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Bloombergs futuristische Zentrale auf römischen Ruinen

London. Das US-Medienunternehmen Bloomberg kann sich jetzt auch mit den Federn der römischen Antike schmücken. Seine nagelneue glitzernde Europa-Zentrale im Londoner Finanzviertel steht auf römischen Ruinen.

Sieben Meter unter den pulsierenden Straßen der Londoner City können Besucher in die mysteriöse Welt des römischen Mithras-Kults eintauchen.

Das neue unterirdische Museum beherbergt die Rekonstruktion eines 1800 Jahre alten Mithras-Tempels sowie Hunderte von römischen Artefakten, die bei Ausgrabungen im Rahmen der zehnjährigen Bauarbeiten für die neue Europa-Zentrale von Bloomberg entdeckt wurden. Das „London Mithraeum Bloomberg SPACE“ wird am 14. November eröffnet.

„Wir haben als Kommunikationsunternehmen unser perfektes Zuhause gefunden“, sagte Konzernchef Michael Bloomberg unter Hinweis auf die mehr als 400 hölzernen römischen Schrifttafeln, die im Untergrund ausgegraben wurden. Eine davon - ein Schuldschein datiert auf das Jahr 57 n.Chr. -  belegt laut Bloomberg die „erste finanzielle Transaktion“ im römischen Londinium und gilt als das älteste handschriftliche Dokument Großbritanniens.

Bei den Ausgrabungen wurden insgesamt mehr als 14 000 Objekte gesichert, von denen rund 600 im Museum zu sehen sind. Dazu zählen Schmuck, Münzen, Mosaike, lederne Kinderschuhe und Fragmente von Holztüren und Treppen. Feucht-schlammige Bodenverhältnisse in  Flussnähe haben laut Chefarchäologin Sophie Jackson dafür gesorgt, dass Objekte aus Holz, Leder und Textilien nicht nur überlebten, sondern auch „außerordentlich gut“ erhalten sind. „Dies ist einer der wenigen Orte in Europa, wo man römische Geschichte hautnah erleben kann“, sagte Jackson vor der Eröffnung.

Besucher steigen über drei Etagen in den höhlenartigen Mithras-Tempel hinab. Vom Ausstellungsbereich am Eingangslevel geht es hinab in einen „interaktiven“ Raum, wo sie sich digital mit der Geschichte und den Bräuchen der ausschließlich männlichen Anhänger des Mithras-Kults vertraut machen können. Auch die Geschichte der Ausgrabung des zirka 250 Jahre n.Chr. erbauten Londoner Mithras-Tempels, auf den Archäologen erstmals zufällig in den 1950er Jahren des damals noch kriegszerstörten London gestoßen waren, wird anschaulich erklärt.

Im Tempel-Raum in der unteren Etage wird mit Hi-Tech durch Licht-und Toneffekte dafür gesorgt, dass der Besucher sich in der Welt der Anbetung römischer Götter verliert. Die Wände und Säulen des Tempels erscheinen visuell im Dunstschleier des manipulierten Lichts, Laute von Ritualen, Gelächter, Gesang und Gelagen füllen den Raum. „Wir wollten, dass der Besucher das Gefühl hat, durch eine Zeitmaschine zu gleiten, und dann seinen eigenen imaginären Dialog mit diesen Ruinen führt“, sagte Co-Designer Jake Barton.

Die rund 4000 Bloomberg-Mitarbeiter in London sollen komplett bis Jahresende in die nach neuesten baulichen und umweltfreundlichen  Vorgaben von Stararchitekt Norman Foster errichtete Zentrale umziehen. In dem Gebäude herrscht das Prinzip von Transparenz: Im Halbrund angeordnete „work stations“, runde Tische zum spontanen Austausch und Arbeitsflächen, die sich auf Knopfdruck in Stehpulte verwandeln. Und überall Ruhepunkte in Form von Kunst, Moos-Installationen, Wasserfällen und Aquarien als Merkmale der „Bloomberg-Kultur“, wie es bei einem Rundgang hieß.

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