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Bewundert und belächelt: Peter Sloterdijk wird 65

Karlsruhe (dpa) Peter Sloterdijk passt in kein Schema. Er ist sowohl Philosoph als auch Schriftsteller, ein globaler Denker mit Sitz im Juristenstädtchen Karlsruhe, Kritiker der zynischen Vernunft mit eigener Fernsehshow und Rektorenstatus an der Hochschule für Gestaltung (HfG).

Bewundert und belächelt: Peter Sloterdijk wird 65

Der Philosoph Peter Sloterdijk wird 65. Foto: Christian Charisius

Am 26. Juni feiert der Badener mit holländischen Wurzeln seinen 65. Geburtstag. Für ihn ist das kein «Vorkommnis», zu dem er Stellung beziehen will, lässt er ausrichten.

Er ist damit beschäftigt, seine Tagebücher der vergangenen Jahre herauszugeben. «Zeilen und Tage» - wie fast immer bei Sloterdijk ausufernde 640 Seiten stark - sollen im August erscheinen. Vielleicht lässt sich in einer weiteren Ausgabe in einigen Jahren nachlesen, wie es ihm mit dem Älterwerden ergangen ist.

Sein 65. Lebensjahr verlief bislang durchwachsen. Das ZDF setzte nach zehn Jahren Laufzeit die Sendung «Das philosophische Quartett» ab, die im Schnitt knapp 500 000 Zuschauer zählte. Als stillos empfand der Denker den Rausschmiss, und in der Wochenzeitung «Die Zeit» ätzte er gegen seinen telegenen Nachfolger Richard David Precht («Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?»): «Seine Klientel gleicht eher der von André Rieu, den hören auch vor allem Damen über fünfzig in spätidealistischer Stimmung.»

Auf der anderen Seite hat die baden-württembergische Landesregierung kurz vor dem Festtag Sloterdijks Vertrag als Rektor der HfG um weitere drei Jahre verlängert. Die kleine Universität in seiner Heimatstadt Karlsruhe kann nun weiterhin mit dem bekannten Namen werben, auch wenn der Philosoph selbst wegen seiner vielen Verpflichtungen nicht all zu häufig gesehen wird.

Ansonsten hat Sloterdijk in den vergangenen Monaten die gesamte Bandbreite seines Schaffens gezeigt: Für die Bayerische Staatsoper hat er ein Libretto für die Oper «Babylon» geschrieben - als «Ehrenrettung» für die oft geschmähte Stadt. Zudem hat er seine Idee zur Umstellung der Zwangssteuern in eine freiwillige Abgabe weiterverfolgt. Für diese «Revolution der gebenden Hand» erntete er nicht nur Bewunderung, sondern auch manches Lächeln.

Diese Reaktion erhält Sloterdijk immer wieder, seit er 1978 zwei Jahre zum Baghwan nach Indien ging und wenig später mit der «Kritik der zynischen Vernunft» bekanntwurde. Auch sein Universalwerk, die Sphären-Trilogie, in der er auf knapp 2600 Seiten die Geschichte der Menschheit in Blasen, Globen und Schäumen darstellt, traf auf ein gespaltenes Echo. Die Abrechnung mit früheren Philosophen wurde meist goutiert, sein eigenes philosophisches Konstrukt jedoch immer wieder mit Kopfschütteln quittiert. Precht kam 2004 zu folgendem Schluss: «Sloterdijk ist ein großer Kritiker, aber ein lausiger Architekt.»

Für Peter Weibel vom Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) ist Sloterdijk ein «Denk- und Sprachereignis», den er in eine Reihe mit Nietzsche und Heidegger stellt. «Er gehört zu den Philosophen, die mit Sprache die Welt konstruieren.» Leider zähle Sloterdijk nur wenig im eigenen Land, während er in Frankreich oder den USA gefeiert werde.

Laut Weibel plant Sloterdijk die Einrichtung eines Institut für psychopolitische Forschungen. Dort wolle er ergründen, welchen Regeln jenseits rationaler Überlegungen die Politik folgt. «Ich wünsche ihm, dass er dieses Vorhaben noch umsetzen kann.»

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