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Bochumer Tafel kämpft mit Problemen

Ausgabestellen geschlossen

Die Tafel in Bochum steckt in einer Krise. Von 36 Ausgabestellen sind noch 14 übrig, der Fuhrpark ist auf zehn Wagen geschrumpft. Es sind nicht die einzigen Probleme, mit denen die Tafel zu kämpfen hat.

von Miriam Instenberg

BOCHUM

, 19.11.2014
Bochumer Tafel kämpft mit Problemen

Die Tafel in Bochum ist in der Krise. Viele Lebensmittel-Ausgabestellen mussten zusammen gelegt werden, weil nicht nur Spendengelder, sondern auch freiwillige Helfer fehlen.

Gute sieben Monate lang lief es rund an der Ausgabestelle der Tafel in Bochum-Laer: 40 Ehrenamtliche versorgten einmal die Woche etwa 15 Tafel-Kunden und deren Familien. Der Einsatz der Freiwilligen war beispiellos, die Kunden waren zufrieden. Seit vier Wochen gibt es die Tafel-Ausgabestelle in Laer nicht mehr: Sie wurde mit der Ausgabe am Ludwig-Steil-Haus in Werne zusammengelegt.

Dahinter stecken logistische und finanzielle Schwierigkeiten der Tafel, die keineswegs nur Laer betreffen. Die Tafel in Bochum ist in der Krise. Manfred Baasner führt seit 15 Jahren die Geschäfte der Wattenscheider Tafel, die in ganz Bochum Bedürftige versorgt. Mit seinem Team hat er zu Hochzeiten 36 Ausgabestellen im Stadtgebiet mit Lebensmitteln beliefert. Der Fuhrpark der Tafel umfasste einmal 14 Fahrzeuge. „Aber die Schwierigkeiten, die wir jetzt haben, zeichneten sich schon länger ab“, sagt Baasner. Aus 36 Ausgabestellen sind inzwischen 14 geworden, der Fuhrpark ist auf zehn Wagen geschrumpft.

Dafür gibt es zwei Gründe. „Spenden, die sonst regelmäßig gekommen sind, kommen nicht mehr, weil viele Spender verstorben sind“, erzählt Manfred Baasner. Außerdem fehlen Freiwillige: Früher haben bis zu 400 Ehrenamtliche in Schichtdiensten geholfen. Hinzu kamen vom Jobcenter vermittelte Ein-Euro-Kräfte, die bei der Tafel vor allem als Fahrer eingesetzt wurden. „Aber da wurden Stellen gekürzt. Und es ist schwer unter den Ehrenamtlichen mit Führerschein Leute zu finden, die zwischen 7 und 12 Uhr die Supermärkte abfahren können“, erklärt Baasner.

Als dann auch noch der Aldi-Markt als neuer Lebensmittelspender hinzukam, wurde die Situation kompliziert: Mit weniger verfügbaren Fahrern mussten plötzlich 44 zusätzliche Aldi-Märkte angefahren und die Lebensmittel anschließend gewaschen, gelagert und verteilt werden. Weil Geld fehlte, verkaufte der Tafel-Vorsitzende Autos aus dem Fuhrpark. Um den veränderten Bedingungen logistisch gerecht werden zu können, begann die Zusammenlegung von Ausgabestellen. Stephan Kosel ist einer der Freiwilligen, die mitgeholfen haben, die Tafel-Ausgabe im evangelischen Gemeindehaus in Laer aufzubauen. Für die Situation der Tafel hat er Verständnis. Trotzdem: „Natürlich herrscht bei uns große Traurigkeit, dass es jetzt keine Lebensmittelausgabe in Laer mehr gibt.“ Gerade für ältere Tafel-Kunden aus dem Stadtteil bedeute der Weg zur Ausgabestelle in Werne einen größeren Aufwand.

Auch Manfred Baasner fiel es schwer, den ehrenamtlichen Helfern in Laer mitzuteilen, dass die Tafel-Ausgabe von dort nach Werne verlagert wird. „Die Verteilung lief in Laer hervorragend, und natürlich sollten die Wege zur Tafel-Ausgabe so kurz wie möglich sein.“ Aber der Tafel-Vorsitzende betont auch, dass die Situation in Bochum im Vergleich mit anderen Städten noch immer gut ist. „Dass es in einer Stadt mehr als eine Tafel-Ausgabestelle gibt, ist fast einzigartig.“ Trotzdem: Die Tafel kann Hilfe gebrauchen – in Form von Geldspenden und freiwilliger Mitarbeit. Damit die Situation in Bochum auch weiterhin einzigartig bleibt.

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