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Blind ermittelt - Die toten Mädchen von Wien

Berlin. Ein Polizist, der nichts sieht. Die Idee der Gemeinschaftsproduktion von ORF und ARD klingt verrückt. Trotzdem gelingt Schauspielern und Filmemachern mit „Blind ermittelt“ ein Krimi mit Tiefgang.

Blind ermittelt - Die toten Mädchen von Wien

Alexander Haller (Philipp Hochmair, M) und Nikolai Falk (Andreas Guenther, r) finden Hallers früheren Kollegen Weber tot vor. Foto: Philipp Brozsek/ARD Degeto

Ein ehemaliger Kommissar, der sich in laufende Ermittlungen einmischt - dieses Motiv ist im Kriminalfilm nicht gerade neu. Dennoch nimmt die neue Produktion „Blind ermittelt - Die toten Mädchen von Wien“ eine völlig neue Perspektive ein.

Denn der ehemalige Wiener Chefinspektor Alexander Haller, gespielt von Philipp Hochmair, hat durch einen Sprengstoffanschlag nicht nur seine Lebensgefährtin Kara und seinen Job, sondern auch sein Augenlicht verloren. Das Erste zeigt den Krimi am Samstag (5. Mai) um 20.15 Uhr.

Als der für den Anschlag verurteilte Straftäter Udo Strasser (Stipe Erceg) aus dem Gefängnis flieht, rollt Haller den alten Fall wieder auf - bewaffnet mit Sonnenbrille und Blindenstock. Natürlich braucht jeder Kommissar einen Assistenten, besonders ein blinder, und so bekommt Alexander Haller bei seinen Privatermittlungen Unterstützung von dem entlassenen Taxifahrer Nikolai Falk (Andreas Guenther) aus Berlin. Der hat Haller zu Beginn des Films in letzter Sekunde davor bewahrt, aus Trauer und Schuldgefühlen Selbstmord zu begehen.

Die Figur des schnoddrigen Assistenten, der den Frauen nachläuft und jedes Fettnäpfchen im Umgang mit einem Blinden mitnimmt („Wir sehen uns dann unten“), zerrt etwas an dem Niveau des Films.

Das ungewöhnliche Ermittler-Duo entdeckt schon bald Ungereimtheiten bei dem vermeintlich aufgeklärten Fall und kommt dabei einem brutalen Mädchenhändlerring auf die Spur. Und Haller erfährt, dass der Anschlag eigentlich gar nicht ihm selbst galt, sondern seiner Frau, der Staatsanwältin Kara Hoffmann (Anna Rot).

„Gereizt hat mich an der Figur der große Schmerz, den jemand empfinden muss, der auf einmal alles, was ihm wichtig war, verliert, vor dem Nichts steht und seine Begabung nicht mehr einsetzen kann“, sagt der Darsteller des blinden Ermittlers, Philipp Hochmair. „Das kann im Prinzip auch jedem von uns jederzeit passieren.“ Interessant sei es, wie die Figur dann aber einen Schlüssel finde, mit der neuen Situation umzugehen und sich wiederum Fähigkeiten erarbeite, die andere nicht hätten.

So macht sich Haller seinen Nachteil zum Vorteil: Kollegen und Kriminelle gleichermaßen unterschätzen den blinden Ermittler, der seine anderen Sinne geschärft hat, auch leiseste Geräusche wahrnimmt, Gerüche erschnüffelt und fliegende Fäuste erahnt. Auch auf der Tonspur versucht sich der Film in die Welt eines Blinden einzufühlen und spielt mit Geräuschen, hier das Kratzen der Nadel auf einer Platte, da ein Schritt auf einer feuchten Wiese oder ein Knacken im Gebüsch.

Vorbereitet hat sich der gebürtige Wiener und Wahlhamburger Hochmair auf die besondere Inspektor-Rolle unter anderem in der Blinden-Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ in der Hansestadt. „Das war im ersten Moment sehr ungewohnt, diese absolute Dunkelheit, auf sich selbst gestellt zu sein, der Verzicht auf alle Möglichkeiten, die einem als Sehender zur Verfügung stehen“, erinnert sich Hochmair.

„Andererseits war es für mich eine große Bereicherung, das Auge nach innen zu wenden, mich auf meine anderen Sinne zu konzentrieren und zu erleben, dass es noch viel mehr gibt, als das, was wir mit dem unseren Augen wahrnehmen.“

Der Zuschauer merkt es der Figur an, wie sehr sich Hochmair mit dem Thema beschäftigt hat, dass er blinde Menschen lange studiert, mit ihnen gesprochen und versucht hat, sich in ihre Situation einzufühlen. Damit verhilft er der etwas konstruierten wirkenden Geschichte eines blinden Ermittlers trotzdem Tiefe.

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