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Boom der deutschen Wirtschaft stößt an Wachstumsgrenzen

Wiesbaden/Berlin. Die Unternehmen investieren, der Bau boomt. Dennoch wächst Europas größte Volkswirtschaft nicht mehr so stark wie im vergangenen Jahr. Geht der längsten Aufschwungphase seit 1991 die Puste aus? Dämpfer sind gleich aus mehreren Richtungen möglich.

Boom der deutschen Wirtschaft stößt an Wachstumsgrenzen

Einkaufsstraße in Köln: Bereits im vergangenen Monat hatte die Kauflaune der Deutschen einen leichten Dämpfer erhalten. Foto: Henning Kaiser/Symbolbild

Der langjährige Boom der deutschen Wirtschaft stößt allmählich an Wachstumsgrenzen. Wegen eines schwächeren Außenhandels verlor Europas größte Volkswirtschaft bereits zum Jahresbeginn 2018 an Schwung.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im ersten Quartal um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal - nur noch halb so stark wie Ende 2017, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres hatte sich die deutsche Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent erhöht.

Zudem drohen weltpolitische Risiken wie mögliche US-Strafzölle auf die Verbraucherstimmung in Deutschland durchzuschlagen. Zusätzliche Gefahren lauern laut der GfK derzeit in Italien. Sollte die umstrittene Regierung in Rom tatsächlich zustande kommen, „könnte Italien größere Sprengkraft entfalten als andere Krisenherde“, sagte der Konsumforscher Rolf Bürkl der Deutschen Presse-Agentur.

Nach einem mehrjährigen Aufwärtstrend habe sich das Konsumklima inzwischen „mit Auf und Abs“ auf hohem Niveau stabilisiert, berichtete Bürkl bei der Veröffentlichung der jüngsten GfK-Konsumklima-Studie. Die Verbraucherstimmung bekam im Mai erneut einen leichten Dämpfer. Die privaten Konsumausgaben sind mit mehr als 53 Prozent die bedeutendste Säule der Wirtschaftsleistung.

Die deutsche Wirtschaft legt seit der globalen Finanzkrise inzwischen das neunte Jahr in Folge zu. Experten gehen davon aus, dass sich der längste Aufschwung seit 1991 fortsetzt und das Wachstum wieder an Tempo gewinnt. „Nach der Wachstumsdelle im Winter dürfte die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal wieder kräftiger expandieren“, hieß es im jüngsten Monatsbericht der Bundesbank.

Aus Sicht mancher Ökonomen könnte es aber schwieriger werden, auch 2018 eine jährliche Wachstumsrate von mehr als zwei Prozent zu erreichen. Die Bundesregierung rechnete zuletzt mit 2,3 Prozent und für 2019 mit 2,1 Prozent. 2017 war die Wirtschaft in Deutschland um 2,2 Prozent gewachsen, es war das stärkste Plus seit sechs Jahren.

Verantwortlich für den Rückgang der Rate im Winterquartal war vor allem der Außenhandel. Importe und Exporte sanken im Vergleich zum Vorquartal. Der starke Euro belastete nach Einschätzung von Ökonomen die Geschäfte deutscher Exporteure. Dadurch werden Waren „made in Germany“ auf dem Weltmarkt teurer. Das kann die Nachfrage dämpfen.

Erstmals seit knapp fünf Jahren nahmen den Statistikern zufolge zudem die Konsumausgaben des Staates ab. Hierzu gehören unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter. Das dämpfte das Wirtschaftswachstum ebenfalls.

Für den konjunkturell wichtigen privaten Konsum erwarten die Nürnberger GfK-Forscher zwar keinen Einbruch. Die Bereitschaft der Haushalte zu größeren Anschaffungen sei weiterhin groß - aber nicht mehr so ausgeprägt wie am Jahresanfang. Was die Konjunktur und das künftig von den Haushalten erwartete Einkommen angehe, blieben die Verbraucher dennoch optimistisch. Die große Konsumneigung wird vor allem von relativ stark wachsenden Löhnen und der seit Jahren steigenden Beschäftigung getragen.

Gestützt wurde die Konjunktur aber auch von den Investitionen der Unternehmen in Maschinen und andere Ausrüstungen sowie dem Bauboom. So legten die Bauinvestitionen um 2,1 Prozent zu.

Im Jahresvergleich kühlte sich die Wirtschaft ebenfalls etwas ab. Bereinigt um den Kalendereinfluss aufgrund der Lage der Feiertage stieg das BIP um 2,3 Prozent. Im dritten Quartal 2017 waren es noch 2,7 Prozent.

Der anhaltende Aufschwung in Deutschland kommt einer Studie zufolge indes bei weitem nicht bei allen Bürgern an. Demnach sind zwischen 1991 und 2015 die realen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte im Schnitt um 15 Prozent gestiegen. Davon hätten die meisten Einkommensgruppen profitiert - aber nicht die untersten. Das geht aus einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hervor. Basis hierfür sind die aktuellsten verfügbaren Daten der Längsschnittstudie „Soziooekonomisches Panel“.

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