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Gepanschte Krebsmittel

Bottroper Apotheker: Kein Fall fürs Schwurgericht

ESSEN/BOTTROP Ein neuer Schöffe, jedoch kein Verweis ans Schwurgericht: Im Prozess um angebliche gestreckte Krebsmedikamente kann sich der angeklagte Bottroper Apotheker aber trotzdem nicht sicher sein, am Ende nicht doch wegen Mordes verurteilt zu werden.

Bottroper Apotheker: Kein Fall fürs Schwurgericht

Die „Alte Apotheke“ in Bottrop. Inzwischen wird sie nicht mehr von dem wegen mutmaßlich gepanschten Krebsmedikamenten Angeklagten geführt. Foto: dpa

Einige Anwälte der betroffenen Krebspatienten oder deren Angehörigen hatten schon zum Prozessauftakt von „Mord“ und „Mordversuch“ gesprochen. Ihre Forderung: Die aktuell zuständige Wirtschaftsstrafkammer müsse das Verfahren ans Schwurgericht abgeben. Dorthin, wo normalerweise Tötungsdelikte oder Tötungsversuche verhandelt werden.

Nach Ansicht der Richter ist genau das jedoch aus verfahrensrechtlichen Gründen nicht möglich. Derartige Anträge könnten von den Nebenklägern gar nicht gestellt werden, hieß es im Prozess.

Verurteilung wegen Mordes ist möglich

Eine Verurteilung wegen Mordes oder Mordversuchs sei aber dennoch möglich. „Die Wirtschaftsstrafkammer hat die Rechtsmacht, sämtliche Regelungen des Strafrechts anzuwenden und jede mögliche Sanktion zu verhängen“, sagte Richter Johannes Hidding im Prozess. Sollte sich im Verlaufe des Prozesses herausstellen, dass eine Verurteilung wegen Mordes oder Mordversuchs in Betracht kommen könnte, müsste dem Angeklagten allerdings ein besonderer rechtlicher Hinweis erteilt werden. Genau das ist am Freitag jedoch nicht passiert.

BOTTROP/ESSEN Kein Wort des angeklagten Apothekers, dafür harsche Kritik der Verteidiger an der Staatsanwaltschaft. In Essen ist am Dienstag der Prozess um gestreckte Krebsmedikamente fortgesetzt worden. Die Anwälte des Angeklagten Peter S. wollen die Unschuld des Apothekers beweisen - oder zumindest Zweifel an dessen Schuld schüren. Und das sind ihre Argumente.mehr...

Mit ihrem Antrag auf Absetzung eines Schöffen hatten die Anwälte der Betroffenen dagegen Erfolg. Im Prozess vor dem Essener Landgericht war bekannt geworden, dass der ehrenamtliche Richter früher selbst Apotheker in Bottrop war. Außerdem ist dessen Ehefrau ebenfalls an KrBottroper Apotheker: Kein Fall fürs Schwurgerichtebs erkrankt und befindet sich in Behandlung eines Bottroper Arztes, der eng mit dem Angeklagten zusammengearbeitet hat. Beides zusammen begründe nach Ansicht der Richter den Verdacht, dass der Schöffe wegen seiner beruflichen und privaten Nähe zum Thema der Anklage möglicherweise nicht objektiv urteilen könnte. „Ein Vorwurf an den Schöffen ist damit allerdings nicht verbunden“, so Hidding.

Bottroper Apotheker: Kein Fall fürs Schwurgericht

Der Angeklagte (M) Apotheker Mitte November im Landgericht in Essen zwischen seinen Anwälten. Der 47-Jährige aus Bottrop soll seit 2012 fast 62.000 Krebsmedikamente gepanscht haben. Foto: dpa

Prozess muss voraussichtlich nicht neu beginnen

Neu beginnen muss der Prozess deshalb aber nicht. Der Schöffe ist durch einen Ersatzschöffen ersetzt worden, der bereits seit Beginn des Prozesses an der Verhandlung teilgenommen hat. Er war für den Fall hinzugezogen worden, dass ein Hauptschöffe erkrankt oder aus anderen Gründen – wie jetzt geschehen – aus dem Prozess ausscheiden muss.

Dem angeklagten Apotheker wird vorgeworfen, Krebsmedikamente unterdosiert, aber voll abgerechnet zu haben. Allein den gesetzlichen Krankenkassen soll dadurch ein Schaden von rund 56 Millionen Euro entstanden sein.

Correctiv-Panorama-Doku

Das gemeinnützige Recherchezentrum CORRECTIV hat zusammen mit dem ARD-Magazin Panorama ein halbstündige Dokumentation zu dem Fall erstellt.

BOTTROP/ESSEN Ein Apotheker soll sich auf Kosten von Krebspatienten und Krankenkassen systematisch bereichert haben. Vor Gericht bleibt er äußerlich gelassen und schweigt am ersten Prozesstag. Die Betroffenen dagegen haben durch die Machenschaften von Peter S. nicht nur das Vertrauen in medizinische Hilfe verloren.mehr...

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