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Bochum lagert geborgene Bestände aus Kölner Stadtarchiv

Asyl für Akten

"Mein Gott, die Kölner Kollegen - sind die alle rausgekommen?" - Dr. Ingrid Wölk kann sich noch genau erinnern, was ihr durch den Kopf schoss, als sie vom Einsturz des Historischen Archivs in Köln erfuhr, damals im März 2009. Nach der Entwarnung schritt die Leiterin des Bochumer Stadtarchivs zur Tat, bot den Kölnern ihre Hilfe an.

BOCHUM

von Von Maren Volkmann

, 12.08.2010

Ingrid Wölk spricht von der "Kölner Katastrophe", wenn sie sich an den Einsturz erinnert, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen. Der gesamte Bestand des Archivs wurde verschüttet. Eine schmerzliche Erfahrung für jeden Archivar. "Unsere Aufgabe ist es schließlich, das kulturelle Erbe zu sichern - für alle Ewigkeit." Von Sicherung konnte in Köln innerhalb von Sekunden nicht mehr gesprochen werden. Drei bis fünf Prozent des Bestands befinden sich bis heute im Unterwasserbereich, müssen noch geborgen werden.Angebot per E-Mail Nach dem Einsturz war für Ingrid Wölk sofort klar, dass sie den Kölner Kollegen unter die Arme greifen würde. "Wir Archivare sind relativ wenige, wir kennen uns alle untereinander", erzählt sie. Sofort schrieb sie Dr. Bettina Schmidt-Czaia, Leiterin des Historischen Archivs in Köln, eine E-Mail, bot Hilfe an.Kein Problem für Bochum Wenige Zeit später kam die Rückmeldung: Dringend benötigt wurden Räume, in denen die geborgenen Archivarien untergebracht werden konnten. Kein Problem für Bochum: "Wir hatten gerade unser Gebäude an der Kronenstraße aufgegeben, waren an die Wittener Straße gezogen", erinnert sich Ingrid Wölk.   "Da die alten Räume noch nicht anders genutzt wurden, konnten wir sie zur Verfügung stellen." So wurde Bochum eines von 19 Asyl-Archiven.835 Meter Archivgut Insgesamt 835 Meter Archivgut haben nach Bergung und Erstversorgung ihren Weg nach Bochum gefunden, verstaut in vielen Kartons. Was da drin ist? Keiner weiß es genau.   Meist sind es Akten und Fotos, die nun seit mehr als vier Wochen von drei bis fünf Mitarbeitern des Kölner Archivs und Ehrenamtlichen geordnet und zusammengeführt werden."Kölner Flocken" Mit Hilfe einer Bestandserfassungs-Software wird das Archivgut registriert. "Jedes einzelne Stück wird in die Hand genommen", so Karoline Meyntz vom Kölner Archiv, die das Projekt leitet. "Wenn es keine Signatur gibt, wird die Akte genau beschrieben, außerdem eine Schadensklassifikation vorgenommen". Viele Knicke, starke Verschmutzung - alles wird in eine Maske eingegeben. Manchmal sind es nur Schnipsel, genannt "Kölner Flocken", die zum Vorschein kommen. Nach der Erfassung wird das Archivgut fachgerecht verpackt und mit einem Barcode versehen. Und schon geht es zur Restauration.Arbeit bis Januar Voraussichtlich bis Januar 2011 wird die Arbeit im Asyl-Archiv Bochum noch andauert, im Schnitt werden 100 Meter pro Monat abgedeckt. "Einerseits bin ich erleichtert, dass vieles restauriert werden kann", sagt Ingrid Wölk. "Andererseits sieht man auch, wie viel Arbeit von Nöten ist - da braucht man einen langen Atem".