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Brad Mehldau zelebriert Piano-Jazz ganz ohne Grenzen

Berlin. Solo oder im Trio, von Bach bis Brian Wilson: Innerhalb weniger Wochen beweist der zurzeit wohl weltbeste Jazz-Pianist Brad Mehldau gleich zweimal, dass seine Kunst keine Grenzen mehr kennt.

Brad Mehldau zelebriert Piano-Jazz ganz ohne Grenzen

Voller Inspiration: Brad Mehldau. Foto: David Bazemore

Das Arbeitspensum dieses Musikers ist ebenso groß wie sein stilistisches Spektrum, und das bei gleichbleibend hoher Qualität: Nur wenige Wochen nach dem Klassik/Jazz-Hybriden „After Bach“ gibt es schon wieder etwas Neues von Brad Mehldau.

Mit dem Album „Seymour Reads The Constitution!“ (Nonesuch/Warner) kehrt der 47 Jahre alte Pianist zu seiner Kernkompetenz zurück - dem Jazz-Trio. Mit den Freunden Larry Grenadier (Bass) und Jeff Ballard (Schlagzeug) erkundet der in Florida geborene Klaviervirtuose eigentlich vertrautes und doch immer wieder spannendes musikalisches Gelände, so wie zuletzt auf dem herausragenden Gemeinschaftswerk „Blues And Ballads“ (2016).

Diesmal sind es eigene Stücke mit der Möglichkeit weitläufiger Improvisation wie im Opener „Spiral“ und im Titelstück, ein American-Songbook-Standard von Frederick Loewe („Almost Like Being In Love“), weniger bekannte Jazz-Tracks wie Sam Rivers' „Beatrice“ - und die bei Mehldau stets bestens aufgehobenen Interpretationen von Rock- und Popsongs.

Von Radiohead, Nick Drake, Sufjan Stevens, Elvis Costello oder Jimi Hendrix stammten solche Vorlagen auf früheren Alben wie „The Art Of The Trio V - Progression“ (2001) und dem preisgekrönten „Where Do You Start“ (2012). Nun wendet sich der Amerikaner - jeweils nicht zum ersten Mal - den wunderbaren Melodien von Brian Wilson und Paul McCartney zu.

Was Mehldau etwa aus der prachtvollen Sonnenschein-Hymne „Friends“ herausholt, welche Glitzerfunken er schlägt mit diesem Ausgangsmaterial, lässt sich immer wieder nur bestaunen. Selbst wenn man den Weg dieses Meisterpianisten schon seit vielen Jahren verfolgt, und obwohl das Muster - aus Pop wird Jazz - einigermaßen ausgereizt scheint.

Mehldau hat sein Spektrum zunehmend erweitert - die sensible Innerlichkeit, ja Versunkenheit seines Spiels ist immer noch da, aber längst hat er auch den Groove für sich entdeckt. Dafür muss man nur seine swingende, zwingende Version von Elmo Hopes „De-Dah“ auf dem neuen Album hören - ein Meisterstück in der Karriere dieses mit Meisterstücken nicht geizenden Musikers.

Ob dazu auch „After Bach“ (Nonesuch/Warner) gehören wird, Mehldaus Solo-Hommage an „Das wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach? Die Aufnahme dieser im März erschienenen Platte war nicht durchweg positiv. Der Amerikaner, der mit Mozart-Klavierkonzerten seine Klassik-Ambitionen live schon unter Beweis gestellt hatte, habe sich diesmal wohl etwas verhoben, hieß es neben vielen wohlmeinenden Kritiken.

Den Anlass, das Klavierwerk des barocken Meisters für sich zu erobern, gab ein Kompositionsauftrag, so dass Mehldau 2015 erstmals „Three Pieces After Bach“ aufführte. Seitdem trieb er die Beschäftigung mit Bach weiter voran, bis er sich daran wagen konnte, das spannende Experiment im Studio fortzusetzen.

Die uralten Präludien nahm Mehldau als Ausgangspunkte für Interpretationen und eigene Kompositionen „Before Bach“ und „After Bach“. Das ist nicht immer leichter Stoff und mag für manche auch prätentiös klingen, das Ergebnis zeugt aber vom enormen Horizont dieses Musikers.

Nach Kooperationen mit Gitarrist Pat Metheny (2006/2007), Drummer Mark Guiliana (2014), Saxofonist Joshua Redman (2016) und Banjo-Mann Chris Thile (2017) nun also ein Bach-Projekt: Brad Mehldau kennt keine Grenzen, das Label des Jazz-Pianisten ist für ihn längst viel zu klein.

Brad Mehldau Trio im Konzert: 18.5. Wien, 2.7. Montreux/Schweiz, 3.7. Schleswig, 4.7. Wiesbaden. 25.7. Langnau/Schweiz

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