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"Feiger Anschlag"

Brandstiftung in künftigen Asylbewerberheimen

Meißen/Lübeck Erst die Proteste vor einem Freitaler Flüchtlingsheim, nun sorgt ein anderer Fall in Sachsen für Aufsehen. In Meißen bricht Feuer in einem als Unterkunft für Asylbewerber gedachten Haus aus. Und auch in Lübeck wurde Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft gelegt. Gab es schon frühzeitig Drohungen?

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Verletzt wurde niemand, das Gebäude in Meißen war komplett unbewohnt - jedoch sind die Wohnungen jetzt nicht nutzbar.

Einsatzkräfte der Feuerwehr sind nach einem Brand in der noch unbewohnten Asylbewerberunterkunft in Meißen im Einsatz. Foto: Roland Halkasch

Nach Behördenangaben wurde an zwei Stellen Feuer mit Hilfe eines Brandbeschleunigers gelegt. Es brach aber nur an einer Stelle tatsächlich aus - in einem Zimmer in der ersten Etage. Foto: Roland Halkasch

Blick in einen schon bezugsfertig eingerichteten Raum in der Asylbewerberunterkunft in Meißen. Foto: Roland Halkasch

Eigentlich sollten in der Asylbewerberunterkunft in Meißen demnächst 32 Flüchtlinge untergebracht werden

In einer noch unbewohnten Asylbewerber-Unterkunft in der sächsischen Stadt Meißen haben Unbekannte Feuer gelegt. "Wir gehen von Brandstiftung aus", sagte eine Sprecherin des Operativen Abwehrzentrums der Polizei (OAZ) nach den ersten Ermittlungen in dem Gebäude. Der Hauseigentümer hat unterdessen von einem "Anschlag mit Ansage" gesprochen. Anfang Juni habe er an der Tür einen Zettel mit einer klaren Drohung gefunden, sagte Ingolf Brumm, Geschäftsführer der gleichnamigen Baufirma. Darauf seien die Asylbewerber ironisch willkommen geheißen worden - mit der Aufforderung, das Land so schnell wie möglich wieder zu verlassen.

Als er bei der Polizei Anzeige erstatten wollte, habe man ihn "an der Tür abserviert", sagte der Eigentümer, der die Flüchtlingsunterkunft in den vergangenen beiden Jahren saniert hat. Begründung sei gewesen, dass man nur Anzeige erstatten könne, wenn ein Schaden vorliege, fügte er hinzu. Eine Sprecherin des für extremistische Straftaten zuständigen OAZ betonte, man nehme derartige Hinweise immer ernst. Seit Tagen macht Sachsen Schlagzeilen, weil im etwa 30 Kilometer entfernten Freital allabendlich einige Dutzend Menschen auch mit rassistischen Parolen gegen ein Flüchtlingsheim protestieren.

Brandbeschleuniger an zwei Stellen

Das Feuer war kurz nach Mitternacht in einem Zimmer in der ersten Etage des vierstöckigen Gebäudes ausgebrochen. Verletzt wurde niemand, das Gebäude war unbewohnt. Den Angaben der Polizei zufolge wurde an zwei Stellen Feuer mithilfe eines Brandbeschleunigers gelegt - es brach aber nur an einer Stelle tatsächlich aus. Unbekannte hätten sich gewaltsam Zutritt in das Gebäude verschafft, hieß es.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sprach von einem "feigen Brandanschlag". Man werde alles dafür tun, dass die Verantwortlichen gefasst würden. Er betonte: "Wir werden dafür sorgen, dass diejenigen, die zu uns kommen, sichere Aufnahme finden."

Anschlag auch in Lübeck

Auch auf den Rohbau einer geplanten Asylbewerberunterkunft in Lübeck ist am Montag ein Brandanschlag verübt worden. Eine Anwohnerin hatte am frühen Morgen Feuer bemerkt und die Feuerwehr gerufen. Es sei niemand verletzt worden, auch der entstandene Sachschaden sei gering, teilte die Polizei mit. Nach ersten Erkenntnissen geht die Polizei von Brandstiftung aus. Da ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann, hat das Staatsschutzkommissariat der Bezirkskriminalinspektion Lübeck die Ermittlungen übernommen.

Wie die "Lübecker Nachrichten" berichten, wurde auf einem Bauschild eine Schmiererei entdeckt, die auf einen politischen Hintergrund hindeuten könnte. Eine städtische Wohnungsgesellschaft errichtet in Kücknitz derzeit eine Unterkunft für 120 Asylbewerber.

Bundesinnenminister verurteilt Anschlag

Die Polizei in Sachsen prüft unterdessen, ob mutmaßliche Rechtsextreme mit dem Brand zu tun haben, die sich offenbar am Abend zuvor in Meißen versammelt hatten. Die "Initiative Heimatschutz", die im Internet Stimmung gegen Flüchtlinge macht, hatte für Samstagabend zu einer "spontanen Zusammenkunft" in der Domstadt aufgerufen. Auf Facebook distanzierte sich die Initiative "von jeglichen Brandstiftungen."

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verurteilte den mutmaßlichen Brandanschlag. Er habe sich der Diskussion mit der "teilweise zurecht verunsicherten Bevölkerung" in den vergangenen Monaten gestellt - das sei seine Pflicht als Politiker, sagte de Maizière, der seinen Wahlkreis in Meißen hat. "Aber eins muss auch klar sein: Ich toleriere keine Form von Gewalt oder Hass."

Wohnungen waren bezugsfertig

Nach Angaben des Meißner Landrates Arndt Steinbach (CDU) waren in dem Mehrfamilienhaus sechs bis sieben Wohnungen für bis zu 35 Flüchtlinge geplant. "Wenn man eins und eins zusammenzählt, liegt es nahe, dass der Brand und die Unterbringung der Asylbewerber zusammenhängen." Die erwarteten Asylbewerber müssten nun in anderen Gebäuden untergebracht werden. Beschädigt worden sind laut Steinbach ausgerechnet die beiden Wohnungen, die bereits komplett bezugsfertig waren.

In den vergangenen Monaten waren in Deutschland schon mehrfach Asylunterkünfte in Brand gesteckt worden. In Tröglitz in Sachsen-Anhalt zerstörte ein Feuer eine Unterkunft, bevor die Bewohner dort einziehen konnten. Zuvor hatte es dort massive Proteste gegen die Unterbringung von Flüchtlingen gegeben. Auch in Vorra (Bayern) und Limburgerhof (Rheinland-Pfalz) wurden Feuer gelegt. Erst in der vergangenen Woche hatte sich eine zunächst vermutete Böller-Attacke auf ein Asylbewerberheim im sächsischen Freiberg als Sprengstoffanschlag entpuppt.

Freital In Freital bei Dresden demonstrieren Gegner und Befürworter einer Flüchtlingsunterkunft den dritten Abend in Folge. Doch es geht um mehr als die Frage, ob Asylsuchende dort hinkommen dürfen. Mitten drin: die Flüchtlinge.mehr...

 

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