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Bochumer Symphoniker mit Flüchtling am Flügel

Aeham Ahmad spielt

„Hoffnungsklänge“ haben die Verantwortlichen das Konzert genannt, das die Bochumer Symphoniker am vierten Advent zugunsten der Bochumer Flüchtlingshilfe spielen. Am Klavier sitzt der arabische Pianist und Flüchtling Aeham Ahmad, der bekannt wurde, als er in Trümmern in Damaskus spielte.

BOCHUM

17.12.2015
Bochumer Symphoniker mit Flüchtling am Flügel

Der syrisch-arabische Pianist und Flüchtling Aeham Ahmad spielt mit den Bochumer Symphonikern.

Doch es geht nicht nur um Ahmad, betont Initiatorin Martina Overlöper. Er sei eine „Stellvertreterperson für viele, denen es gerade genauso geht.“ Im September war Overlöper durch einen bewegenden Zeitungsartikel auf Ahmad und sein Schicksal aufmerksam geworden.

Mit seinem Klavier spielte er auf den vollkommen zerstörten Straßen der Palästinenser-Siedlung Jarmuk bei Damaskus – und schenkte damit vor allem Kindern und Jugendlichen Hoffnung. Wenn Ahmad spielte, konnten sie für kurze Zeit den Terror und den Krieg um sie herum vergessen. „Damit leistete er fast schon Trauma-Arbeit“, sagt Overlöper. Doch im April 2015 zündete die Miliz Ahmads Piano an und drohte ihm mit dem Tod.

Im Schlauchboot geflohen

Der Familienvater musste in einem Schlauchboot über das Mittelmeer fliehen – und seine Frau und seine beiden Söhne zurücklassen. Seiner Familie gelang die Flucht bisher nicht. Sie schaffte es zwar bis an die türkische Grenze, musste jedoch wieder umkehren. Ahmads Frau schreckte vor der Überfahrt mit den gefährlichen Boten zurück. Ahmad verschlug es währenddessen weiter nach Deutschland. Zurzeit lebt er in einem Flüchtlingsheim in Hessen.

Dort fand Overlöper den jungen Musiker, nachdem sie ihn bundesweit gesucht und ihm teilweise sogar hinterher gereist war. Sofort nach ersten Gesprächen stand fest: „Wir wollten gemeinsam etwas auf die Beine stellen“, erinnert sich die Bosy-Flötistin. Und was läge für zwei Musiker näher, als dafür den Weg der Musik zu wählen – vor allem, da die Verständigung auf diesem Weg viel einfacher sei. Denn Ahmad spreche weder Deutsch noch gutes Englisch.

Dolmetscher dabei

„Wir verständigen uns mit Händen und Füßen“, schmunzelt Overlöper. Sie beeindruckt von dem jungen Mann mit der bewegenden Vergangenheit: unglaublich stark und lebensfroh sei er.

Auch davon sollen sich die Zuschauer am Sonntag überzeugen können. Denn Ahmad wird mithilfe eines Dolmetschers für ein Gespräch zur Verfügung stehen. Während des Konzerts wird er vier eigene Kompositionen präsentieren. Denn da sich ein Granatsplitter in seiner linken Hand befindet, kann er viele klassische Stücke nicht mehr spielen. „Mit 27 ist seine Karriere als Pianist eigentlich schon vorbei“, sagt Overlöper.

Dennoch hat der junge Mann seine Kraft und seine Entschlossenheit nicht verloren. Er hat sich auf das Liedermachen spezialisiert und darauf, Menschen Hoffnung zu geben – durch seine Musik.

Konzert auf Spendenbasis

Das Konzert findet am Sonntag, 20. Dezember, um 16 Uhr in der Bochumer Propsteikirche, Untere Marktstraße, statt. Die Schirmherrschaft hat der Schauspieler Dominique Horwitz übernommen. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird jedoch gebeten. Sie sind für die Unterstützung der Flüchtlingshilfe in Bochum bestimmt. Eingeladen sind auch die in Bochum untergebrachten Flüchtlinge.