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Biobrausekrieg: Nachahmer greifen Bionade an

Berlin (dpa) «Eine Cola würde ihren Kindern Bionade zu trinken geben» oder «Von führenden US-Getränkeherstellern nicht empfohlen.» Mit diesen Werbebotschaften zieht gegenwärtig die «Kultlimo» Bionade gegen ihre Konkurrenz zu Felde.

Biobrausekrieg: Nachahmer greifen Bionade an

Die Ökolimonade Bionade löste quasi einen Bio-Wellnessboom aus - davon will auch die Konkurrenz profitieren. (Bild: dpa)

Seit ihrer erfolgreichen Markteinführung vor gut zehn Jahren muss sie sich immer mehr gegen ähnlich sprudelnde Ideen behaupten. Mit BioZisch, Aloha, Beo oder Sinconada versuchen auch andere Softdrinkhersteller in einem sonst rückläufigen Markt auf den Ökozug aufzuspringen. Seit jüngstem tummelt sich auch Coca-Cola in diesem Segment. Mit der zuckerarmen «Spirit of Georgia» brachte der weltgrößte Getränkekonzern im Sommer erstmals seit Fanta wieder ein Produkt speziell nur für den deutschen Markt heraus. Die Amerikaner hatten vor zwei Jahren vergeblich versucht, Bionade aufzukaufen.

«Bionade löste quasi den Bio-Wellnessboom aus, nachdem in den klassischen Segmenten immer weniger Geld verdient wird», heißt es bei der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke in Berlin. Gemessen an Umsatz und Menge nehme sich der Anteil der Biogetränke am Gesamtmarkt noch gering aus, verzeichne aber hohes Wachstum. So lag der Umsatzanteil im vergangenen Jahr zwar bei nur 1,1 Prozent aller nichtalkoholischen Getränke. Im Vergleich zu 2006 verdoppelte er sich allerdings. Insgesamt wurden 2007 rund 53 Millionen Liter Biogetränke verkauft und damit gut 79 Millionen Euro umgesetzt. «Das ist schon lange kein Strohfeuer mehr», betont Branchensprecher Tim Beerens.

Nach dem schnellen Erfolg von Bionade aus dem fränkischen Ostheim vor der Rhön stellten große Lebensmittelketten und Discounter plötzlich Ökolimos in ihre Regale, die sie zum Teil speziell produzieren ließen. Auch Brauereien versuchen mit dem Zeitgeist zu gehen. So brachte Carlsberg beispielsweise im Juni den Biosprudel Beo auf den Markt. Die meisten Anbieter machen mit ähnlich poppigen Labels wie der bayerische Marktführer auf und versprechen mit innovativen Geschmacksrichtungen und geringem Zuckeranteil gesunden Genuss. Gegen einige Plagiate zogen die Bayern, die in diesem Jahr bis zu 250 Millionen Flaschen in Deutschland und Europa verkaufen wollen, aber vor Gericht.

Prozesse führte der aus der kleinen Familienbrauerei «Peter Bräu» hervorgegangene Softdrinkhersteller gegen die Sinconade der Hövelmanngruppe (Sinalco, Rheinfels), gegen die für den Discounter Plus produzierte Maltonade vom Frankfurter Brauhaus in Brandenburg und gegen Bios der Nordmanngruppe in Stralsund. «Wir wehren uns immer dann, wenn eine gezielte Verwechslung mit unserem Produkt angestrebt wird», betont Bionadechef Peter Kowalsky. Gegen Sinconade und Maltonade konnte er sich juristisch behaupten: Maltonade wurde von Plus wieder aus dem Sortiment genommen. Hövelmann musste den Namen seiner Biolimo in Sinconada abwandeln. «Wir wollten keine längere Auseinandersetzung», sagt Hövelmann-Sprecher Thomas Münzer.

Eine Niederlage musste Kowalsky gegen die Nordmanngruppe einstecken. Die Stralsunder setzten Ende Juli vor Gericht durch, dass die Franken auf ihren Limonaden nicht mehr mit dem Hinweis auf den hohen Kalzium- und Magnesiumgehalt werben dürfen. «Die Angst des Marktführers vor unserem Produkt können wir gar nicht verstehen», betont ein Nordmann-Sprecher. Das auf Malzbasis gebraute Bios, das erst seit Frühjahr auf dem Markt ist, habe eine ganz andere Positionierung: «Während Bionade für Kult und Lifestyle steht, sehen wir uns eher gesundheitsorientiert.»

Erste Negativschlagzeilen hatte die ansonsten von Erfolg verwöhnte Bionade schon Anfang des Jahres gemacht, als Ökotester herausfanden, dass der Zuckergehalt in der fränkischen Biolimo höher ist als angegeben. Auch dagegen zog Kowalsky vor Gericht und verwies auf Fehler in der Messmethode. Eine Entscheidung steht noch aus.

Seit Anfang August vertreibt Kowalsky seine auf Ferment-Basis hergestellte Bioware auch in den USA. In zwei Jahren will er vom US-Staat Iowa aus den US-Markt bedienen. Die amerikanische Konkurrenz in Deutschland betrachtet der Franke gelassen: «Ich glaube nicht, dass Bionade-Trinker zu Georgia überwechseln.» Und auch beim auf dem Heimatmarkt schwächelnden US-Riesen Coca-Cola heißt es: «Unser neues Getränk für Deutschland ist kein Bioprodukt.» Zielgruppe seien vielmehr Erwachsene über 30, die Wert auf ihre Gesundheit legen. Immerhin habe der neue Sprudel nur halb so viele Kalorien wie die klassische Coke.

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