter Tunesier wegen Diebstahls einer Kamera zu drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Auch bei seinem 18 Jahre alten Komplizen aus Marokko gab es einen Schuldspruch, doch gilt für ihn noch das Jugendstrafrecht. Er muss sich nun zwei Jahre bewähren. Das Gericht entschied nicht über den Fortgang der Asylverfahren der drei Angeklagten. 

"Ein einfacher Diebstahl"

Auffällig war, dass die beiden Richter den Kontext der Taten unterschiedlich gewichteten. Während Richter Amand Scholl ausdrücklich auf die verstörenden Folgen der Silvesternacht hinwies, betonte im zweiten Verfahren die Richterin Julia Roß mehrfach: „Es ist und bleibt ein einfacher Diebstahl.“ Dies sei keine gravierende Straftat. Dass sie in der Silvesternacht begangen worden sei, dürfe vor Gericht keine Rolle spielen. Meist wird ein Diebstahl bei Angeklagten, die noch nicht vorbestraft sind, mit einer Geldstrafe geahndet.

Der Marokkaner hatte in der Silvesternacht einer Frau auf dem Bahnhofsvorplatz das Handy aus der Hand gerissen, als sie gerade dabei war, den Kölner Dom zu fotografieren. Die 20-Jährige, die in der Verhandlung am Mittwoch als Zeugin aussagte, hatte selbst nicht gesehen, wer der Täter gewesen war. Ein afghanischer Flüchtling, der die Tat beobachtet hatte, klärte sie aber auf. Sie verfolgte den Dieb daraufhin über den Bahnhofsvorplatz. Als ihm jemand ein Bein stellte und er fiel, holte sie ihn ein, und er gab ihr selbst das Handy zurück. Danach wurde er sofort festgenommen. Bei seiner Durchsuchung fand die Polizei in seiner linken Socke 0,1 Gramm Amphetamin.

Entschuldigung angenommen

Florian Storz, der Anwalt des Angeklagten, sagte zu dem Afghanen, der als Zeuge erschienen war: „Ich finde es sehr schön, dass ausgerechnet Sie als Afghane der Zeugin geholfen haben, das Handy von meinem marokkanischen Mandanten zurückzuholen. Ich danke Ihnen.“ 

In der Verhandlung entschuldigte sich der Angeklagte bei der 20-Jährigen, die aus Sulz in Baden-Württemberg nach Köln gekommen war, um dort mit Freundinnen Silvester zu feiern. Die junge Frau nahm die Entschuldigung ausdrücklich an.

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In der Silvesternacht war es in Köln massenhaft zu Straftaten gekommen. Entsetzen hatten vor allem die sexuellen Übergriffe auf Frauen ausgelöst. Sie sollen von Männern umzingelt, bedrängt und bestohlen worden sein. Es wurden auch Vergewaltigungen angezeigt. 

von dpa

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